«Wir stehen an einem entscheidenden Punkt für den weiteren Verlauf der Pandemie»: Der Thurgauer Corona-Fachstab intensiviert das Contact-Tracing

Im Kanton Thurgau beobachtet der Fachstab Pandemie die Situation rund um die Entwicklungen des Coronavirus und hat zahlreiche Szenarien erarbeitet, darunter auch das Eintreten eines Superspreader-Events. Das Contact-Tracing durch die Lungenliga wird nun wieder an sieben Tagen pro Woche geführt.

Drucken
Teilen
Regierungsrat Urs Martin ist der Leiter des Fachstabes Pandemie.

Regierungsrat Urs Martin ist der Leiter des Fachstabes Pandemie.

Bild: Andrea Stalder

(red) Auch im Kanton Thurgau haben die Zahlen der Covid-19-Neuinfizierten in den vergangenen Tagen leicht zugenommen. Der Fachstab Pandemie beobachte die Lage im Thurgau und erarbeite zahlreiche Szenarien für den Kanton, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwochmorgen. Die Erfahrungen aus anderen Kantonen würden zeigen, wie rasch es zu sogenannten «Superspreader-Events» kommen könne. Der Kanton bereite sich unter anderem auf das Eintreten eines solchen vor, etwa im Rahmen von Veranstaltungen, in Schulen und Pflegeeinrichtungen.

Regierungsrat Urs Martin, Leiter des Fachstabes Pandemie, wird wie folgt zitiert:

«Wir stehen aktuell aufgrund der Lockerungsmassnahmen und der kommenden Ferienzeit wieder an einem entscheidenden Punkt für den weiteren Verlauf der Pandemie.»

Maske tragen dringend empfohlen

Darum appelliert der Fachstab Pandemie an die Bevölkerung, weiterhin die noch immer geltenden Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Dringlich angeraten wird laut Medienmitteilung das Tragen einer Hygienemaske, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Das gilt insbesondere auch für den öffentlichen Verkehr.

Beim Umgang mit Risikogruppen wird generell zum Tragen einer Maske geraten – sei dies in der Pflege oder bei Besuchen in Pflegeeinrichtungen oder Spitälern. Weiter rät der kantonale Fachstab, sich strikt an die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit zu halten.

Der Bundesrat geht einen Schritt weiter: Er hat am Mittwochnachmittag eine Maskenpflicht bekannt gegeben. Ab Montag, 6. Juli, müssen Personen ab 12 Jahren im öffentlichen Verkehr eine Maske tragen.

Contact Tracing intensiviert

Ein wichtiges Instrument bei der Eindämmung der Covid-19-Pandemie bleibt das Contact Tracing, heisst es im Communiqué des Kantons weiter. Hierfür arbeite der Thurgau mit der Lungenliga zusammen. Sie stehe in telefonischem Austausch mit den positiv getesteten Personen sowie Personen, die mit diesen in Kontakt standen.

Mit den ansteigenden Fallzahlen werde auch das Contact Tracing hochgefahren und intensiviert. Es werde nun an sieben Tagen die Woche durchgeführt und wenn nötig durch den Zivilschutz verstärkt. Dadurch solle sichergestellt werden, dass die Infektionsketten möglichst aller kantonaler Fälle zurückverfolgt werden könnten.

Kanton empfiehlt SwissCovid-App

Der Fachstab Pandemie empfiehlt den Thurgauerinnen und Thurgauern den Download der SwissCovid-App. Der Fachstab Pandemie bittet die Bevölkerung, wo immer dies nötig ist, die eigenen Kontaktangaben vollständig und wahrheitsgemäss anzugeben. Absichtlich Falschangaben zu hinterlassen sei keine Bagatelle, sondern könne andere Mitmenschen ernsthaft in Gefahr bringen.

Mehr zum Thema
Interview

«Das grosse Risiko ist ein erneuter Lockdown»: Regierungsrätin Cornelia Komposch im Corona-Interview

Die Thurgauer Regierungsrätin Cornelia Komposch erklärt im Gespräch, wieso der Thurgau vom Coronavirus einigermassen verschont geblieben ist. Sie warnt aber vor den Risiken einer zweiten Welle. Ebenso bezieht die Sozialdemokratin Stellung zur aktuellen Diskussion um Demos in Pandemiezeiten. Ihrem Parteikollegen Fredy Fässler, der wegen einer Aussage unter Beschuss ist, gibt sie Schützenhilfe.
Sebastian Keller