«Wir wollen die Arbeit ja nicht doppelt machen»: Stadt Frauenfeld wartet bei Parkplatzfrage auf den Segen des Kantons

Für 1,75 Millionen Franken will die Stadt unter dem neuen Regierungsgebäude 50 Tiefgaragenparkplätze schaffen. Zunächst entscheidet jedoch das Thurgauer Stimmvolk Ende September über den Baukredit von rund 39,8 Millionen Franken für den neuen Erweiterungsbau im Frauenfelder Vorstadtquartier.

Samuel Koch
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Der Erweiterungsbau samt Tiefgarageneinfahrt soll an der Staubeggstrasse entstehen, wofür die Villa Wohlfender (im Vordergrund) aus den 1930er-Jahren verschoben werden muss.

Der Erweiterungsbau samt Tiefgarageneinfahrt soll an der Staubeggstrasse entstehen, wofür die Villa Wohlfender (im Vordergrund) aus den 1930er-Jahren verschoben werden muss.

Bild: Andrea Stalder
(11. August 2020)

Parkplätze sind in Frauenfeld ein heisses Eisen, vor allem wenn sie dazu noch in der Innenstadt liegen. Immer wieder muss der Stadtrat unter anderem von Gemeinderäten unangenehme Fragen beantworten, wie derzeit mit der Einfachen Anfrage von Romeo Küng (SVP) mit dem Titel «Ohne Parkplätze keine Kunden, ohne Kunden keine Gewerbetreibende, ohne Gewerbetreibende keine belebte Innenstadt». Stadtrat Andreas Elliker, Vorsteher des Departements Bau und Verkehr, sagt: «Wir werden diesen Vorstoss bearbeiten, wie alle anderen auch.»

Über den Inhalt verrät er nichts, eines nimmt er aber vorweg. Von stillschweigendem Verschwinden von öffentlichen Frauenfelder Parkplätzen will er nichts wissen. Elliker sagt:

Andreas Elliker, Departementsvorsteher Bau und Verkehr.

Andreas Elliker, Departementsvorsteher Bau und Verkehr.

Bild: Mathias Frei
«Seit Jahren schon verfolgt der Stadtrat das Ziel, oberirdische Parkplätze durch unterirdische zu ersetzen.»

So hat sich die Stadt nach Inkrafttreten des Abstellplatzreglements 1992 an zwei Tiefgaragen mit öffentlichen Parkplätzen finanziell beteiligt: 1995 mit 972'000 Franken an der Parkgarage am Marktplatz und 2013 mit zwei Millionen Franken am Parkhaus Altstadt bei der Promenade.

Zufahrt der Tiefgarage via Staubeggstrasse

Nun steht eine weitere städtische Beteiligung bevor, nämlich bei der geplanten Erweiterung des Regierungsgebäudes, wozu die Stimmberechtigten des Kantons Thurgau am 27. September an die Urne gerufen werden. Für einen Baukredit von 39,8 Millionen Franken soll hinter dem bestehenden Regierungssitz an der Ecke Staubegg-/Schulstrasse nicht nur ein neues Verwaltungsgebäude aus Holz entstehen.

Das Modell des Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes aus der Vogelperspektive, mit dem jetzigen Regierungsgebäude links und der Staubeggstrasse im Vordergrund.

Das Modell des Ergänzungsbau des Regierungsgebäudes aus der Vogelperspektive, mit dem jetzigen Regierungsgebäude links und der Staubeggstrasse im Vordergrund.

Bild: Andrea Stalder

Acht Millionen der Gesamtsumme fliessen in eine neue Tiefgarage mit Zufahrt via Staubeggstrasse. Geht es nach dem Frauenfelder Stadtrat, steuert die Stadt von den total 215 Tiefgaragenparkplätzen für deren 50 insgesamt 1,75 Millionen Franken bei. Eine Absichtserklärung sei längst unterzeichnet, sagt Stadtrat Elliker. Bewusst warte die Stadt jetzt aber noch die Abstimmung von Ende September ab. «Wir wollen die Arbeit ja nicht doppelt machen», meint Elliker.

Laut der Beantwortung des Stadtrates zur Einfachen Anfrage «Auslastung von subventionierten öffentlichen Parkierungsanlagen» der Gemeinderäte Anita Bernhard (CH), Michael Pöll und Roman Fischer (beide Grüne) liegt die derzeitige Auslastung der öffentlichen Parkplätze im Parkhaus Altstadt bei lediglich 30 Prozent. Gleichzeitig zur tiefen Auslastung gibt es immer wieder Unmut wegen oberirdischer Parkplätze, die aufgelöst werden, etwa bei der Promenadenstrasse oder auf dem Unteren Mätteli.

Abbau oberirdischer Parkplätze steht fest

Was kann die Stadt dagegen tun? «Eine Variante ist, die Preise für die oberirdischen Parkplätze zu erhöhen, welche zentrumsnahe sind», sagt Elliker. So sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass in den nächsten Jahren weitere oberirdische Parkplätze abgebaut werden. Um welche genau es sich handelt, weiss Elliker nicht. Er sagt:

«Das wird noch geprüft und ist Teil des anvisierten Gesamtbildes sowie den Abklärungen rund ums Projekt MFG – Miteinander Frauenfeld gestalten.»

Es werde gleichzeitig mit den Erdgeschossnutzern in der Innenstadt abgestimmt. Das Geld für die 50 weiteren öffentlichen Tiefgaragenparkplätze «in Bahnhofnähe», wie Elliker sagt, will die Stadt aus der Spezialfinanzierung Parkierung nehmen. Das letzte Wort dafür hat der Gemeinderat. Elliker sagt:

«Sobald der Kanton entschieden hat, ob es den Erweiterungsbau gibt, werden wir eine entsprechende Botschaft ausarbeiten.»

Er hofft, dass sie bis im Februar vorliegt, sofern die Thurgauer Bevölkerung Ja sagt. Für alle Frauenfelder Gemeinderäte komplett überraschend sei dieses Geschäft dann nicht, meint Elliker. «Wir haben in der Fachkommission Verkehr und Mobilität schon über diese Pläne informiert, in der auch Gemeinderäte vertreten sind.»

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