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Carunternehmer Karim Twerenbold zum geplanten Reiseterminal in Frauenfeld: «Wir wollen niemanden austricksen»

Mit rund 55 Prozent hat das Stimmvolk im Februar dem umstrittenen Landverkauf an Twerenbold für ein Reiseterminal im Sonnmatt-Quartier zugestimmt. Jetzt sei es an der Zeit, ein paar Dinge klarzustellen, sagt Firmenchef Karim Twerenbold.
Interview: Samuel Koch, Baden
Karim Twerenbold im offenen Reiseterminal am Firmenhauptsitz in Baden-Rütihof. (Bild: Samuel Koch)

Karim Twerenbold im offenen Reiseterminal am Firmenhauptsitz in Baden-Rütihof. (Bild: Samuel Koch)

Ländliche Idylle herrscht in Rütihof, einer Enklave der Stadt Baden. Jugendliche rollen auf ihrem Schulweg mit Kickboards vorbei. Eine Mutter mit Kinderwagen grüsst auf ihrem Spaziergang herzlich. Am Rand des Dorfes mit zirka 2400 Einwohner liegt der Hauptsitz der Twerenbold Reisen Gruppe. Eine ältere Frau, die in unmittelbarer Nähe wohnt, reagiert verblüfft über Fragen nach Lärm wegen des Reiseterminals: «Nein, nein. Wir haben ein ganz anderes Problem, und das ist der Fluglärm.» Derweil steigt eine Gruppe mit Rollkoffern in der Hand aus einem Linienbus aus und begibt sich zum Reiseterminal, wo Firmeninhaber Karim Twerenbold wartet.

Herr Twerenbold, sind Sie ein emotionaler Mensch?

Nein, ich bin eher der ruhige Typ.

Dann haben Sie nicht gefeiert, als Sie am 10. Februar vom Abstimmungsresultat erfahren haben?

Ich habe mich unbestritten sehr gefreut.

War die Zustimmung von 55,45 Prozent knapper als Sie erwartet haben?

Es war klar, dass es mit dieser kontrovers diskutierten Vorlage knapp werden könnte. Es ist ein Ja und es ist ein Bekenntnis zum Projekt. Aber es zeigt uns auch, dass die Gegner viele Leute mobilisieren konnten.

Weshalb?

Die Gegner brachten emotionale Themen wie Mehrverkehr, Lärm oder Schulwegsicherheit in die Diskussion ein.

Zu Recht?

Nein, das Projekt ist durchdacht und absolut zonenkonform.

Was hat Sie im Abstimmungskampf am meisten genervt?

Mich hat gestört, dass die Meinungsbildung nicht nur auf der Faktenlage basierte. Dabei haben wir ein Projekt erarbeitet, bei welchem alle etwas davon haben.

Das Grundstück an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse. (Bild: Donato Caspari)

Das Grundstück an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse. (Bild: Donato Caspari)

Wie meinen Sie das?

Wir schaffen in Frauenfeld eine gesunde Wertschöpfung und zirka 50 neue Arbeitsplätze. Zudem bauen wir mit der Wohnüberbauung quasi einen Riegel, um das Sonnmatt-Quartier vor Lärm zu schützen. Gäbe es dort nur eine Wohnsiedlung, würden mehr Lärm und Verkehr drohen.

Wieso haben Sie in Frauenfeld nie öffentlich Stellung bezogen?

Wir haben uns bewusst aus dem politischen Diskurs herausgehalten. Ich politisiere selber für die CVP im Einwohnerrat in Baden (Anm. Red.: Stadtparlament wie Gemeinderat) und kenne die politischen Abläufe. Zudem standen wir mit dem Pro-Komitee Arbeiten und Wohnen im Austausch. Das war der richtige Weg.

Über 1000 Unterschriften für eine Volksabstimmung

Am 10. Februar hat das Frauenfelder Stimmvolk einem Verkauf des rund 9500 Quadratmeter grossen Grundstücks an der Ecke Sonnenhof-/Schaffhauserstrasse an die Twerenbold Service AG mit rund 55 Prozent zugestimmt, welche dort für bis zu 30 Millionen Franken eine Car-Einstellhalle mit Reiseterminal, Tiefgarage und Waschanlage sowie eine Überbauung mit 32 Wohnungen errichten will. Die Volksabstimmung kam deshalb zustande, weil Anwohner im Sonnmatt-Quartier sowie «Chrampfe & Hirne» fristgerecht 1074 gültige Unterschriften für ein fakultatives Referendum sammelten und somit den Entscheid des Gemeinderats vom September (25 Ja, 9 Nein, 2 Enthaltungen) an die Urne brachten. Das Familienunternehmen Twerenbold Reisen Gruppe mit Sitz in Baden, zu welchem auch das Weinfelder Reisebüro Mittelthurgau Fluss- und Kreuzfahrten gehört, wird in vierter Generation geführt, beschäftigt rund 300 Vollzeitstellen und erzielt einen jährlichen Umsatz von rund 150 Millionen Franken. (sko)

Haben Sie nie direkten Kontakt zu Anwohnern gesucht?

Doch. Noch vor der Diskussion im Gemeinderat hat eine Gruppe Politiker zu einem Informationsanlass eingeladen. Nur eine Handvoll Anwohner ist erschienen. Wir wollen nicht einfach etwas auf die Beine stellen, das den Anwohnern quer im Hals steckt.

Ein Vorwurf lautete fehlende Transparenz?

Das ist in politischen Prozessen nichts Neues. Gegenüber grundsätzlichem Misstrauen war der Frauenfelder Stadtrat machtlos, obwohl er immer fair und offen kommuniziert hat. Die Abstimmungsbotschaft war umfassend und enthielt alle notwendigen Informationen.

Hätten Sie nach dem Ja des Gemeinderates im Herbst gedacht, dass sich die Sache so lange verzögert?

Den Umweg über die Volksabstimmung haben wir nicht erwartet. Als sich dann aber Opposition formierte, auch mit Chrampfe & Hirne, haben wir den Weg akzeptiert, auch wenn wir es uns anders gewünscht haben.

Wie kam damals der Kontakt mit der Stadt zustande?

Das städtische Amt für Standortentwicklung und Standortförderung hat uns diese Parzelle vorgeschlagen. Bei der ganzen Planungsphase war stets ein Vertreter aus Frauenfeld dabei. Die Stadt hat klare Leitplanken aufgestellt, an welchen wir uns orientiert haben. Obwohl es da immer wieder auch Diskussionen gab, hat sich der Stadtrat voll und ganz hinter das gemeinsam erarbeitete Betriebskonzept gestellt.

Was hat den Ausschlag für Frauenfeld gegeben?

Wir waren wegen des wachsenden Marktes schon länger auf der Suche nach einem Standort östlich von Zürich, auch weil wir bei unserem Standort in Wil wegen der Platzverhältnisse etwas eingeschränkt sind. Dann hat uns die Stadt Frauenfeld diese für uns optimale Parzelle an peripherer Lage, an einer Hauptverkehrsachse und mit Anbindung an die A7 vorgeschlagen. Das Grundstück ist an den öffentlichen Verkehr angebunden. Zudem liegt ein Hotel in unmittelbarer Nähe, damit Gäste schon vorgängig anreisen und dort übernachten können.

Passiert das tatsächlich?

Ja. Man muss aber auch ehrlich sein. Wenn wir Parkplätze anbieten, kommt der Grossteil der Kunden mit dem Auto.

Gab es seitens Stadtrat Vorschläge für andere Parzellen?

Wir haben keine andere Parzelle in Frauenfeld angeschaut, die von der Stadt empfohlen wurde.

War eine Übernahme im Baurecht je ein Thema?

Diese Option gab es für uns nie.

Der Standort in Baden-Rütihof unterscheidet sich nur unwesentlich von jenem in Frauenfeld? Gab es in Rütihof beim Bau im Jahr 1989 ähnliche Diskussionen?

Nein. Wir nehmen ja auch Rücksicht auf die Anwohner. Wir wollen niemandem etwas Böses. Wir möchten unser Geschäft betreiben, ohne dass wir jedes Wochenende Besuch der Polizei oder Briefe von lärmklagenden Anwohnern bekommen.

Verzögerungen durch Staus auf den Reiserouten lassen sich aber kaum vermeiden?

Diese kalkulieren wir in unsere Reisezeiten ein. Sollte es dennoch zu Verzögerungen kommen, könnten Ankünfte im Reiseterminal zeitlich wider Erwarten etwas später erfolgen. Da arbeiten wir aber konsens- und lösungsorientiert. Wir profitieren hier von unseren jahrelangen Erfahrungen mit der Nachbarschaft in Baden-Rütihof. Auch die von uns angegebenen Betriebszeiten und berechneten Verkehrsstatistiken basieren auf Erfahrungswerten und sind nicht frei erfunden. Wir sind lange genug im Geschäft, da sollte man uns auch etwas Vertrauen entgegenbringen. Wir wissen beispielsweise auch nicht, woher die Angst kommt, dass wir mit unseren Cars durch die Quartierstrassen fahren. Unsere Unternehmung hat ja auch ein Image zu verlieren.

Das Modell des Bauprojekts. (Bild: PD)

Das Modell des Bauprojekts. (Bild: PD)

Die Gegner haben auch damit argumentiert, dass kein Steuerfranken nach Frauenfeld fliessen würde.

Das ist schlicht nicht wahr. Wir bezahlen trotz unserer Holdingstruktur an all unseren Standorten fair und ehrlich Steuern. Das wird auch in Frauenfeld der Fall sein. Ich frage mich schon, wie solche Mutmassungen in Umlauf kommen. Wir wollen doch niemanden austricksen, das entspricht nicht unserer Philosophie.

Dann stimmt es auch nicht, dass die Reisecars im Leerlauf gekühlt oder beheizt werden.

Nein. Der Motor wird kurz vor der Abfahrt gestartet. Im Gegensatz zum Terminal in Baden-Rütihof sind die Busse in Frauenfeld sogar in geschlossenen Garagen stationiert.

Was ist mit dem Thema Fernbusgeschäft wie Flixbus?

Das ist für uns definitiv kein Thema. Wir sind ein Reiseveranstalter und nicht im reinen Transportgeschäft tätig. Dass uns der liberalisierte Fernreiseverkehr nicht interessiert, habe ich auch vor der nationalrätlichen Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen gesagt, in welcher ich kürzlich als Experte sprechen durfte.

Haben Sie nie versucht, mit Wohnungen zur Kostenmiete im Abstimmungskampf ein Zückerli zu geben?

Das Wohnungskonzept ist attraktiv, das wir mit Spezialisten haben abklären lassen. Letztlich wird sowieso der Markt die Mietpreise bestimmen.

Ist die dahinterliegende Parzelle der Primarschule in Ihre Pläne eingeflossen?

Nein. Da gab es höchstens Gespräche betreffend Erschliessung, die gewährleistet ist. Ansonsten ist es Sache der Behörden, dieses Grundstück zu entwickeln.

Insgesamt investieren Sie mit dem Grundstückpreis Millionen am Standort Frauenfeld.

Inklusive der 5,7 Millionen Franken für den Grundstückkauf bewegt sich die Investition in Richtung von 30 Millionen Franken.

Wann erfolgt die Baueingabe?

Wir wollen jetzt zuerst das Projekt weiter ausarbeiten, zusammen mit den Architektenteams und den Stadtvertretern.

Haben Sie keine Angst, dass es dann Einsprachen hagelt?

Einsprachen müssen doch auch begründet sein. Sind sie es, haben Anwohner ihr gutes Recht dazu.

Wie wollen Sie dennoch Gegensteuer geben?

Wir werden mit den Anwohnern sprechen, und zwar schon bald. Wir planen bis im Sommer einen Anlass im Quartier, um weiter über das Projekt zu informieren und Ängsten entgegenzuwirken. Wir wollen eine Diskussion im geordneten und fairen Umgang. Damit aber Gespräche stattfinden können, sollten die Anwohner dann auch erscheinen.

Bis wann steht der Reiseterminal im Sonnmatt-Quartier?

Schwierig abzuschätzen. Alleine die Bauzeit dürfte anderthalb Jahre dauern. Und wir brauchen jetzt noch Zeit für die Detailplanung und die Ausarbeitung des Bauprojektes. Eines ist sicher, zu unserem 125-jährigen Firmenjubiläum nächstes Jahr reicht es sicher nicht.

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