Zeit zum Entrümpeln: Die Entsorgungsstellen im Thurgau werden überrannt +++ Appell des Amtes für Umwelt: Coronapatienten sollen den Abfall nicht mehr trennen

Die Entsorgungsstellen im Thurgau haben wegen des grossen Andrangs ein Dosiersystem einführen müssen.

Sebastian Keller
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Beim Regionalen Annahmezentrum (RAZ) in Frauenfeld wird derzeit viel entsorgt.

Beim Regionalen Annahmezentrum (RAZ) in Frauenfeld wird derzeit viel entsorgt.

Bild: Andrea Stalder

Die Menschen verbringen viel Zeit zu Hause und das sonst vielfältige Freizeitangebot ruht: Der Ausnahmezustand namens Corona verführt viele Thurgauer dazu, die eigenen vier Wände zu entrümpeln. Nach dem Lockdown wurden die Regionalen Annahmezentren (RAZ) überrannt.

Deshalb appellierte der Verband KVA Thurgau an die Bevölkerung: Entsorgungsbetriebe nur bei dringendem Bedarf aufsuchen. Denn: Wegen der hohen Besucherzahlen können die Pandemievorschriften – Distanzhalten etwa – nicht eingehalten werden.

Es sei wesentlich ruhiger und entspannter

Hat sich der Andrang gelegt? Iris Kaderli vom Verband KVA Thurgau sagt: «Der Ansturm ist immer noch gross.» Jedoch funktioniere das eingeführte Dosiersystem «sehr gut». Es sei wesentlich ruhiger und entspannter. «Teilweise kommt es zu Wartezeiten, welche akzeptiert werden.»

Besonders beliebt war die Entsorgung von Grünabfällen im RAZ Hefenhofen. Kaderli sagt:

«An schönen Tagen haben wir dort ein Vielfaches an Gartenabfällen.» 

Dies sei normalerweise so früh im Jahr nicht der Fall.

Anderswo haben Betriebe ihre Dienste reduziert. Der Entsorgungshof in Niederuzwil (SG) nimmt nur noch Gewerbeabfälle entgegen. Das berichtete «FM1Today». Für den Verband KVA Thurgau sagt Iris Kaderli: «Solange wir den Betrieb mit unseren Mitarbeitern aufrechterhalten können und keine Massnahmen des Bundes kommen, werden wir für Gewerbe und Private offenhalten.»

Doch alles ist nicht wie immer: Die vier RAZ in Weinfelden, Frauenfeld, Hefenhofen und Kreuzlingen sind samstags neu zu. Weiter hat der Verband Empfehlungen formuliert: Alles, was sauber ist und nicht verdirbt, soll daheim gelagert werden. «Zum Beispiel Papier, Karton, Styropor oder Elektroschrott.» Für Abfallsäcke seien – wo möglich– die Unterflurcontainer zu verwenden.

Alles in einen Sack

Ein spezieller Appell findet sich auf der Website des Amtes für Umwelt: Personen, die am Coronavirus erkrankt sind oder unter Quarantäne stehen, werden gebeten, bis zum Abklingen der Pandemie auf das Abfalltrennen zu verzichten. «Es ist nicht auszuschliessen, dass in den Wertstoffen infektiöses Material enthalten ist», heisst es im Appell. Daher sollen PET-Flaschen und Aludosen im Abfallsack entsorgt werden.

Wer aufgrund der Einschränkungen auf die Idee kommen sollte, zu Hause eine heimliche KVA einzuheizen, dem macht das Umweltamt einen Strich durch die Rechnung: «Die Abfallverbrennung im Garten oder in Cheminées ist auch in der aktuellen Situation weiterhin verboten.»

Anweisungen des Verbands KVA Thurgau zum Pandemiefall