Das spricht für das Winzerfest in der Frauenfelder Altstadt: Zehnmal mehr Weine als in Vevey

Vorbereitung für das Frauenfelder Winzerfest diesen Samstag: Was man zuerst trinkt, wer eine Diva ist und wieso es auch Wasser braucht.

Mathias Frei
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Vor dem Winzerfest in Frauenfeld eine letzte Verkostung bei Saxer in Nussbaumen: Winzerfest-OK-Präsident Hanspeter Wägeli, Ramona Berger und Jimmy Saxer vom Weingut Saxer, Markus Frei (Gutbetrieb Engel) und Mathias Hirschi (Weingut Hirschi). (Bild: Reto Martin)

Vor dem Winzerfest in Frauenfeld eine letzte Verkostung bei Saxer in Nussbaumen: Winzerfest-OK-Präsident Hanspeter Wägeli, Ramona Berger und Jimmy Saxer vom Weingut Saxer, Markus Frei (Gutbetrieb Engel) und Mathias Hirschi (Weingut Hirschi). (Bild: Reto Martin)

Schlag auf Schlag. Oder besser: Glas um Glas. Den einen Winzern aus dem Thur- und Seebachtal steckt noch der Thurgauertag an der Fête des Vignerons vom Montag in den Knochen. Und der nächste önologische Höhepunkt steht schon auf dem Programm: das fünfte Frauenfelder Winzerfest von diesem Samstag.

«Wir bringen die Fête nach Frauenfeld.»
(Bild: Reto Martin)

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Das meint Winzerfest-OK-Präsident Hanspeter Wägeli. «Und unser Festspiel ist die riesige Weinauswahl», doppelt Jimmy Saxer, Winzer aus Nussbaumen, nach. Am riesigen Weinfest in Vevey gab es nicht viel mehr als zehn verschiedene Weine. «Bei uns dagegen kann man von über 20 Winzern aus der Region über 100 verschiedene Weine trinken», sagt Hanspeter Wägeli. Das sind also zehnmal mehr Weine als in Vevey an der Fête des Vignerons.

Für Wein darf es nicht zu heiss sein

Über 100 Weine: Wie geht man ob dieser riesigen Auswahl am Winzerfest vor? Wägeli vom Rappenhof in Buch, Saxer und Ramona Berger vom Weingut Saxer, Mathias Hirschi vom Weingut Hirschi in Weiningen sowie Markus Frei vom Uesslinger Gutsbetrieb Engel erklären wie. Zu heiss dürfe es nicht werden am Samstag, meint Wägeli. Wenn sich die Prognosen bewahrheiten, rechnet er aber mit «optimalem Festwetter».

(Bild: Reto Martin)

(Bild: Reto Martin)

Den Anfang am Winzerfest macht man klassisch mit einem Weisswein. So erklärt es Markus Frei. Zum Beispiel mit einem Müller-Thurgau. In Vevey hatten die Thurgauer den «Tous Ensemble» im Gepäck, ein Gemeinschaftsprodukt von neuen Winzern aus dem Kanton, unter anderem auch von Saxer, Frei und der Kartause Ittingen. Weiterfahren könnte man dann mit Freis Engelwy Müller-Thurgau-Spätlese.

«Die Romands in Vevey sagten dazu nicht ‹c’est si bon›, sondern ‹c’est très bon›.»
(Bild: Reto Martin)

(Bild: Reto Martin)

Fruchtig, aber trocken. Die Trauben seien am Rebstock natürlich getrocknet worden, erklärt Frei. Ein andere Variante wäre der Rosé «Lovely» von Winzerfest-Bauchef Hirschi. Lieblich, passend zum Apéro. Dann aber muss etwas Festes in den Magen. Am Winzerfest sind Käser und Metzger vor Ort. Es gibt aber auch Süsses und Gebäck. Wie wäre es mit Raclette oder Fischknusperli? Viele Leute seien froh, wenn ihnen ein Winzer einen Wein zu einem bestimmten Essen empfiehlt, sagt Frei. «Aber letztlich muss es einem einfach selber schmecken», meint Saxer.

1500 Gläser für das Winzerfest in der Altstadt

Die Frauenfelder Altstadt wird diesen Samstag, 10. August, zum Epizentrum des regionalen Weinbaus. Die fünfte Ausgabe des Winzerfests startet um 16 Uhr und dauert bis 23 Uhr. Das Festzentrum ist die Kirchgasse mit Festwirtschaft und Musikzelt. An der Zürcherstrasse und gegen die Freie Strasse hin finden sich rund 20 Stände, die regionale Weine, aber auch Essen anbieten. Nachdem vergangenes Jahr 1200 Gläser nicht reichten, haben die Veranstalter heuer 1500 Gläser bestellt. Ein Glas kann für einen Fünfliber erworben. Damit kann man danach überall degustieren. Auch musikalisch wird einem einiges geboten. Die Murgtalmusikanten geben Blasmusik zum Besten, von GoBass gibt’s Country, Rock und Pop zu hören, die Gino-Boys spielen ihre beliebte Unterhaltungsmusik. Und The Soundwirts schliessen mit Jazz und Blues ab. (ma)
www.genuss-thur.ch

Weiter geht es zu den Rotweinen. Und dazu Fleisch, sei es Trockenfleisch oder etwas vom Grill. Gibt es beiderlei am Winzerfest. Wägeli sagt:

«Ein weniger geübter Weintrinker wird nach einem schweren Rotwein sensorisch Mühe haben.»

Deshalb: zuerst etwas Leichteres, dann erst zur schwereren bacchantischen Tranksamen.

Trockeneis macht Königin charaktervoll

(Bild: Reto Martin)

(Bild: Reto Martin)

Etwas schwerer ist zum Beispiel Wägelis aktueller Pinot-Noir-Jahrgang vom Hüttwiler Lebenstrunk. «Die Pinot-Traube ist die Königin», sagt er. «Aber sie ist auch eine Diva», ergänzt Saxer. Bei besagtem Lebenstrunk sei es darum gegangen, den Alkohol etwas in den Hintergrund zurück und dafür Charakter und Kraft des Weins hervorzuholen. Der Zaubertrick: Mit Trockeneis wird die Maischegärung minimiert respektive verzögert.

In Vevey sei man sehr angetan gewesen von den Thurgauer Rotweinen. Und das Weinanbaugebiet Thur- und Seebachtal habe mit Abstand die grösste Auswahl an Wein.

«Da verleidet es einem nie.»

Auch Dessert verleidet einem nie. «Dazu passt zum Beispiel ein Eiswein oder ein Strohwein», sagt Ramona Berger. Ein Eiswein wird aus gefrorenen Trauben produziert, bei Strohwein werden die Trauben nach der Lese getrocknet, sodass ihr Zuckergehalt steigt. «Oder darf es ein erfrischender Schaumwein sein?»

Am Frauenfelder Winzerfest habe man noch nie Scherben aufwischen müssen, sagt OK-Chef Wägeli. Auch wenn es gesittet zu- und hergeht, mag es ab und zu ein Gläsli Wasser leiden. «Vor allem beim Rotwein gilt: immer gleich viel Wasser wie Wein trinken.»