Zu viele Widersprüche im Frauenfelder Kebab-Fall

Das Bezirksgericht verurteilt den Teilhaber einer Kebab-Produktionsfirma aus der Region zu einer bedingten Haftstrafe von 15 Monaten wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung. Er hatte systematisch Bareinnahmen nicht abgeliefert.

Stefan Hilzinger
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Der Dürüm ist Kebab im Fladenbrot. (Bild: PD)

Der Dürüm ist Kebab im Fladenbrot. (Bild: PD)

Die beiden Beschuldigten müssen lange stehenbleiben, als der Gerichtsschreiber das Urteil verliest. Mancher Freispruch und manche Einstellung eines Verfahrens dürfte sie gefreut haben. Doch letztlich bleiben happige Strafen an Vater und Sohn A. hängen.

Vater I. A., einen türkischstämmigen Produzenten von Kebab-Spiessen, verurteilt das Bezirksgericht Frauenfeld am Dienstag unter anderem wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung in Bereicherungsabsicht und wegen mehrfacher Geldwäscherei zu einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, bedingt auf zwei Jahre. Sohn E. A. erhält unter anderem wegen Hehlerei eine ebenfalls auf zwei Jahre bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 120 Franken.

Beträchtliche finanzielle Forderungen

Ausserdem spricht das Gericht zwei Bussen aus: 3000 Franken für den Vater, 1800 Franken für den Sohn. Doch die Beträge sind vergleichbar bescheiden im Vergleich zu den finanziellen Forderungen mit denen sich die beiden Täter nun konfrontiert sehen. So verpflichtet das Gericht I. A., seinem ehemaligen Geschäftspartner, der als Privatkläger auftrat, mehr als 210'000 Franken zurückzubezahlen, Sohn E. A. trifft es mit 142'000 Franken.

Dazu kommen Gerichts- und Verfahrenskosten von total 72'000 Franken, für welche beide solidarisch geradestehen müssen. Darüber hinaus stehen die beiden in der Pflicht, auch die Kosten ihrer amtlichen Verteidiger zu übernehmen «sofern es die finanzielle Lage wieder zulässt» – nochmals mehr als 50'000 Franken.

Eine Frage der Wahrscheinlichkeit

Im Kern hatte das Gericht die Frage zu beantworten, ob I.A. als Teilhaber und damaliger Geschäftsführer einer Kebab-Produktionsfirma in der Region Frauenfeld über einen längeren Zeitraum mehrfach Bareinnahmen nicht abgeliefert und in seinen eigenen Sack gesteckt hat – und ob er mit dem unrechtmässig erworbenen Geld seinem Sohn beim Aufbau einer eigenen Kebab-Firma geholfen habe.

Obwohl es für die Sachverhalte keine Beweise und auch keine Geständnisse seitens der beiden nun Verurteilten gibt, sieht das Gericht das deliktische Tun in vielen Fällen als erwiesen an. Zwar habe auch ein anderer Mitarbeiter der Firma Bareinnahmen teilweise nicht abgeliefert. «Aber das tat er in 2,4 Prozent der Vorgänge. Bei I. A. war das in 41,5 Prozent der Fall», sagt die vorsitzende Richterin. Das sei kein Zufall und jenseits einer möglichen Fehlerquote in der Buchhaltung. Die Bezirksrichterin:

«Da steckt menschliche Steuerung dahinter».

Als erwiesen sieht es das Gericht auch an, dass die Mittel, die bis August 2013 in den Aufbau der Firma des Sohnes geflossen seien, nicht legaler Herkunft sein können. Die beiden hatten angegeben, dass es sich dabei um Gelder aus einer Erbschaft in der Türkei gehandelt habe.

Weil die Beschuldigten im Rahmen des vier Jahre dauernden Verfahrens widersprüchliche Angaben gemacht haben und weil Belege für einen effektiven Geldfluss fehlen, nimmt das Gericht ihnen die Geschichte mit der Erbschaft nicht ab. Teilweise schuldig ist I. A. auch des unlauteren Wettbewerbs, weil er Kunden seiner Thurgauer Firma zu Gunsten der Firma seines Sohnes abgeworben hat.

In ihrem Schlusswort nimmt die Richterin die beiden in die Pflicht. «Ich hoffe, es ist ihnen klar geworden, dass sich solche Machenschaften nicht lohnen.»

Hinweis:
Das Urteil des Bezirksgerichts Frauenfeld ist noch nicht rechtskräftig.