Glosse

Wo alles ein «M» helvetischer ist

Murgspritzer: Die schöne, eidgenössische Konsumwelt in Frauenfeld

Stefan Hilzinger
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Stefan Hilzinger, Redaktor

Stefan Hilzinger, Redaktor

Das Glück ist wankelmütig. Im letzten Moment springt das blinkende Licht noch ein Feld weiter. Wieder nix mit dem Gewinn von 200 oder 1000 Franken. Wenn’s wenigstens die doppelte Anzahl Rabattpunkte für den nächsten Einkauf geworden wären. Jo denn halt, neues Spiel, neues Glück im Laden mit dem grossen M an der Zeughausstrasse.

Da fällt der Blick auf das grosse Plakat gleich hinter dem unglückseligen Glücksrad. Adrett gekleidete Menschen blicken einen fröhlich an. An der Berufskleidung in den gewohnten Farbtönen der Firma stecken Namensschilder. Müller, Schmid, Meier, Keller, Suter, Rochat und Bernasconi ist darauf zu lesen.

Türglocken an einem Mehrfamilienhaus. (Bild: Benjamin Manser)

Türglocken an einem Mehrfamilienhaus. (Bild: Benjamin Manser)

Schöne, heile helvetische Welt mit Bilderbuchnamen, wie sie gewisse Eid- und Zeitgenossen nur zu gerne auch auf den Rücken unserer Fussball-Nationalspieler lesen möchten. Nix da von Shaqiri, Behrami oder Elvedi. Keine Rede auch von Rodriguez oder Klose.

Das Hochglanzbild wirkt durchaus sympathisch, spottet aber jeder Realität, wenn man ab und zu die Namensschilder der fleissigen Frauen an den Kassen und bei den Gestellen liest.

Dabei müssten die Verantwortlichen des Konsumkonzerns es eigentlich besser wissen. Denn wenige Schritte von besagtem Laden entfernt, prangt ein Plakat in der Öffentlichkeit. Dort wirbt das zur Firma gehörende Bildungsinstitut: «Gemeinsam sprechen wir 55 Sprachen.»