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Zentrumsnahe Stadtentlastung Frauenfeld mit neuen Resultaten, aber noch ohne Richtungsentscheid zu verschiedenen Varianten

Die Stadt Frauenfeld hat am Montag neue Resultate zur zentrumsnahen Stadtentlastung vorgestellt. Ein Vorstadttunnel bringe zwar den grössten Nutzen, koste aber auch klar am meisten. Nun arbeitet die Stadt daran, dass sich der Bund finanziell beteiligt. Für welche Variante sich der Stadtrat entscheidet, steht noch aus.
Samuel Koch
An der Pressekonferenz zur zentrumsnahen Stadtentlastung: Robert Scherzinger, Bereichsleiter räumliche Stadt- und Agglomerationsentwicklung, Stadtpräsident Anders Stokholm, Stadtrat Andreas Elliker, Departementsvorsteher Bau und Verkehr, Stadtbaumeister Christof Helbling und Thomas Müller, Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr. (Bild: Samuel Koch)

An der Pressekonferenz zur zentrumsnahen Stadtentlastung: Robert Scherzinger, Bereichsleiter räumliche Stadt- und Agglomerationsentwicklung, Stadtpräsident Anders Stokholm, Stadtrat Andreas Elliker, Departementsvorsteher Bau und Verkehr, Stadtbaumeister Christof Helbling und Thomas Müller, Leiter Amt für Tiefbau und Verkehr. (Bild: Samuel Koch)

Variante 20 versus Variante FrauenfeldPlus. So lautete die Ausgangslage beim stadtinternen Boxkampf. Im Ring befanden sich jedoch nicht nur zwei Kämpfer, sondern deren vier. «Wir wollten herausfinden, wie sich verschiedene Verkehrskonzepte auf die Innenstadt auswirken», sagte Stadtpräsident Anders Stokholm bei der Präsentation der Resultate aus dem ersten Teilprojekt der zentrumsnahen Stadtentlastung. Sie bedeuten keinen Volltreffer, sondern hinterlassen bei der Stadt ein Gefühl zwischen Erleichterung und Ernüchterung.

Erleichterung einerseits, weil nun nach der Gegenüberstellung der vier Varianten messbare Resultate vorliegen. Stadtpräsident Anders Stokholm sagte:

«Wir haben nun alle vier Varianten mit gleichen Kriterien bewertet wie vor zwei Jahren bei der ersten Machbarkeitsstudie.»

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld. (Bild: Reto Martin)

Weniger überraschend, denn logisch zeigen die Ergebnisse, dass die vom Stadtrat vor zwei Jahren favorisierte Variante 20 mit einem Tunnel vom Marktplatz bis zum Schweizerhofkreisel zwar mit Abstand den grössten Nutzen bringt, aber gleichzeitig mit prognostizierten Kosten zwischen 100 und 110 Millionen Franken am meisten kostet. Im Vergleich dazu sind die Kosten für die drei Alternativkonzepte unter der Überschrift FrauenfeldPlus wesentlich günstiger, wobei das reine Tempo-30-Regime beim Kosten-Nutzen-Verhältnis den besten Wert aufweist.

Resultate aus der Kosten-Wirksamkeits-Analyse. (Bild: PD)

Resultate aus der Kosten-Wirksamkeits-Analyse. (Bild: PD)

TunnelPlus vs. dreimal FrauenfeldPlus

Im vergangenen Januar bewilligte der Gemeinderat 600'000 Franken für eine vertiefte Machbarkeitsstudie zum Vergleich des Vorstadttunnels (Variante 20) mit der Variante FrauenfeldPlus (nur flankierende Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz, jedoch kein Strassenneubau) verglichen werden sollte. Der Gesamtaufwand der Kosten-Nutzen-Analyse betrug 1,2 Millionen Franken, der Kanton steuerte die anderen 600'000 Franken bei. Am Montagvormittag hat die Stadt nun vier untersuchte Verkehrsplanungen präsentiert. Der Untersuchungsgegenstand umfasst die Variante TunnelPlus, also Tunnel inklusive Tempo-30-Regime, sowie drei Varianten FrauenfeldPlus, nämlich nur Tempo 30, nur Einbahnverkehr sowie die Kombination von Einbahn und Tempo-30-Regime.

Bei der Variante FrauenfeldPlus «Tempo 30» ist man von einer verkehrsberuhigten Zone in der Vorstadt auf der Zürcherstrasse ab Abzweiger Ringstrasse über die Promenadenstrasse bis zum Holdertorkreisel ausgegangen. Ebenfalls Tempo 30 wäre auf dem Rathausplatz und bis zum Kreuzplatz, auf der Rheinstrasse bis zum Roseneckkreisel sowie auf der Ringstrasse ab Chappenzipfel bis Einmündung Zürcherstrasse. Diese Variante würde zwischen fünf und zehn Millionen Franken kosten und hätte 14 Nutzwertpunkte.

FrauenfeldPlus «Einbahn» sieht eben diese Massnahme auf der Zürcherstrasse in dieser Fahrtrichtung vor ab Kreuzplatz über den Rathausplatz, Holdertorkreisel, Promenadenstrasse und wieder auf der Zürcherstrasse bis Abzweiger Zeughausstrasse. Einbahn wären im Westen der Altweg (nach Norden)und die Laubgasse (nach Süden) zwischen Zürcherstrasse und Bahnhofstrasse. Im Osten dasselbe: Erchingerstrasse (nach Süden) und Kehlhofstrasse (nach Norden) zwischen Zürcherstrasse und Bahnhofstrasse. Zudem gäbe es auch auf der Ringstrasse ab Einmündung Zürcherstrasse bis zum Chappenzipfel nur in diese Richtung einen Fahrstreifen. Beim Einbahnregime würde der zweite Fahrstreifen für den Bus- und den Veloverkehr (im Gegenverkehr) genutzt werden. Bei einem Maximal-Nutzwert von einem Punkt betragen die Kosten maximal eine Million Franken.

Die FrauenfeldPlus-Kombination «Einbahn und Tempo 30» kommt bei Kosten von fünf bis zehn Millionen Franken auf einen negativen Nutzwert: -1 bis -2. Und zum Schluss noch die Variante TunnelPlus, also der Vorstadttunnel inklusive dem Tempo-30-Regime von FrauenfeldPlus. Die Tunnelkosten sind weiterhin bei etwa 107 Millionen Franken veranschlagt. Der Nutzen beträgt 35 Nutzwerkpunkte.

Mathias Frei

Verzicht auf Agglomerationsprogramm 4

Andererseits beschleicht die Stadt ein Gefühl von Ernüchterung. Denn unabhängig der Massnahme kostet die zentrumsnahe Stadtentlastung Geld, womit der Bund ins Spiel kommt. Stadtpräsident Stokholm sagte:

«Wir müssen realistisch sein, ohne finanzielle Beteiligung des Bundes wird die Realisierung einer zentrumsnahen Stadtentlastung mit Tunnelvariante sehr schwierig.»

Um die Unterstützung aus Bundesbern zu erhalten, verzichtet Frauenfeld nun komplett auf ein Agglomerationsprogramm der vierten Generation. «Wir wollen das Fuder nicht überladen», meinte Stokholm. Laut Robert Scherzinger, Bereichsleiter Stadt- und Agglomerationsentwicklung, geht es vielmehr darum, bis ins Jahr 2025 ein «sorgfältig vorbereitetes Agglomerationsprogramm 5 auszuarbeiten und einzureichen». Frauenfeld sei bei der Umsetzung der ersten beiden Agglomerationsprogramme stark in Verzug. «Und seit der dritten Generation setzt der Bund stärkere Leitplanken», meinte Scherzinger.

Deshalb sei die Stadt gut beraten, das Agglomerationsprogramm der fünften Generation seriös und nicht unter Zeitdruck zu erarbeiten, sagte Stadtrat Andreas Elliker, Departementsvorsteher Bau und Verkehr. Gemäss Scherzinger widerspiegle sich dieses Vorgehen übrigens in der Strategie des Kantons. Stadtbaumeister Christof Helbling zielt darauf, in Frauenfeld baldmöglichst ein Gesamtbild zwischen der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung aufzuzeigen. «Eine weitere Herausforderung ist die Umsetzung des neuen Raumplanungsgesetzes», ergänzte er.

Vorlage für Gemeinderat und Stimmvolk noch unklar

Nun plant der Stadtrat, in einem Richtungsentscheid eine favorisierte Variante zu beschliessen. «Es gab schon viele Diskussionen, die aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu Ende sind», sagte Stadtrat Elliker. Laut Stadtpräsident Anders Stokholm werde sich der Stadtrat in den nächsten Monaten positionieren, um dann auch Gemeinderat und Stimmvolk entscheiden zu lassen. Stokholm ergänzte:

«Ob wir zunächst dem Gemeinderat eine oder zwei Varianten vorlegen, steht noch nicht fest.»

Sollten schliesslich für die zentrumsnahe Stadtentlastung tatsächlich Bundesgelder nach Frauenfeld fliessen, stünden bei einer allfälligen Tunnelvariante für Stadt und Kanton noch Kosten in Höhe von rund 70 Millionen Franken zu Buche.

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