Feinschliff für die Möbelschreinerin: Dettighoferin trainiert in Braunau für die Berufsweltmeisterschaft

Schweizermeisterin Samanta Kämpf trainiert in Braunau für die Weltmeisterschaft World Skills in Russland.

Olaf Kühne
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Experte Tobias Hugentobler und Schweizermeisterin Samanta Kämpf zeigen ein mögliches Wettkampfmöbel. Bild: Olaf Kühne

Experte Tobias Hugentobler und Schweizermeisterin Samanta Kämpf zeigen ein mögliches Wettkampfmöbel. Bild: Olaf Kühne

«Ein Erlebnis, das sie ihr Leben lang begleiten wird.» Nichts Geringeres verspricht Tobias Hugentobler seinem Schützling Samanta Kämpf. Die Dettighoferin ist Schweizermeisterin der Möbelschreiner und erwähnt fast nebenbei, dass sie jüngst ihre vierjährige Lehre mit der Thurgauer Bestnote von 5,6 abgeschlossen hat.

Ihre Ausbildung erhielt sie bei der Unterhörstetter Herzog Küchen AG, wo sie nach wie vor arbeitet. Derzeit ist die 19-Jährige aber vorwiegend in Braunau anzutreffen. Seit März trainiert Kämpf in Tobias Hugentoblers Unternehmen «Hugentobler AG Küche Bad Wohnen» für die bevorstehende Berufsweltmeisterschaft, die sogenannten World Skills, im russischen Kasan.

Und wenn der Schreinermeister hierfür ein einmaliges Erlebnis verspricht, weiss er, wovon er redet. Ist er doch nicht nur Experte an den Schweizermeisterschaften, den Swiss Skills, sowie an den World Skills. Vor nunmehr 18 Jahren war Tobias Hugentobler selber Kandidat an einer Berufsweltmeisterschaft. «Diese Erfahrung nützt den Teilnehmern ein Leben lang», sagt er. «Sie öffnet Türen und macht sich hervorragend im Lebenslauf.»

800 Kilos Werkzeug im Gepäck

Bald wird also auch Samanta Kämpfs Lebenslauf um ein Kapitel reicher. Ende Monat wird ihr Werkzeug verfrachtet. 800 Kilos kommen mit. Und danach reist sie selber mit den anderen Schweizer Teilnehmern nach Kasan, 900 Kilometer östlich von Moskau.

Was sie dort erwartet, weiss sie schon ziemlich genau. Hugentobler erklärt den Wettkampfablauf, den sich die Möbelschreinerin in den vergangenen Monaten eingebläut hat: «Die Teilnehmer erhalten eine halbe Stunde vor Wettkampfbeginn die exakten Pläne des herzustellenden Möbelstückes. Danach haben sie an vier Tagen gesamthaft 22 Stunden für die Produktion.» Als Experte kennt Hugentobler auch die drei möglichen Objekte, die als Wettbewerbsstück in Frage kommen. Verschiedenste denkbare Formen dieser Möbel trainiert Samanta Kämpf nun akribisch – mit Eiche und Buche. «Eine der beiden Arten wird World Skills als Wettkampfholz vorgeben», weiss Samanta Kämpf.

Dass sie ihr Handwerk auch im Wettkampfmodus beherrscht, hat sie längst bewiesen. In Sektionsmeisterschaften setzte sie sich einst gegen 1300 Konkurrenten durch, nach weiteren Ausscheidungsrunden schliesslich an den Swiss Skills gegen acht Mitbewerber. In Russland nun treten Möbelschreiner aus 31 Nationen gegeneinander an, mit viel Publikum.

«Es geht wie im Sport darum, die Leistung im entscheidenden Moment auch abrufen zu können», sagt Samanta Kämpf. «Erfahrungsgemäss bin ich an Wettkämpfen anfangs nervös, dann aber schnell fokussiert.» Im Gegensatz zu Wettkampfsportlern wird die Möbelschreinerin aber keine zweite Chance erhalten: Das Reglement der World Skills gestattet nur eine einmalige Teilnahme.