Zonenplan
Ortsplanungsrevision Hüttwilen: Stärkung des lokalen Gewerbes, aber private Einzelbegehren haben keine Chance

Die Hüttwiler Stimmberechtigten befinden am 13. Juni an der Urne über einen revidierten Zonenplan. Ausgezont werden muss im Seebachtal nicht, aber es gibt auch keinen Spielraum für Umzonungen ohne öffentliches Interesse.

Mathias Frei
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Themen der Hüttwiler Ortsplanung: die Parzelle an der Nussbaumer Hofwiesstrasse, die Schweinestallungen am östlichen Hüttwiler Ortseingang, die Keller Technik AG in Nussbaumen sowie die EWE Elektro AG in Hüttwilen.

Themen der Hüttwiler Ortsplanung: die Parzelle an der Nussbaumer Hofwiesstrasse, die Schweinestallungen am östlichen Hüttwiler Ortseingang, die Keller Technik AG in Nussbaumen sowie die EWE Elektro AG in Hüttwilen.

Bilder: Mathias Frei

Netto Null: Das ist in politisch Hüttwilen in Sachen Bauzonen angesagt. Heisst: Auf Gemeindegebiet kann zwar kein Bauland neu eingezont, aber es muss auch nichts ausgezont werden. Dieser Umstand bildete die Basis für die aktuelle Ortsplanungsrevision der Seebachtal-Gemeinde. Der neue Zonenplan lag bis vor kurzem öffentlich auf. Am 13. Juni befinden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Urne darüber. Gemeindepräsident Hanspeter Zehnder sagt:

«Innere Verdichtung war ein weiteres Stichwort bei unseren Planungen.»
Hanspeter Zehnder, Hüttwiler Gemeindepräsident.

Hanspeter Zehnder, Hüttwiler Gemeindepräsident.

Bild: Reto Martin

Stadtplanung kenne man schon lange. Dass es aber auch in einem Dorf eine übergeordnete Planung braucht, sei vor dem neuen Raumplanungsgesetz keine Priorität gewesen, sagt Zehnder. Das wollte der Gemeinderat nun in der Ortsplanung nachholen. Einerseits hat das Raumplanungsbüro Strittmatter dazu beigetragen. Anderseits haben sich Studierende der Technischen Universität München im Rahmen eines Projekts der Regio Frauenfeld seit vier Jahren mit den Hüttwiler Ortsteilen befasst. Zehnder erklärt:

«Dabei kam heraus, dass Nussbaumen planerisch fast ideal ist. Es gibt keine störenden Elemente und auch fast keine Bausünden.»

Die Schweineställe bleiben vorerst

In Hüttwilen dagegen hat ein ortsplanerisch störendes Element die Revision überlebt. Zehnder bedauert das. Es geht um die Schweinestallungen am östlichen Ortseingang. Ziel wäre es gewesen, den Ortseingang mit Wohnbauten anstelle der Ställe aufzuwerten. Die nötige Umzonung sei aber nicht mehrheitsfähig gewesen, weil sie andere Projekte verhindert hätte. «Der Rückbau der Schweineställe ist vorerst zurückgestellt, aber im Gemeinderat bleiben wir an diesem Thema dran.»

Ein anderes Thema der aktuellen Zonenplanung waren die Ausbaupläne der Landi-Genossenschaft, die in Hüttwilen nebst einem Landi-Laden auch einen Volg betreibt. Die Genossenschaft hat Ideen für eine grössere Anlage in der Beerenproduktion.

«Wir haben der Landi mehrere Standorte für den Neubau vorgeschlagen. Aber die Genossenschaft ist zum Schluss gekommen, einen alternativen Standort grad hinter der Grenze im Kanton Zürich zu prüfen.»

Das erklärt Zehnder. Für alle Fälle halte man aber eine Gewerbeparzelle in Nussbaumen an der Hofwiesstrasse in Reserve, falls sich die Landi doch wieder umentscheiden sollte.

Anpassungen für EWE Elektro und Keller Technik

Wie Zehnder sagt, erachte es der Gemeinderat für wichtig, ein starkes lokales Gewerbe zu haben. Diversifizierte KMU-Arbeitsplätze seien krisenresistent und würden auch ihren Beitrag an ein aktives Dorfleben leisten. Zehnder freut sich deshalb, dass im neuen Zonenplan zwei Umzonungen in diesem Bereich geplant sind. So erhält die Firma Keller Technik in Nussbaumen eine Erweiterung der bestehenden Gewerbezone. Das auf Landmaschinen spezialisierte Unternehmen konnte die Notwendigkeit einer Zonenerweiterung schlüssig aufzeigen. Die Kriterien sind erfüllt für einen Bezug aus einem kantonalen Pool an Kompensationsfläche. Zudem wird in Nussbaumen ein belasteter Standort entsprechend ausgezont. Dafür muss die Keller Technik AG eine Mehrwertabgabe leisten.

Auch die EWE Elektro AG braucht eine Erweiterung. Sie zieht deshalb innerhalb der Bauzone vom östlichen an den westlichen Dorfrand von Hüttwilen. Ein weiteres Teilprojekt der Ortsplanungsrevision betrifft eine gemeindeeigene Parzelle an der Hofwiesstrasse in Nussbaumen neben der schon erwähnten Gewerbereserve für ein etwaiges Landi-Projekt. Auf dieser Parzelle soll es ein Wohnbauprojekt geben, für das es eine Gestaltungsplanpflicht gibt. An der Urnenabstimmung über den Zonenplan geht es aber nur um die Umzonung.

Keine Erinnerung ans alte Kurhotel Steinegg

Weiter verschwindet die Kurzone beim Schloss Steinegg. Und das alte Uerschhauser Gemeindehaus wird im Sinne einer Korrektur von der Landwirtschaftszone in die öffentliche Zone umgezont. Bei Zonenplanrevisionen gibt es erfahrungsgemäss auch immer viele Begehren Privater ohne öffentliches Interesse.

«Solche Partikularinteressen sind aber nur noch realisierbar durch Kompensation mit anderen privaten Bauparzellen, also mittels Auszonung.»

Das erklärt Zehnder. Deshalb seien solche Begehren allesamt nicht realisierbar gewesen. Der Hüttwiler Gemeindepräsident zieht zur aktuellen Ortsplanungsrevision ein positives Fazit. Man sei nun optimal aufgestellt für die Zukunft.