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Zeckenalarm im Thurgau:
Noch nie so viele Bisse

Gehirnhautentzündungen und Borreliose-Erkrankungen haben diesen Sommer einen neuen Rekord erreicht. Der Müllheimer Hausarzt Alex Steinacher gibt Tipps. Er sagt: Vorsicht ist angebracht, aber keine Panik.
Ida Sandl
Borreliose: Die kleine Thurgauerin Josy erhält eine Antibiotika-Infusion in Münsterlingen. (Bild: PD)

Borreliose: Die kleine Thurgauerin Josy erhält eine Antibiotika-Infusion in Münsterlingen. (Bild: PD)

Der Bösewicht war schnell gefunden. Eine Zecke hatte sich am Ohrläppchen der vierjährigen Josy aus Sulgen festgebissen. Die Familie machte gerade Ferien im österreichischen Waldviertel. Mutter Priska Kohn entdeckte das Tier, als sie die Kinder wie jeden Abend auf Zecken untersuchte. «Wir wussten, dass wir in einem Risikogebiet sind.» Die nächsten Tage war nur eine kleine Rötung zu sehen und Josy war putzmunter wie immer.

Josy konnte das Auge nicht mehr schliessen

«Glück gehabt», dachten die Eltern. Doch nach ein paar Wochen klagte Josy über Schmerzen am linken Ohr, an der Stelle war sie gebissen worden. Zu sehen war aber nichts. Kurz darauf konnte das Kind das linke Auge nicht mehr schliessen und hatte Lähmungen am Mund. «Ein Wahnsinns-Schock», sagt Priska Kohn. Die Eltern packten Josy ins Auto und fuhren mit ihr zum Notfall nach Münsterlingen. Borreliose wurde dort diagnostiziert. Es sei nicht der erste Fall in dieser Woche, hiess es.

Josy bekommt jetzt jeden Abend eine Antibiotika-Infusion und eine Salbe, damit sich das Auge nicht entzündet. Zwei Wochen dauert die Behandlung. Es sei schon viel besser geworden, sagt die Mutter. Spielen im Sandkasten oder Herumtollen mit den anderen Kindern ist aber zu gefährlich. «Den Start in den Kindergarten hatten wir uns anders vorgestellt», sagt Priska Kohn. Sie fragt sich heute, ob sie die Borreliose früher hätte erkennen müssen.

"Borrelien sind der Kaspar unter den Krankheiten"

Nein, sagt der Müllheimer Hausarzt Alex Steinacher. Mit jeder kleinen Rötung zum Arzt zu gehen, sei nicht sinnvoll. «Borrelien sind der Kaspar unter den Krankheiten.» Das heisst, sie können immer wieder andere Symptome zeigen. Das mache es selbst für Mediziner oft schwer eine Borreliose zu diagnostizieren. Zur Tarnung gehört auch, dass es Wochen dauern kann, bis sich die Symptome zeigen.

Noch nie zuvor mussten in der Schweiz so viele Menschen nach Zeckenbissen behandelt werden, wie diesen Sommer. Gemäss den neuesten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit sind dieses Jahr fast doppelt so viele an der Zecken-Enzephalitis (FMSE) erkrankt als vor zwei Jahren. Die Zahl der Borreliose-Fälle sei im Vergleich zu anderen Jahren ebenfalls sehr viel höher.

«Der Thurgau ist ein Hotspot für Zecken»

Auch in der Praxis von Steinacher melden sich viel mehr Menschen nach Zeckenstichen als in anderen Jahren. «Der Thurgau ist ein Hotspot für Zecken.» Ein ländlicher Kanton, dazu relativ viele Haustiere, die Zecken einschleppen können. Deshalb empfiehlt Steinacher, sich gegen FSME impfen zu lassen. Gegen Borreliose gibt es keinen Impfschutz. Die Impfung ist erst ab sechs Jahren möglich, sie muss alle zehn Jahre wiederholt werden. Wer nicht sicher ist, ob sein Schutz vollständig ist, sollte sich beim Hausarzt erkundigen. Die Freude an der Natur sollte man sich von den Zecken nicht verderben lassen. «Vorsicht, aber keine Panik», sagt Steinacher. Verglichen mit der Zahl derjenigen, die gebissen werden, würden sehr wenige erkranken. Auch bei Josy sei die Gefahr, dass Schäden zurückbleiben, äusserst gering.

So schützt man sich

Im Risikogebiet oder im Wald Repellents auftragen, das sind Zecken abweisende Sprays oder Cremes. Lockere Kleidung, die Arme und Beine bedeckt, schützt ebenfalls. Eltern sollten ihre Kinder auf Zecken untersuchen. Zecken saugen gerne unbehelligt. Der Arzt Alex Steinacher rät deshalb: Besonders Körperfalten oder Stellen wie Achselhöhlen und hinter dem Ohr überprüfen. Je schneller man eine Zecke entfernt, umso besser. Wann sollte man den Arzt aufsuchen? Bei ungewöhnlich starken Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifheit, Störungen beim Gang oder besonderer Lichtempfindlichkeit (Verdacht auf FSME). Oder wenn die Einstichstelle rot ist und die Grösse eines Zweifranken-Stücks erreicht hat oder noch grösser geworden ist. (san)

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