«Zu rechnen, dass Fluglärm wieder zunimmt»: Kanton will in Uesslingen-Buch eine weitere Messstation bauen

Der Kanton will auf dem Iselisberg mit neuer Technologie den Fluglärm messen. Aktuell liegt im Gemeindehaus in Uesslingen-Buch ein Baugesuch auf.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Bild der neuen Fluglärmmessstation in Balterswil.

Bild der neuen Fluglärmmessstation in Balterswil.

Bild: Christof Lampart

Seit wenigen Wochen steht in Balterswil im Hinterthurgau eine neue Fluglärmmessstation, durch die der Kanton mehr Daten erhält und Kosten spart. Nun soll zeitnah am Iselisberg eine zweite Messstelle gebaut werden. Die Projektverfasserin beider Anlagen ist dieselbe: die Sinus AG aus Kreuzlingen, ein auf die Durchführung von Lärm- und Erschütterungsmessungen spezialisiertes Unternehmen. Die Firma ist Pionierin auf dem Gebiet.

«Als wir im Jahr 2006 von den Problemen des Bürgerprotests Fluglärm Hinterthurgau hörten und mitbekamen, dass das kantonale Departement für Bau und Umwelt (DBU) nach einer Möglichkeit suchte, um den Fluglärm langfristig aufzuzeichnen, habe ich sofort zum Telefonhörer gegriffen und dem Kanton mitgeteilt, dass wir uns umgehend an die Entwicklung eines solchen Systems machen werden», erinnert sich Sinus-Geschäftsleiter Markus Weigele.

Markus Weigele, Geschäftsleiter Sinus in Kreuzlingen.

Markus Weigele, Geschäftsleiter Sinus in Kreuzlingen.

Bild: PD

Nördlich des Trottenhof auf dem Iselisberg

Die 6,10 Meter hohe und dank im Mast integrierter Solarpaneele im Betrieb komplett autarke Fluglärmmessstation ist zusätzlich mit einer Wetterstation ausgerüstet und komplett strahlungsfrei. Läuft alles wie geplant, soll diese zeitnah auf der Parzelle Nummer 206 nördlich des Trottenhofs auf dem Iselisberg zu stehen kommen. Weigele sagt:

«Die Eigentümerschaft war unserem Vorhaben gegenüber sehr aufgeschlossen und unkompliziert.»

Und auch die Gemeinde Uesslingen-Buch, in deren Besitz sämtliche angrenzenden Parzellen sind, outet sich in den Unterlagen der Baueingabe als Befürworterin, steht doch dort: «Der Gemeinderat unterstützt das Bauvorhaben.»

Keine eigenen Daten im Raum Frauenfeld

Der Kanton als Besteller der Anlage hält in der Person des Generalsekretärs des DBU, Marco Sacchetti, in einer schriftlichen Stellungnahme fest: «Ein Monitoring macht vorausschauend Sinn.» Dies begründet Sacchetti so: «Auch wenn es aktuell coronabedingt sehr ruhig am Himmel ist, so ist damit zu rechnen, dass der Fluglärm wieder zunehmen wird.» Am Flughafen Zürich seien Anpassungen wie das neue Betriebsreglement hängig, die zu einer grösseren Belastung des Raums Frauenfeld führten. Komme hinzu, dass das DBU im Raum Frauenfeld bislang über keine eigenen Daten verfügt.

Marco Sacchetti, Generalsekretär Departement für Bau und Umwelt (DBU).

Marco Sacchetti, Generalsekretär Departement für Bau und Umwelt (DBU).

Bild: Donato Caspari

Die Technologie, die zum Einsatz gelangt, bedient sich für die automatische Fluglärmerkennung der Transpondersignale, welche von den Flugzeugen im Sekundentakt gesendet werden. Im Terzbandspektrum wird durch den Mast jegliche Frequenz aufgezeichnet und daraus ein akustisches Bild generiert. Und da das Gerät mit künstlicher Intelligenz arbeitet, lernt es über die Jahre somit, die unterschiedlichsten Arten von Geräuschen zu entscheiden.

Kanton zahlt zehn Jahre

Die jährlichen Betriebskosten für das vom Departement für Bau und Umwelt (DBU) des Kantons Thurgau bestellte neue Fluglärm-Monitoring im Raum Frauenfeld betragen ab kommendem Jahr 23'000 Franken und werden während zehn Jahren vom Kanton getragen. Die Baukosten von 50'000 Franken sowie die Entwicklungskosten der Technologie trägt die Sinus AG. Die Auflage der Baueingabe läuft noch bis und mit nächstem Mittwoch, 25. November. (art)

Aktuelle Nachrichten