Schlammschlacht im Thurgau: Gemeindepräsident von Lommis betreibt angeblich einen illegalen Schrottplatz

Kurz vor den Wahlen werden Vorwürfe gegen den Lommiser Gemeindepräsidenten laut, er verstosse mit seinem Unternehmen gegen das Gesetz. Fritz Locher weist die Anschuldigungen von sich und spricht von Wahlkampf.

Olaf Kühne
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Mitten in der Geschäftsaufgabe: Gemeindepräsident Fritz Locher auf dem Areal seines Fahrzeug- und Ersatzteilhandels. (Bild: Olaf Kühne)

Mitten in der Geschäftsaufgabe: Gemeindepräsident Fritz Locher auf dem Areal seines Fahrzeug- und Ersatzteilhandels. (Bild: Olaf Kühne)

Vor acht Jahren noch wurde Gemeindepräsident Fritz Locher im Vorfeld der Wahlen kritisiert, weil er nicht am Neujahrsapéro teilgenommen hatte. Dieses Mal – erneut wenige Wochen vor den Gesamterneuerungswahlen – wiegen die Vorwürfe ungleich schwerer. Mehrere Lommiser haben sich bei unserer Zeitung gemeldet. Sie wollen anonym bleiben – und werfen Fritz Locher vor, dass er mit seinem Unternehmen seit Jahren gegen das Gesetz verstosse.

«Ich habe das Areal vor zwölf Jahren gemietet. Ende Februar ist es geräumt, die Halle dann Ende April.»

Konkret handelt es sich um die LNU GmbH an der Flugplatzstrasse; das Unternehmen verkauft gebrauchte Nutzfahrzeuge vorwiegend in den Nahen Osten. Die Firmeninfrastruktur besteht im Wesentlichen aus einer grossen Halle und einem Platz, teils betoniert, teils aus Kies. Und, der eigentliche Knackpunkt, sie steht in der Landwirtschaftszone.

Das Ganze sei ein illegaler Schrottplatz, lautet einer der Vorwürfe. Gesetze für den Gewässerschutz würden seit Jahr und Tag nicht eingehalten, allfällige Altlasten im Boden würden dereinst den Lommiser Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Allesamt Umstände, die sich Fritz Locher nur erlauben würde, weil er als Gemeindepräsident glaube, über den Dingen zu stehen.

Areal nie landwirtschaftlich genutzt

Auf Nachfrage unserer Zeitung kommt Fritz Locher erst auf die Geschichte des fraglichen Areals zu sprechen. «Die Halle wurde vor Jahrzehnten, lange vor dem heutigen Raumplanungsgesetz, völlig legal erstellt», sagt er.

«Und obwohl Landwirtschaftszone, wurde sie gar nie landwirtschaftlich genutzt.»

Erbauer und erster langjähriger Nutzer sei ein Schausteller gewesen, welcher unter anderem sein Riesenrad dort lagerte. Danach folgte ein Pneuhändler. Er habe die Halle und den Platz damals übernommen und mit bestem Wissen und Gewissen im gleichen Umfang weitergenutzt. Sämtliche Vorwürfe, er handle illegal oder stelle sich gar als Gemeindepräsident über das Gesetz, weist Fritz Locher klar von sich.

«Ich habe das Areal vor zwölf Jahren gemietet», sagt Locher weiter. «Ende Februar ist es geräumt, die Halle dann Ende April.» Er werde dieses Jahr 65 und hätte deshalb, und auch weil der Handel mit Syrien, einst Lochers Hauptabsatzmarkt, komplett eingebrochen sei, sein Geschäft sowieso aufgegeben. «Ich habe die Kündigung meinem Vermieter bereits im vergangenen Herbst angekündigt», sagt er. «Davon, dass ich jetzt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion kurz vor den Wahlen das Areal räume, kann also in keinster Weise die Rede sein.»

Keine Sorgen wegen allfälliger Altlasten

Er sei gelernter Lastwagenmechaniker und wisse deshalb genau, wovon er rede. «In all den Jahren ist nie etwas passiert», sagt Locher weiter und betont: «Ich habe hier einen Handel mit Fahrzeugen und Ersatzteilen betrieben. Wir haben keine Motoren zerlegt oder Ölwechsel gemacht.» Der Lommiser Steuerzahler müsse sich wegen allfälliger Altlasten denn auch so oder so keine Sorgen machen: «Selbst wenn etwas auftauchen würde, was ich mir nicht vorstellen kann, wäre das durch die Haftpflichtversicherung mit einer Deckung in Millionenhöhe abgesichert.»

«Hier war ich wohl manchmal etwas lax.»

Auf dem Areal an der Flugplatzstrasse stehen auch mehrere Bürocontainer. Lagern sie nur als Handelsware dort, ist das normalerweise problemlos, werden sie hingegen genutzt, braucht es eine Baubewilligung. «Hier war ich wohl manchmal etwas lax», gesteht Locher. Zwei Container stünden immer noch von seinem Vormieter, dem Pneuhändler, hier, die anderen seien für den Export. Locher gesteht auch, die von seinem Vormieter vermutlich damals ohne Bewilligung gestellten Container teilweise genutzt zu haben, was man wohl als Grauzone bezeichnen könne.

Weil er aber sicher nicht die Art Gemeindepräsident sei, die bei anderen Bürgern kontrollieren gehe, ob auch für die hinterletzte Cheminéeholz-Abdeckung eine Baubewilligung vorliege, könne sicher nicht von Amtsmissbrauch die Rede sein. Locher sagt bestimmt:

«Wenn ein Gesetz Spielraum zulässt, nutze ich diesen aus. Nicht nur für mich, sondern für alle Lommiser. Ich sehe das als meine Aufgabe als Gemeindepräsident und dazu stehe ich.»

Und er fügt hinzu: «Mir ist bewusst, dass dies alles rein dem Wahlkampf dient, doch damit komme ich klar.»

Es geht in die zweite Runde

LOMMIS. Bei der Wahl zum Lommiser Gemeindeammann erreichte keiner der drei Kandidaten das absolute Mehr. Fritz Locher, der Bisherige, verpasste die direkte Wiederwahl nur um 16 Stimmen. Am 20. März kommt es zum zweiten Wahlgang.
Yann Cherix

«Das ist gelebte Demokratie»

Die Ausgangslage für die Wahl des Gemeindeammanns ist spannend in Lommis. Gleich zwei ernsthafte Kandidaten, Andreas Bernhaut und Karl Gaus-Huss, fordern den Bisherigen Fritz Locher heraus.