GLP bekommt Listennummer 6: «Wir waren schon immer sexy»

Die GLP findet für den 6. Platz Assoziationen. Mit der Listennummer 1 startet die CVP in die Grossratswahlen.

Sebastian Keller
Drucken
Teilen
Während der Losziehung in der Säulenhalle des Regierungsgebäudes: Ricarda Zurbuchen, stellvertretende Staatsschreiberin, Liv Eisenhut, Glücksfee und Lernende Kantonsverwaltung, und Marius Kobi, Leiter Rechtsdienst der Staatskanzlei. Bilder: Reto Martin

Während der Losziehung in der Säulenhalle des Regierungsgebäudes: Ricarda Zurbuchen, stellvertretende Staatsschreiberin, Liv Eisenhut, Glücksfee und Lernende Kantonsverwaltung, und Marius Kobi, Leiter Rechtsdienst der Staatskanzlei. Bilder: Reto Martin

(Bild: Reto Martin)

Das Regierungsgebäude ist ein freundliches Haus. Die Holztüre öffnet automatisch, wenn man auf sie zugeht. Von der Decke im Entrée hängen Sternen. Advent macht auch vor dem Staat nicht halt. Basketballspieler müssten nicht auf die Zehenspitzen stehen, um danach zu greifen. Nach den Sternen greifen wollen Politikerinnen und Politiker am 15.März 2020. Dann finden die Grossratswahlen statt, erstmals gleichzeitig mit den Regierungsratswahlen.

Kein Sternenlauf, sondern ein Startschuss für den Kampf um die 130 Parlamentssitze findet in der Säulenhalle statt: Die Losziehung der Listennummern. Die Szenerie erinnert an eine WM-Vergabe oder an «Benissimo». Gut gelaunte Parteipräsidentinnen und Parteipräsidenten sitzen in den Rängen wie bei einem Vortrag – parteipolitische Berührungsängste sind Fehlanzeige. In die Rolle der Glücksfee schlüpft Liv Eisenhut, Lernende beim Kanton, drittes Jahr. Unparteiisch soll sie die Kugeln mit den Losen aus einem historischen Hohlmass – Jahrgang 1846 –ziehen.

«Mich nimmt es wunder, ob wieder die EDU Listennummer 1 bekommt», sagt Ricarda Zurbuchen, stellvertretende Staatsschreiberin zu Beginn. «Dafür haben wir bezahlt», witzelt der Frauenfelder EDU-Bezirkspräsident Christian Mader. 2012 wie 2016 war die EDU auf Platz eins. Insgesamt gingen elf Wahlvorschlagslisten bei der Staatskanzlei ein. Eine weniger als vor vier Jahren. Doch die Zahl könnte sich noch erhöhen - Deadline ist der Dreikönigstag.

Marius Kobi, Leiter Rechtsdienst der Staatskanzlei, hält die Spannung bis zum Schluss hoch. Zuerst kommt Listennummer 11 an die Reihe. Er nimmt den Zettel aus der Kugel, die ihm Glücksfee darreicht, und streckt sie in Richtung Zuschauer: «GP». Grüne Partei also. Rollt die grüne Welle das Feld von hinten auf? Der Kreuzlingen GP-Kantonsrat Jost Rüegg sagt später: «Ich sehe es als doppelte 1.» Zudem seien die Grünen zuerst gezogen worden.

EDU ist immer noch auf dem Podest

Es folgen die Regierungsparteien SP (10) und SVP (9). Bei der Ziehung des Listennummer 6 nennt Kobi die GLP. «Wir waren schon immer sexy», kommentiert GLP-Präsident Robert Meyer. Später konkretisiert er die Aussage mit einem verschmitzten Lachen: «Mit sexy meine ich attraktiv.» Mit dem Platz ist er zufrieden. «Wir waren noch nie so weit vorne.»

Von der Poleposition startet die CVP. Noch vor der EDU. 2016 musste die Christlichdemokratische Volkspartei mit Platz 12 vorliebnehmen. Christian Mader, EDU, findet auch Listennummer 2 in Ordnung. «Ich sehe keinen Nachteil, wir sind ja noch auf dem Podest.»

Auf dem Bronzerang findet sich die Junge Evangelische Volkspartei (JEVP). Der Präsident der Mutterpartei, Wolfgang Ackerknecht, freut sich für den politischen Nachwuchs. Die Freude rührt vor allem daher, dass die JEVP in jedem der fünf Bezirken mit eigenen Liste antritt. «Für die Zukunft unserer Partei stimmt mich das hoffnungsvoll», sagt Ackerknecht.

Die wählerstärkste Partei, die SVP, landet auf dem 9. Platz. «Die Nummer spielt keine grosse Rolle», sagte deren Präsident Ruedi Zbinden schon, bevor die Glücksfee aktiv wurde. Gegen ein System, wie es der Nachbarkanton Zürich pflegt, hätte er dennoch nicht viel einzuwenden: Dort startet die Partei mit den meisten Sitzen im Parlament –es ist die SVP – automatisch mit Listennummer 1. Für den Berufsstand der Glücksfeen wären das natürlich keine freundlichen Aussichten.

Aktuelle Nachrichten