Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Zehnjähriger Kampf geht weiter: Sirnacher Elektromonteurin unterliegt gegen Suva

In einem Gutachterstreit gibt das Thurgauer Verwaltungsgericht der Suva recht. Demnach sind die chronischen Nackenschmerzen der Sirnacherin Sarah Bill nicht die Folge eines Autounfalls.
Thomas Wunderlin
Sarah Bill und ihr Vater Rolf nach der Verhandlung vor dem Thurgauer Verwaltungsgericht in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Sarah Bill und ihr Vater Rolf nach der Verhandlung vor dem Thurgauer Verwaltungsgericht in Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Ein Autounfall stellte 2008 das Leben der heute 33-jährigen Sarah Bill auf den Kopf. Die Elektromonteurin aus Sirnach erlitt Prellungen an Brust- und Steissbein. Während diese Verletzungen verheilten, leidet sie bis heute an chronischen Nackenschmerzen. Ihretwegen musste sie sogar ihren Beruf aufgeben. Verursacht werden die Schmerzen von einem knapp 8 Millimeter langen Knochenstückchen neben dem zweiten Halswirbel.

Gemäss dem von der Suva beauftragten Gutachter Raoul Heilbronner vom Kantonsspital St. Gallen ist das Knochenstückchen «mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anlagebedingt», also ein Geburtsfehler. In der Fachliteratur seien keine «isolierten Frakturen der Dornfortsatzspitze» erwähnt. Hingegen seien kleine Knochenteile neben den Dornfortsatzspitzen durchaus bekannt. Dazu passe eine auffällige Asymmetrie des Dornfortsatzes des zweiten Halswirbels. Die Suva entschied deshalb 2014, nichts mehr an die Behandlung von Bills Nackenschmerzen zu zahlen.

Offene Forderung gegen Unfallverursacher

In einer Verhandlung vor dem Thurgauer Verwaltungsgericht versuchte Bills Anwalt am 13. März 2019, das Suva-Gutachten zu entkräften. Bill geht es vor allem darum, dass ihre Schmerzen als Unfallfolge anerkannt werden. Dann könnte sie mit besseren Chancen gegen ihren früheren Kollegen vorgehen, der beim Unfall am Steuer sass. Sie fordert einen sechsstelligen Betrag für Arzt- und Untersuchungskosten und entgangenen Verdienst.

Ihr Anwalt argumentierte vor Verwaltungsgericht unter anderem mit einem Gegengutachten, laut dem das Knöchelchen bei einem Unfall vom zweiten Halswirbel abgerissen ist. Das Verwaltungsgericht weist aber Bills Beschwerde ab. Gemäss dem nun vorliegenden Urteil ist das Suva-Gutachten «schlüssig und nachvollziehbar». Nicht zu beanstanden sei, dass es sich auf die entsprechende medizinische Literatur stütze. Der Beweiswert des Gutachtens werde nicht geschmälert dadurch, dass der Gutachter einen weiteren Facharzt beizog. Es sei auch nicht ersichtlich, weshalb die Suva nicht intern weitere Zweitmeinungen hätte einholen dürfen.

Röntgenbild bestätigt Unfallursache nicht

Gemäss einem der dabei befragten Experten sieht das Knöchelchen bereits auf Röntgenbildern von 2008 verhärtet und abgerundet aus, was gegen eine frische Verletzung spreche. Wenn schon ein Dornfortsatz abbreche, sei die Halswirbelsäule meist auch an anderen Stellen verletzt. Laut Verwaltungsgericht ist es nicht von Bedeutung, weshalb die Schmerzursache nicht schon früher als 2012 untersucht wurde.

Laut Experten hätte es eine massive Gewalteinwirkung gebraucht, damit der Dornfortsatz abbreche. Eine solche ergebe sich aufgrund der Unterlagen nicht; dabei könne offen gelassen werden, ob sich das Auto beim Unfall tatsächlich überschlagen habe – die Unfallakten sind in diesem Punkt nicht eindeutig. Sarah Bill zieht den Fall nach Angaben ihres Vaters ans Bundesgericht weiter.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.