«Trotz Wiederaufbau werden Narben zurückbleiben»: Frauenfelder Stadtrat Andreas Elliker nach dem Grossbrand auf seinem Hof

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist bei einem Brand im Westen Frauenfelds ein Stall komplett zerstört worden. Der Bauernhof gehört der Familie Elliker, Betriebsleiter ist Stadtrat Andreas Elliker. Der geschätzte Sachschaden beträgt mehrere 100'000 Franken.

Mathias Frei
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Die Brandruine am Samstagmittag. (Bild: Andrea Stalder)

Die Brandruine am Samstagmittag. (Bild: Andrea Stalder)

Es riecht nach Löschwasser am Samstagnachmittag. Vom Stall auf dem Bachhof stehen nur noch die Grundmauern. Andreas Elliker sieht müde aus, wirkt aber den Umständen entsprechend gefasst. Die Nacht war kurz, er sei zu anderthalb Stunden Schlaf gekommen, sagt er mit leiser Stimme. Keine 16 Stunden früher brannte auf seinem Landwirtschaftsbetrieb der Stall inklusive Futterlager lichterloh. Ellikers Eltern bemerkten den Brand Freitagnacht kurz nach 23 Uhr. Pflichtbewusst, wie Elliker ist, sagt er:

«Trotz des Brandes und der Aufräumarbeiten werde ich die wichtigsten Termine meiner Stadtrats-Agenda wahrnehmen. »
Anndreas Elliker, Stadtrat und Bio-Landwirt. (Bild: Andrea Stalder)

Anndreas Elliker, Stadtrat und Bio-Landwirt. (Bild: Andrea Stalder)

«Die Feuerwehr Frauenfeld rückte mit fast 60 Einsatzkräften aus. Während das zweigeschossige Stallgebäude vollständig niederbrannte, gelang es der Feuerwehr, das Übergreifen des Feuers auf eine angrenzende Scheune und auf das benachbarte Wohnhaus zu verhindern», heisst es in der Medienmitteilung der Kantonspolizei Thurgau. Über die Brandursache wolle er nicht mutmassen, sagt Elliker, der Brandermittlungsdienst und der Kriminaltechnische Dienst der Kapo seien an der Arbeit. Menschen kamen nicht zu Schaden. Über 50 Tiere konnten gerettet werden, leider kamen aber zwei Kühe und ein Kalb zu Tode.

Bereits 1980 brannte der Hof

Es sei tragisch, aber man müsse nach vorne schauen, sagt Andreas Elliker. «Trotz allem: Für mich ist klar, dass wir alles wieder aufstellen werden. Aber es werden Narben zurückbleiben.» Aufgeben komme für ihn nicht in Frage. Elliker ist seit diesem Sommer Frauenfelder Stadtrat im Nebenamt. 2016 übernahm er den Bio-Milchwirtschaftsbetrieb in der Erzenholzemer Thurebene und führt ihn nun in vierter Generation, die Eltern Käti und Heini Elliker sind weiterhin auf dem Hof aktiv. Das nun komplett zerstörte Stallgebäude stammt aus dem Jahr 1980. Damals wütete schon einmal ein Grossbrand im 1979 eröffneten Neubau. Grund für das damalige Feuer war laut Elliker ein von Nagetieren aufgebissenes Stromkabel.

Blick auf die Brandruine, während die Feuerwehr noch im Einsatz steht. (Bild: Andrea Stalder)

Blick auf die Brandruine, während die Feuerwehr noch im Einsatz steht. (Bild: Andrea Stalder)

Im Jahr 2013 bauten Andreas Elliker und sein Vater das Stallgebäude um. «Wir investierten viel Zeit und Arbeit in den Umbau, setzten dabei auch innovative Ideen um.» Mit dem Brand seien viele Erinnerungen zerstört worden.

Quartierverein hat Spendenkonto eingerichtet

Es sei dem Quartierverein Erzenholz/Horgenbach/Osterhalden ein grosses Anliegen, Familie Elliker zu helfen, schreibt Quartiervereinspräsident Roland Hofmann auf Facebook und auf der Webseite www.erzenholz.ch. «Wir nehmen daher gerne Geldspenden an, die den baldigen Wiederaufbau ermöglichen werden.» Das Geld werde vollumfänglich der betroffenen Familie übergeben. Bis Samstagabend ist Hofmanns Facebook-Aufruf auf viel positives Echo gestossen.

Spenden an: QV Erzenholz-Horgenbach-Osterhalden, IBAN CH74 0900 0000 9299 4761 1 (Postfinance), Vermerk: Spende Grossbrand Osterhalden

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Grosse Solidarität auf Facebook

Seine Eltern und Betriebsmitarbeiter seien soweit gefasst, sagt Elliker. Es bleibe einem auch kaum Zeit, um sich Gedanken zu machen. «Aber der Moment, da man sich fragt, weshalb das passieren musste, kommt irgendwann.» Was Andreas Elliker aber zumindest ein wenig Trost gibt, ist die grosse Anteilnahme. Er wolle den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz danken und den Nachbarn, die zu Hilfe geeilt seien. Auf der «Du bisch vo Frauenfeld, wenn…»-Facebook-Gruppe schlägt sich die Solidarität in einer Vielzahl von Kommentaren nieder. Zudem hat der Quartierverein Erzenholz/Horgenbach/Osterhalden ein Spendenkonto eingerichtet.

Das abgebrannte Gebäude ist versichert. Aber das sei nur das eine, sagt Elliker. «Das andere ist die Kraft, die es nun braucht.» Und der Berg an Arbeit. Die Kühe und Kälber brauchen einen Stall. Dafür werde man den Maschinenschopf umnutzen. Bis das Provisorium bereit ist, dauert es aber bis nächste Woche. «Bis dahin bleiben die Tiere auf der Weide.» Zudem muss Elliker nun grosse Mengen Futtermittel besorgen, denn 700 Heuballen sind verbrannt. Auch die 200 Strohballen werden fehlen.