WOHLTÄTIGKEIT
Regio Frauenfeld verschenkt 70 Kilogramm Zopfmehl: «So leisten wir unseren Teil gegen Lebensmittelverschwendung und helfen erst noch dem einen oder anderen»

Die Pandemie bringt auch Positives. Zwar musste die Regio Frauenfeld ihr 25-Jahr-Jubiläumsfest im Herbst in der Kartause Ittingen verschieben. Dafür kommt das jetzt Bedürftigen zugute.

Samuel Koch
Merken
Drucken
Teilen
Regio-Geschäftsführerin Judith Janker sowie Urs Geser und Stephan Deliga von der Restessbar (von rechts nach links) laden das Zopfmehl in einen Anhänger.

Regio-Geschäftsführerin Judith Janker sowie Urs Geser und Stephan Deliga von der Restessbar (von rechts nach links) laden das Zopfmehl in einen Anhänger.

Bild: Andrea Stalder

«Alte Zöpfe – Junge Bärte». Unter diesem Motto hätte Ende Oktober in der Kartause Ittingen das 25-jährige Bestehen der Regio Frauenfeld gefeiert werden sollen – einem Zusammenschluss von 15 Gemeinden rund um die Stadt Frauenfeld mit insgesamt rund 50'000 Einwohnern. Hätte. Denn vier Tage vor der Versammlung in der Kartause Ittingen verunmöglichten die verschärften Schutzmassnahmen rund um die Pandemie ein Treffen von über 70 Teilnehmern mit Morgenwerkstatt «Regioliebe», Jubiläumstagung und Regio-Apéro.

Übrig blieb viel Organisatorisches. Aber auch Zutaten für Geschenke, darunter Secco der Mosteria Bussinger in Hüttwilen, Birnenkonfitüre vom Schloss Herdern und 70 Kilogramm Zopfmehl der Mühle Entenschiess aus Neunforn. Letzteres kann aber bei der voraussichtlich in den Mai verschobenen Jubiläumsfeier nicht mehr aufgetischt werden, wie Judith Janker, Geschäftsführerin der Regio Frauenfeld, sagt:

«Leider übersteht das Mindesthaltbarkeitsdatum des feinen Mehls Corona nicht.»
Judith Janker, Geschäftsführerin Regio Frauenfeld.

Judith Janker, Geschäftsführerin Regio Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Deshalb hat Janker Gespräche gesucht und mit der Restessbar in Frauenfeld einen dankbaren Abnehmer für das regionale und qualitativ hochstehende Mehl gefunden. Bei der Übergabe an Urs Geser und Stephan Deliga vom Verein Restessbar Frauenfeld am Mittwochmorgen hinter dem Geschäftssitz der Regio Frauenfeld an der Schlossmühlestrasse sagt Janker: «So können wir unseren Teil zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung leisten und so möglicherweise erst noch dem einen oder anderen Bewohner der Regio helfen.»

Ausgezeichnet mit dem städtischen Förderpreis

Der Verein Restessbar Frauenfeld verfolgt das Ziel, Foodwaste entgegen zu wirken. Deshalb sammelt er Lebensmittel von verschiedenen Läden und Direktvermarktern aus der Region, die sonst im Abfall landen würden und stellt sie Bedürftigen beim Schaffhauserplatz mehrmals wöchentlich gratis zur Verfügung. Auch deshalb verlieh die Stadt Frauenfeld Geser und der Restessbar vergangenes Jahr den Förderpreis mit folgender Würdigung: «Der Verein setzt sich seit fünf Jahren mit grossem Engagement gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln ein. Gleichzeitig wird Personen mit beschränktem Budget die tägliche Lebensmittelbeschaffung erleichtert.»

Urs Geser freut sich über die wohltätige Aktion der Regio Frauenfeld. Er sagt:

Urs Geser, Präsident Verein Restessbar.

Urs Geser, Präsident Verein Restessbar.

Bild: Andrea Stalder
«Wir sind immer wieder überwältigt und gerührt, wenn jemand an uns denkt.»

Das sei nie selbstverständlich. Den Grossteil des Mehls gibt die Restessbar roh weiter. Mit vier bis fünf Kilo backt Geser selber Zöpfe, «damit auch jene in den Genuss kommen, die nicht backen können», wie er sagt. Übrigens zügelt die Restessbar demnächst vom Schaffhauserplatz an die Grabenstrasse ins Gebäude der Gassenküche. Dann seien die Bedürftigen auch nicht mehr so ausgestellt wie noch am jetzigen Ort an einer Hauptverkehrsachse.

70 Kilogramm Zopfmehl von der Mühle Entenschiess aus Neunforn.

70 Kilogramm Zopfmehl von der Mühle Entenschiess aus Neunforn.

Bild: Andrea Stalder

Judith Janker freut sich, dass mit dem Zopfmehl zum Wert von rund 200 Franken jemandem noch eine Freude gemacht werden kann. Und für die bevorstehenden Feierlichkeiten Ende Mai, sofern die Pandemie sie dann tatsächlich zulässt, ist die Regio bereit. Die Organisation bleibt grosso modo dieselbe wie im Vorjahr. Das Zopfmehl für die Geschenke jedoch hat Janker bisher noch nicht bestellt.