«Wir waren auf Entzug»: Dank einem erfolgreichen Spendenaufruf schwingen die Tanzbeine im Münchwiler «Dance Inn» wieder

Die Zukunft des Münchwiler Tanzlokals war lange unsicher. Seit Samstag herrscht dort aber nach fast drei Monaten wieder Betrieb. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung.

Roman Scherrer
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Fröhliche Gesichter auf der Tanzfläche im «Dance Inn»: Die Gäste haben das Lokal vermisst.

Fröhliche Gesichter auf der Tanzfläche im «Dance Inn»: Die Gäste haben das Lokal vermisst.

(Bild: Benjamin Manser)

Es ist heiss. Wer die Tanzfläche verlässt, um sich eine Pause zu gönnen, ist verschwitzt, trägt aber ein Lächeln im Gesicht. Es herrscht am Samstagabend eine ausgelassene und fröhliche Stimmung im Münchwiler «Dance Inn». Kein Wunder, denn erstmals seit Mitte März konnte das Tanzlokal am Wochenende wieder öffnen.

Dies ermöglichten aber nicht nur die Coronalockerungen, sondern auch Spenden. Wegen des Virus und der damit verbundenen, vorübergehenden Zwangsschliessung standen das «Dance Inn» und das angrenzende Lokal, der «Schlosshof», nämlich vor einer unsicheren Zukunft. Betreiber Marcel Stucki wendete sich deshalb mit einem Spendenaufruf an seine Stammkundschaft. Und das hat funktioniert, wie Stucki berichtet:

Marcel StuckiBetreiber «Dance Inn»

Marcel Stucki
Betreiber «Dance Inn»

(Bild: Roman Scherrer)
«Über Hundert Leute haben gespendet. Das hat uns etwa zwei Monatsmieten eingebracht.»

Die Freude über die erneute Öffnung ist ihm anzusehen. Auch nervös sei er vor diesem Samstag gewesen. «Fast so, wie wenn ich ein neues Lokal eröffnen würde.»

Früh angereist, um Mitternacht ist Schluss

Bereits kurz nach 20 Uhr befinden sich im «Dance Inn» rund Hundert Gäste. Das gleiche Bild zeigt sich im «Schlosshof», wo eine Ü40-Party stattfindet. Die Leute sind früh angereist, denn die beiden Lokale müssen um Mitternacht wieder schliessen. Das und die obligatorische Angabe der Kontaktdaten beim Eingang vermögen die gute Stimmung aber nicht zu trüben. «Niemand beschwert sich darüber, dass man sich einschreiben muss», sagt Stucki.

Gut vorbereitet: An der Bar konnten sind Schutzmasken erhältlich.

Gut vorbereitet: An der Bar konnten sind Schutzmasken erhältlich.

(Bild: Benjamin Manser)

Hauptsache wieder Musik und Tanzen, scheinen sich die Leute zu denken. «Wir waren auf Entzug», sagt Thomas Böhi aus Frauenfeld. Und weil er es so vermisst hatte, habe auch er fürs «Dance Inn» gespendet, sagt er, nimmt seine Tanzpartnerin bei der Hand und kehrt aufs Parkett zurück. Den Spendenaufruf nicht mitbekommen hat Franca Illardo, welche die Musik an der «Ü40» geniesst. «Wir haben aber schon lange darauf gewartet, wieder hierher kommen zu können», sagt sie und deutet auf ihre Freunde.

Daniele D’Alessio arbeitet seit Jahren an der Bar im «Dance Inn» und lässt sich von der guten Stimmung anstecken:

«Wir sind voll motiviert. Es tut gut, die vielen bekannten Gesichter wieder einmal zu sehen.»

Marcel Stucki geht davon aus, dass er seine Lokale auch über den üblicherweise umsatzschwachen Sommer hinaus betreiben kann. Als Dankeschön stellt er am Eingang eine Tafel mit den Namen der Spender auf. «Man darf schon jetzt sagen, dass es ein Happy End gegeben hat.»