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Wohlfühlrunde ohne Glatteis bei Podium zu Stadtpräsidiumswahlen Steckborn

Der Kampf zwischen den vier Kandidaten fürs Stadtpräsidium erlebte beim Podium am Mittwochabend einen Höhepunkt. Die Protagonisten führten die Diskussion aber kaum einmal mit harten Bandagen, was zu Kritik aus dem Plenum führte.
Samuel Koch
Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher hören den Ausführungen der Kandidaten rund um Moderatorin Barbara Küchler (Bildmitte) zu: Moritz Eggenberger, Roman Pulfer, Markus Kuhn und Andreas Gäumann (v. l. n. r.). (Bilder: Andrea Stalder)

Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher hören den Ausführungen der Kandidaten rund um Moderatorin Barbara Küchler (Bildmitte) zu: Moritz Eggenberger, Roman Pulfer, Markus Kuhn und Andreas Gäumann (v. l. n. r.). (Bilder: Andrea Stalder)

Für eine richtige Rutschpartie war am Mittwochabend nur Petrus besorgt. Starker Schneefall und Eiseskälte zeichneten kurz vor dem Podium der vier Kandidaten fürs Stadtpräsidium dafür verantwortlich, dass einige Besucherinnen und Besucher knapp oder zu spät in der Turnhalle Feldbach eintrafen. Trotzdem horchten insgesamt fast 400 Gäste – fast ein Sechstel aller Stimmberechtigten – den Voten der vier Kandidaten, weshalb Hauswart Beat Rüti etliche Stühle mehr aufstellen musste.

Das freute einerseits die Koordinationsgruppe um Otmar Stillhard, die sich aus den Ortsparteien CVP, FDP, SP und SVP zusammentat und das Wahlpodium organisierte. Andererseits auch die Moderatorin Barbara Küchler aus Steckborn, die unbekümmert und souverän durch die rund zweistündige Diskussion führte.

Etwas wortkarg oder vorsichtig in der Wortwahl

Wie Petrus draussen so richtig aufs Glatteis zu führen, vermochte Küchler die vier Kandidaten dann aber kaum, obwohl diese sich trotz Vorgesprächen mit der Moderatorin hier und da etwas wortkarg oder vorsichtig in der Wortwahl zeigten. «Ich müsste mich zuerst intensiv ins Thema einarbeiten», sagte Markus Kuhn (parteilos) zum Thema Revision Ortsplanung, die Steckborn in den nächsten Jahren stark beschäftigen dürfte.

«Wir sind mitten in der Vernehmlassung und Mitwirkung», sagte Moritz Eggenberger (parteilos) und fragte rhetorisch in die Runde: «Haben Sie mitgewirkt?» – Es gehe darum, eine mehrheitsfähige Lösung zu finden, ergänzte der mit Insiderwissen gespickte, stellvertretende Bauverwalter von Steckborn. «Wir müssen die verschiedenen Anspruchsgruppen einbeziehen, um einen Konsens zu finden», meinte Andreas Gäumann (SP), dessen Meinung seine Mitstreiter allesamt teilten.

Uneins wegen externer Architekten und 3D-Modell

Weniger Einigkeit herrschte hingegen bei Gäumanns Vorschlag, externe Architekten für die Baukommission zu gewinnen sowie mit einem 3D-Modell einen Gesamtüberblick über das Ortsbild zu schaffen. «In der Gemeinde gibt es genügend Leute mit viel Erfahrung», sagte Roman Pulfer (FDP).

Und teuere 3D-Modelle seien zwar heutzutage im Trend, «dürfen aber nicht als Spielzeuge angeschafft werden». Kuhn und Eggenberger stützten ihren Konkurrenten, Gäumann erwiderte wegen des fehlenden Know-how:

«Die drei Stadträte in der jetzigen Baukommission sind allesamt nicht vom Bau.»

Etwas Feuer hinein kam beim Thema der zukünftigen Bodennutzung, womit auch die Causa Scheitingen zur Sprache kam. Im Juni 2017 verwarfen die Stimmbürger die Volksinitiative «Scheitingerwiese», die eine quartiergerechte Gestaltung und Überbauung des Baulandes forderte. Markus Kuhn forderte:

«Wieso bauen wir in Scheitingen nicht familienfreundliche Reiheneinfamilienhäuser, so könnten wir auch etwas gegen sinkende Schülerzahlen machen.»

Gäumann schwebt ein runder Tisch mit Einbezug einer externen Person vor, um «für die angespannte Situation eine Lösung zu finden». Pulfer erwiderte: «Jetzt noch Gespräche zu führen, ist nicht realitätsnahe.» Einerseits sei der Volkswille zu akzeptieren, was auch Eggenberger betonte. Andererseits ergänzte Pulfer, dass Grundeigentümer auch ein Recht auf eine Baubewilligung hätten, sofern diese die rechtlichen Vorgaben eingehalten. Roman Pulfer:

«Und Steckborn darf diese Kompetenz nicht an Dritte weitergeben.»

Ein Konsens herrschte wiederum, dass sich das Städtchen betreffend Ortsplanungsrevision an die Vorgaben von Bund und Kanton halten und sich die Frage stellen muss, wie viel Wachstum man wolle.

Ebenso einig waren sich die Kandidaten bei der Frage nach einem haushälterischen Umgang mit den finanziellen Mitteln. «Der erfolgreiche Weg der vergangenen Legislaturen unter Stadtpräsident Roger Forrer soll weitergehen», unterstrichen alle unisono. «Es braucht einen vernünftigen Umgang mit Steuergeldern und die Leistungen, die gefordert sind», betonte Gäumann.

Stadtentwicklung, Windpark und Temporeduktion

Bei der Frage nach überregionaler Zusammenarbeit, die sich alle Kandidaten gerade in Zweckverbänden oder mit Nachbargemeinden noch intensiver vorstellen können, tanzte einzig Kuhn etwas aus der Reihe. Effizienz in der Verwaltung sei wünschenswert, aber mit Grenzen. «Wir wollen nicht irgendwelche Leistungen aus Frauenfeld einkaufen», sagte er bestimmt.

Als Wohlfühlrunde bezeichnete Bernina-Inhaber Hanspeter Ueltschi die Atmosphäre am Wahlpodium, der die fehlende Dynamik bemängelte und mehr über die Stadtentwicklung erfahren wollte. «Gewerbe und Industrie sind zentral», sagte Eggenberger, dem seine Konkurrenten beipflichteten. Es brauche auch Landreserven, meinte Gäumann und brachte das Entwicklungsgebiet rund um den Bahnhof ins Spiel.

Moritz Eggenberger, Roman Pulfer, Barbara Küchler (Moderation), Markus Kuhn, Andreas Gäumann.

Moritz Eggenberger, Roman Pulfer, Barbara Küchler (Moderation), Markus Kuhn, Andreas Gäumann.

Kuhn zählte etwa das neue Coworking als gutes Beispiel auf, «dass Steckborner nicht nur hier wohnen, sondern auch hier arbeiten». Pulfer fokussierte auf bestehende Räumlichkeiten: «Vielleicht kann die Stadt einmal das Gespräch mit Herrn Ueltschi suchen.»

Mit dem geplanten Windpark in Salen-Reutenen brachte ein anderer Besucher ein brandheisses Thema aufs Tapet. «Autobahnen und Hochspannungsleitungen gefallen mir auch nicht», sagte Kuhn. Man müsse jetzt aber endlich die Energiewende anpacken und etwas machen. Eggenberger:

«Ich bin eher dafür, obwohl es für die Landschaft negative Folgen hat»

Eine eher kritische Haltung gegenüber einem Windpark hat Pulfer, «weil es aus ökonomischer Sicht nicht sehr sinnvoll ist». Pro Windenergie hingegen ist Gäumann, der aber keine abschliessende Meinung abgeben wollte. «Als ich zuletzt eine Visualisierung sah, bin ich schon erschrocken», sagte er. Vollkommen einig wiederum waren sich die Kandidaten, dass auf der Seestrasse mit der vom Stadtrat aufgegleisten Reduktion auf Tempo 40 «etwas gehen muss».

Handzahme Kandidaten bei verrückten Visionen

Auf die atypische Frage nach einer verrückten Vision für das Unterseestädtchen äusserten sich die Kandidaten handzahm. «Meine verrückte Idee ist, dass sich die Einwohner jeden Samstag treffen und Produkte kaufen, die von Bauern aus der Region angeboten werden», sagte Kuhn. Gäumann zeigte sich bodenständig und würde das Leitbild von Steckborn überarbeiten wollen. «Dann wissen wir, wohin wir wollen», ergänzte er.

«Mein Auftrag wäre, mit den vorhandenen Mitteln etwas zu machen», sagte Pulfer. Seine Vision sei, dass in acht Jahren mehrere Unternehmungen angesiedelt würden. Und Eggenbergers Vision ist «ein lebendiges Steckborn, mit zufriedenen Einwohnern».

Die CVP-Ortspartei organisiert nächsten Dienstag, 15. Januar, ein weiteres öffentliches Hearing mit den vier Kandidaten fürs Stadtpräsidium. Dabei werden die Kandidaten zeitversetzt, einzeln angehört und befragt. In diesem Vorgehen möchte die CVP die einzelnen Kandidaten mit spezifischen Fragen konfrontieren und so noch besser kennen lernen und damit zur vertieften Entscheidungsfindung beitragen. Das Hearing in den Räumen von Coworking an der Kirchgasse 17 in Steckborn beginnt um 19 Uhr.

Stadtratskandidat Markus Michel: «Will Teil des Puzzles sein»

Nach der Podiumsdiskussion fürs Stadtpräsidium nutzte Markus Michel (parteilos) noch die Gelegenheit, sich als Kandidat für den freiwerdenden Sitz von Stadträtin Doris Bachmann zu präsentieren, die sich als einzige nicht mehr für eine weitere Legislatur ab Juni 2019 zur Verfügung stellt.

Der 54-jährige Michel arbeitet als Verkaufsleiter in einem Verlagshaus in Wilen bei Wil, ist in Neukirch-Egnach aufgewachsen und wohnt seit rund 20 Jahren in Steckborn, wo er sich sehr wohlfühlt. «Ich will Teil des Puzzles sein und mich nach bestem Wissen und Gewissen in der Verwaltung einbringen», sagte Michel, der verheiratet ist und Vater von vier Kindern ist. Politisch sei er bisher noch nicht gross aktiv gewesen. Trotzdem wolle er einen Dienst einbringen und dazu seinen Teil fürs Gemeinwohl beitragen.

Die anderen fünf Steckborner Stadträte Franz Reithofer (SP), Gregor Rominger (parteilos), Jonas Füllemann (parteilos), Micha Ruh (SVP) sowie Michaela Dähler (parteilos) stellen sich zur Wiederwahl zur Verfügung.

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