Wirtschaft
Nach 75 Jahren: Sirnacher Coiffeursalon kommt in neue Hände

Am 31. März geht an der Winterthurerstrasse 7 in Sirnach eine 75-jährige Familientradition zu Ende. Coiffeur-Meister Philipp Müggler übergibt den von seinen Eltern gegründeten Coiffeursalon seiner langjährigen Mitarbeiterin und Coiffeur-Meisterin Carmen Tobler, welche das Geschäft mit ihrer jetzigen Lernenden am gleichen Standort weiterführen wird.

Werner Lenzin
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Carmen Tobler freut sich, am 1. April den Salon von Philipp Müggler übernehmen zu dürfen.

Carmen Tobler freut sich, am 1. April den Salon von Philipp Müggler übernehmen zu dürfen.

(Bild: Werner Lenzin)

«Ich bin glücklich darüber, dass ich meine langjährige Mitarbeiterin Carmen Tobler ins Boot holen konnte und sie unsere 75-jährige Familientradition weiterführt», freut sich Coiffeur-Meister Philipp Müggler, der dieses Jahr pensioniert wird. Auf die Frage, weshalb er sich als Jugendlicher entschieden habe diesen Beruf zu erlernen, antwortet er spontan: «Als Jüngster von drei Kindern hat sich das so ergeben und ich absolvierte zwischen 1972 und 1976 meine Lehre im Salon meiner Eltern Anni und Eugen Müggler-Breitenmoser. In dem Salon, den ich heute noch führe», berichtet der langjährige Ausbildner von Lehrlingen. Insgesamt haben er und seine Eltern in ihrem Coiffeursalon 70 Lehrlinge ausgebildet.

Wunschtraum Theater-Coiffeur

Eigentlich war es ursprünglich das Ziel des Sirnachers, einmal am Opernhaus in Zürich als Theatercoiffeur tätig zu sein. «Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt», sinniert er und blickt zurück auf seine langjährige Tätigkeit und die seiner Eltern. Am 26. März 1946 übernahm seine Mutter Anny Breitenmoser am heutigen Standort das Geschäft von Dölf Bättig und eröffnete einen Damensalon. Ein Jahr später mietete sich sein Vater bei ihr mit einem Herrensalon ein. Die beiden hatten sich während ihrer Meisterprüfung kennengelernt und nach ihrer Heirat im August 1947 war der Coiffeursalon Müggler geboren.

«Schon als Knabe habe ich im Salon meiner Eltern Haarteile geknüpft und bin so sprichwörtlich in meinen späteren Beruf hineingewachsen», erinnert sich Müggler. Die Freude an seiner Tätigkeit hat Philipp Müggler in all den Jahren nicht verloren, obwohl er eigentlich ganz andere berufliche Ziele im Fokus hatte: Gerne wäre er am Opernhhaus in Zürich als Coiffeur tätig gewesen, doch als 1980 seine Schwester Anita mit 32 Jahren an Leukämie starb, war für ihn klar, dass er den elterlichen Salon übernehmen werde. Als Coiffeur-Meister im Damen- und Herrenfach übernahm er in der Folge fünf Jahre später das elterliche Geschäft.

Masken und Frisuren

Besonders schätzt Müggler an seinem Beruf die Kreativität und für ihn ist die Freude, dass man am Schluss das Produkt sieht und erleben darf, wie eine Kundin oder ein Kunde mit der neuen Frisur glücklich und zufrieden den Salon verlässt. «In diesem Beruf kann man sich verwirklichen und das ist das Schöne und Beglückende», sagt er.

Vor vierzig Jahren bildete er sich in einem weiteren Schritt berufsbegleitend zum Theater-Coiffeur aus. Es war ihm somit vergönnt, neben der Führung seines Salons in seiner Freizeit bei den verschiedensten Laientheatern, und unter anderem viermal am Freilichtspiel «No e Willi» in Stein am Rhein, Masken und Frisuren zu kreieren. In vielen Produktionen in der ganzen Ostschweiz war sein Wissen gefragt. Er stellte sein berufliches Können und Wissen auch als Instruktor bei den Überbetrieblichen Kursen am Bildungszentrum für Bau und Mode Kreuzlingen während vielen Jahren zur Verfügung. Auch im Organisationskomitee des alle Jahre im «Thurgauerhof» in Weinfelden stattfindenden Ostschweizer Lehrlingsfrisierens «Let's Show Hair» ist er seit langer Zeit als begeisterter Speaker und Organisator dabei.

Überaus zufrieden ist Müggler damit, dass im Thurgau seit zwanzig Jahren verbandseigene Meisterkurse durchgeführt werden. Er hat auch an Meisterprüfungskursen im Thurgau und im Kanton St. Gallen unterrichtet. Und wie sieht es für ihn nach der Pensionierung aus? «Bis im Sommer werde ich jeweils am Mittwoch meine treuen Kunden bedienen und später allenfalls noch einen oder zwei Tage im Monat arbeiten». Mehr Zeit will er seinem vor 22 Jahren gegründeten besonderen Freizeit-Club widmen und sich auf Anfrage auch weiterhin als Theater-Coiffeur betätigen.

Die Nachfolgerin Carmen Tobler

Die Balterswilerin Carmen Tobler übernimmt nicht nur Mügglers Salon, sondern auch seine langjährige Tätigkeit als Chef-Expertin. Sie wurde letztes Jahr von den Mitgliedern der Sektion Thurgau von Coiffure Suisse einstimmig zu seiner Nachfolgerin gewählt. Sie arbeitet seit vierzehn Jahren im Salon Mügglers und bildete in dieser Zeit 15 Lernende aus.

Schon 19 Jahre ist sie Expertin bei den Qualifikationsverfahren der Coiffeusen und Coiffeure. Zudem leitet sie die Überbetrieblichen Kurse im Berufsschulzentrum Bau und Mode in Kreuzlingen und unterrichtet Lernende und auch ausgebildete Coiffeusen und Coiffeure in der Sparte Didaktik-Modul-Vorbereitung. In diesem Bereich ist Carmen Tobler auch eidgenössische Expertin. «Ich hatte schon als Mädchen den Wunsch Coiffeuse zu werden und ich würde diesen Beruf jederzeit wieder erlernen», sagt sie. Besonders schätzt sie die Zusammenarbeit mit ihren Kundinnen und Kunden und meint lachend: «Wir haben den schönsten Beruf, den es gibt.»

Für sie öffnen sich nun die Türen des traditionsreichen Coiffeursalons neu und sie freut sich, zusammen mit ihrer Lernenden Anna Skoloud, die vor der Lehrabschlussprüfung steht, den Salon ab dem 1. April mit einigen kleinen Änderungen am gleichen Standort weiterzuführen. «Am Anspruch, ihre Kundinnen und Kunden nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu bedienen ändert sich nichts und ich freue mich, wenn auch Neue, gleich welchen Alters, hineinschauen», sagt sie.