«Zieht euer Entenkostüm aus!»: Das fordert Eishockey-Natitrainer Patrick Fischer am Tag der Frauenfelder Wirtschaft

Es geht weiter, trotz der Coronapandemie und all ihrer Folgen. Das war die Quintessenz des Unternehmer-Talks am Mittwochmorgen im Rahmen des Tags der Frauenfelder Wirtschaft. Die Veranstalter durften in der Rüegerholzhalle die stattliche Zahl von 260 Gästen empfangen.

Mathias Frei
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Eishockey-Naticoach Patrick Fischer auf der Bühne der Rüegerholzhalle.

Eishockey-Naticoach Patrick Fischer auf der Bühne der Rüegerholzhalle.

(Bild: Mathias Frei)

Rund 260 Adler sind es gewesen. Falls am Mittwochmorgen am Unternehmer-Talk des Tags der Frauenfelder Wirtschaft Gäste noch vereinzelt als Enten in der Rüegerholzhalle eingetroffen sind, so haben sie sich spätestens nach dem Referat des Schweizer Eishockey-Natitrainers Patrick Fischer zu Adlern gewandelt.

Dem Referat von Patrick Fischer ging ein feines Frühstück voran.

Dem Referat von Patrick Fischer ging ein feines Frühstück voran.

(Bild: Mathias Frei)

So hätten Frauenfelds Wirtschaftsführer, Unternehmer und Politiker eine wichtige Voraussetzung erfüllt, um dereinst einmal unter Fischer in der Hockeynati zu spielen. Der Natitrainer lässt Ausreden nicht gelten. So fordere er seine Spieler auf: «Adler, zieht euer Entenkostüm aus!» Mit seinem Referat fordert er die Anwesenden heraus und motiviert sie zugleich. Am Schluss verabschiedet sich Fischer mit einem «Daumen hoch», einer symbolischen Geste für die Frauenfelder Wirtschaftslandschaft.

Frauenfelds Wirtschaft leidet (noch) nicht so stark wie befürchtet

Ende März, kurz nach Lockdown-Beginn, führte der Gewerbeverein Region Frauenfeld (GVF) unter seinen Mitgliedern eine erste Umfrage betreffend Befindlichkeit durch. Damals war der Rücklauf hoch. Von den 420 Mitgliedern hatten deren 194 innert Wochenfrist reagiert. Vier Fünftel der teilnehmenden Betriebe rechneten mit einem negativen Geschäftsgang. Zwei Drittel der Betriebe gaben damals an, Kurzarbeit beantragt zu haben oder zu beantragen.

Ganz so schlimm ist es (noch) nicht gekommen. Das ist den August-Umfrageresultaten zu entnehmen, die der GVF in seinem aktuellen Newsletter veröffentlicht hat. Dieses Mal machten noch 30 Prozent der Betriebe mit (März: 46 Prozent). «Grundsätzlich hat sich die Stimmung im Gewerbe verbessert», bilanziert der GVF. Im Vergleich zum Frühling sei wieder vermehrt Zuversicht erkennbar. Nichtsdestotrotz sei die Coronakrise noch nicht ausgestanden. «Die Gewerbetreibenden sind nach wie vor mit grossen Herausforderungen konfrontiert.» Laut Umfrage rechnen 40 Prozent der Betriebe mit Umsatzeinbussen im ersten Halbjahr 2020. 45 Prozent der teilnehmenden Mitglieder verzeichnen bereits Gewinneinbussen. Die Betriebe rechnen mit fortdauernden Erschwernissen, weil Mitarbeiter krank oder in Quarantäne sind. Zudem wird ein Auftragsrückgang befürchtet. Vier von zehn teilnehmenden Betrieben haben aktuell Kurzarbeit beantragt. (ma)

Keine Floskeln in einem verrückten Jahr

Patrick Fischer an der WM 2019 in Kosice am Spiel der Schweiz gegen Kanada.

Patrick Fischer an der WM 2019 in Kosice am Spiel der Schweiz gegen Kanada.

(Bild: Melanie Duchene / KEYSTONE)

«Es war uns wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass es weitergeht», sagt Pablo Moiron, Präsident des Industrie- und Handelsvereins Frauenfeld (IHF). Ein äusserst positives Fazit zieht Urs Schönholzer, Präsident des Gewerbevereins der Region Frauenfeld (GVF), der nebst dem IHF und der Stadt Frauenfeld die Trägerschaft des Tags der Frauenfelder Wirtschaft bildet.

«Einerseits, weil wir so viele Gäste begrüssen durften. Andererseits wegen des inspirierenden Referats von Patrick Fischer.»

Und Stadtpräsident Anders Stokholm sagt, «Es freut mich, Sie begrüssen zu dürfen» sei für einmal keine Floskel. Ob privat oder geschäftlich, dieses Jahr sei verrückt. Alles sei auf den Kopf gestellt worden, sagt der Stadtpräsident. Und die Chefinnen und Chefs seien jene, die mit der Krise umgehen können müssten.

Das OK und der Referent: Nihal Mutlu (Infrastruktur), Markus Hirt (Catering), Martina Pfiffner Müller (Programm), Pablo Moiron (Vertreter IHF), Urs Schönholzer (OK-Präsident, Vertreter Gewerbe Frauenfeld), Anders Stokholm (Stadtpräsident Frauenfeld), Patrick Fischer (Referent), Philipp Koch (Kommunikation), Barbara Josef (Moderation) und Urs Röthlisberger (Sponsoring).

Das OK und der Referent: Nihal Mutlu (Infrastruktur), Markus Hirt (Catering), Martina Pfiffner Müller (Programm), Pablo Moiron (Vertreter IHF), Urs Schönholzer (OK-Präsident, Vertreter Gewerbe Frauenfeld), Anders Stokholm (Stadtpräsident Frauenfeld), Patrick Fischer (Referent), Philipp Koch (Kommunikation), Barbara Josef (Moderation) und Urs Röthlisberger (Sponsoring).

(Bild: Kirsten Oertle, Foto Prisma)

Fischer zeigt sodann, dass es auch in einer Krise weitergeht, und was «matchentscheidend» (offenbar ein Lieblingswort des Trainers und ehemaligen Profisportlers) ist, um Erfolg zu haben. Mit der etwas gewagten Aussage, das Rüegerholz sei die schönste Handballarena der Schweiz und erinnere ihn an die Davoser Eishalle, hat er dann auch von Anfang an die Sympathien auf seiner Seite. Die Sinnfrage sieht er im Sport wie auch in der Wirtschaft als zentral. Dafür braucht es «Leadership» sowie das richtige «Mindset». Er sagt:

«Ein guter Chef ist ein guter Ausbildner.»

Wenn man neue Ziele habe, müsse man sich neu bewegen. «Du bist, was du tust», ist für ihn ein Leitsatz. Es gelte, ein positives Umfeld zu schaffen. «Höchstleistungen kommen dann zu Stande, wenn man Spass daran hat und der Coach einem vertraut.»

Fischer gestikuliert, schürt Emotionen, reisst seine Zuhörer mit. Er fordert, auf das Positive zu fokussieren statt Negatives breitzutreten. «Wenn ein Spieler sagt, er habe Fehler gemacht, zeige ich ihm auf, was gut war.» Es brauche eine klare Rollenverteilung. Und vor allem:

«Es braucht jeden im Team.»

Auch den 13. Stürmer, der kaum zu Eiszeit kommt. «Matchentscheidend ist, jeden Spieler dort einzusetzen, wo er am besten performt.» Während etwa Roman Josi ein Freigeist auf dem Spielfeld sei, müsse man Reto Schäppi alles erklären.