Wohnbaugenossenschaft Linde in Steckborn wächst gen Himmel, muss aber schon Zwischentiefs trotzen

Bald steht der Rohbau der rund 26 Millionen teuren Steckborner Wohnbaugenossenschaft auf dem Lindenareal. Dafür harzt’s bei den Vermietungen. Bisher fehlen Familien und Jung. Zudem ist kurzerhand der Einzug eines Gesundheitszentrums gescheitert.

Samuel Koch
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Seit Monaten laufen die Bauarbeiten an den vier geplanten Gebäuden auf dem Lindenareal.

Seit Monaten laufen die Bauarbeiten an den vier geplanten Gebäuden auf dem Lindenareal.

(Bild: Reto Martin)

Schritt für Schritt in die Höhe. So wächst die Wohnbaugenossenschaft (Woba) Linde vis à vis der Schulanlage Hub in Steckborn seit dem Spatenstich vor rund 14 Monaten. Bei drei von vier Gebäuden des Projekts Fiorino stehen zumindest die Hüllen. «Ende Februar sind alle vier Rohbauten fertig», sagt Woba-Präsident Gregor Rominger.

Der avisierte Zeitplan kann bisher grosso modo eingehalten werden. «Muss», meint Rominger. Denn zirka ein Drittel der 47 Wohnungen sind vermietet, der Mietbeginn datiert auf den 1. Oktober. Rominger sagt:

«Dieses Datum müssen wir einhalten, ohne Wenn und Aber.»
Gregor Rominger, Präsident Wohnbaugenossenschaft (Woba) Linde.

Gregor Rominger, Präsident Wohnbaugenossenschaft (Woba) Linde.

(Bild: Rahel Haag)

Andernfalls gerät der Flug der «Linde» mit Kosten von rund 26 Millionen Franken in arge Bedrängnis, zumindest finanziell. Die Woba realisiert ihr Vorhaben in Liaison mit der Frauenfelder Totalunternehmerin HRS im Baurecht auf dem 8000 Quadratmeter grossen Lindenareal, das der Stadt gehört.

Augenfällig beim Blick auf die bisher vermieteten Wohnungen: Beliebt sind vor allem die kleinsten, also 2,5-Zimmerwohnungen mit monatlichen Nettomieten um 1200 Franken. «Von den 4,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen sind noch viele unvermietet», meint Rominger. Dort kreist der Mietzins für eine Wohnung um netto rund 2100 Franken pro Monat, die meisten davon entstehen im Gebäude 4 entlang der Frauenfelderstrasse.

Altersdurchmischtes Wohnen ist in Gefahr

Euphorisch gestartet ist die Vermietung im August mit einem Tag der offenen Tür. «Wir wurden freudig erschlagen», meint Rominger. Dafür läuft’s zuletzt eher harzig. Zudem bestehe ein namhafter Teil der bereits gewonnen Mietern von der älteren Generationen. Das avisierte altersdurchmischte Wohnen steht also auf der Kippe, zumal Familien und Junge noch fehlen. Rominger sagt:

«Deshalb älteren Interessenten den Weg für Wohnungen zu versperren, kommt aber nicht in Frage.»

Heisst also: Um möglichst noch vor der Vollendung der Überbauung im Herbst alle Wohnungen loszuwerden, würde die Woba das Ziel für altersdurchmischtes Wohnen aufgeben. «Das muss sich von alleine ergeben», meint er. Zudem hofft die Woba, mit einer Besichtigung vor Ort im Mai/Juni vor allem jüngere Mieter zu gewinnen.

Gesundheitszentrum springt kurzerhand ab

Einen Nackenschlag musste die Woba zuletzt auch bei der Vermietung der Gewerbeflächen erdulden, zumal sich eine unterschriftsreife Vereinbarung mit einem Gesundheitszentrum im Parterre beim Gebäude 4 überraschend in Luft auflöste. Klappt die Vermietung der Gewerbefläche wider Erwarten nicht, baut die Woba dort weitere Wohnungen ein. «Wir entscheiden spätestens Ende Februar darüber», sagt Rominger. Derzeit interessiert zeige sich ein Fitnesscenter, das er derzeit jedoch lediglich als «on hold» bezeichnet.

Immerhin: Sollte doch kein Ärzteteam in die Woba Linde ziehen, ist für die Sicherheit gesorgt. Denn die Kantonspolizei Thurgau zieht im Herbst definitiv ins Erdgeschoss des Gebäudes 1 am Bahntrassee ein.