WOHLTÄTIGKEIT
«Unser Projekt garantiert, dass alles Geld dort ankommt, wo es benötigt wird»: Trio aus Fruthwilen und Thundorf unterstützt Benachteiligte in Nepal

Drei Thurgauer unterstützten leidtragende Jugendliche und junge Erwachsene in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu. Jetzt haben sie einen Verein gegründet und wollen ihr Projekt weiter professionalisieren.

Samuel Koch
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Benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene aus Kathmandu absolvieren dank des Projekts «Cocina Mitho Chha» eine Berufslehre im Gastrobereich.

Benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene aus Kathmandu absolvieren dank des Projekts «Cocina Mitho Chha» eine Berufslehre im Gastrobereich.

Bild: PD

Schlimm. Krass. Brutal. So fassen Lara Di Lenardo und Cyrill Brugger das nicht zu vergleichende Erlebnis zusammen, das sie während ihrer Weltreise durch Asien in Kathmandu erlebt haben. Am 25. April 2015 hatte unweit der nepalesischen Hauptstadt die Erde so stark gebebt, dass fast eine Million Häuser einstürzten und Tausende Menschen darunter ihr Leben verloren. Mittendrin Di Lenardo und Brugger. Letzterer sagt:

«Ich hatte noch ein halbes Jahr später das Gefühl, ich müsse ständig wegrennen.»

Beim Erdbeben passiert ist dem Paar aus Fruthwilen zum Glück nichts. Trotzdem verbindet sie das Erlebnis bis heute mit Debendra Pokharel, dem Inhaber jenes Bed & Breakfasts, in dem Di Lenardo und Brugger damals untergebracht waren. Aber nicht nur die Gastfreundschaft von Pokharel hat die beiden beeindruckt, sondern auch seine Solidarität und Gutmütigkeit. «Nach dem Erdbeben hat er immer mehr Leute bei sich aufgenommen und allen etwas zu essen gegeben», erzählt Di Lenardo. Und Brugger fügt hinzu:

«Er gibt für Benachteiligte und Hilfsbedürftige sein letztes Hemd.»

Der Kontakt ist bis heute geblieben, zuletzt sogar noch intensiviert worden. Denn zusammen mit Renzo Bolli aus Thundorf haben Di Lenardo und Brugger den Verein «Swiss SES» mit Sitz in Fruthwilen gegründet. SES steht für «sustainable education society», also nachhaltige Entwicklungsarbeit zur Verbesserung der globalen Umwelt.

Die «Swiss SES»-Initianten Cyrill Brugger, Lara Di Lenardo und Renzo Bolli.

Die «Swiss SES»-Initianten Cyrill Brugger, Lara Di Lenardo und Renzo Bolli.

Bild: PD

10'000 Franken sind seit der Gründung schon zusammengekommen, das Geld landet als Direkthilfe bei Debendra Pokharel. «Wir können garantieren, dass alles dort ankommt, wo es benötigt wird», sagt Brugger. Das sei der grosse Vorteil ihres Vereins gegenüber grösseren Hilfsprojekten. Selbst die Kosten für die Administration und die Website bezahlt der Vorstand aus seinem eigenen Sack.

Eigene Hilfsprojekte laufen mehrere, so etwa jenes mit dem Namen «Cocina Mitho Chha», dem Namen des Bed & Breakfasts von Debendra Pokharel. Dabei absolvieren benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene aus Heimen und Familien mit tiefen Einkommen eine Berufslehre in den verschiedensten Bereichen von Hotellerie und Gastronomie. «Dank unseres Vereins konnte eine Barista-Schule eröffnet werden», erläutert Renzo Bolli nicht ohne Stolz.

Eine junge Nepalesin übt sich als Barista.

Eine junge Nepalesin übt sich als Barista.

Bild: PD

Oftmals finden sie danach einen Job. Di Lenardo sagt:

«So helfen wir ihnen nachhaltig, dass sie irgendwann auf eigenen Beinen stehen können.»

Für ein anderes Projekt sammelt «Swiss SES» aus aktuellem Anlass für die Ärmsten in Kathmandu, die von der Covid-19-Krise betroffen sind. «Dank eines von unseren Gönnern gespendeten Lieferwagens sind gemeinnützige Lebensmittellieferungen möglich», sagt Bolli. Zudem werde der Wagen für den Lieferservice des Restaurants eingesetzt. So haben wenigstens einige Angestellte weiterhin die Möglichkeit, über die Runden zu kommen.

Separat lief bis am Mittwoch ein Crowdfunding über die Plattform «I Care for You», um das Überleben des wegen Corona in finanzielle Schieflage geratenen «Cocina Mitho Chha» von Debendra Pokharel zu sichern. Denn auf die Unterstützung der Regierung könne er nicht zählen, erzählt das Thurgauer Trio. Korruption sei in Nepal weit verbreitet, was sie auch als Vorteil ihrer Unterstützung gegenüber jener von grossen Hilfsprojekten sehen.

Als Gegenleistung erhalten die Spender je nach Höhe des Betrags eine Dankeskarte, nepalesischen Tee oder eine Übernachtung im Bed & Breakfast «Cocina Mitho Chha» im Herzen Kathmandus.

Debendra Pokharel lehrt den Jugendlichen das Kochen.

Debendra Pokharel lehrt den Jugendlichen das Kochen.

Bild: PD

Auch wenn die derzeitige Coronakrise Reisen nach Nepal verunmöglicht, stehen Di Lenardo, Brugger und Bolli regelmässig alle zwei Wochen im Kontakt mit Debendra Pokharel. Brugger sagt:

«Wir haben einen guten Draht und sind auf einer Wellenlänge.»

Trotz aller aktuellen Schwierigkeiten hoffen sie, dass es bald wieder selbst nach Kathmandu geht, um allenfalls weitere Projekte anzustossen. Bis dahin unterstützen sie ihren Bekannten und damit viele benachteiligte Nepalesen aus über 6500 Kilometern Entfernung.

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