Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Wir sollten eher christliche Flüchtlinge aufnehmen»

Die EDU politisiert nahe bei der SVP, aber mit der Bibel als Richtschnur, sagt Präsident Hans Trachsel im Interview.
Interview: Silvan Meile
Der Thurgauer EDU-Präsident Hans Trachsel spricht bei sich zu Hause über den kommenden Wahlherbst. (Bild: Silvan Meile)

Der Thurgauer EDU-Präsident Hans Trachsel spricht bei sich zu Hause über den kommenden Wahlherbst. (Bild: Silvan Meile)

Hans Trachsel, Ihre Partei wehrt sich gegen die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm, die Hass gegen Lesben und Schwule strafbar machen will. Wieso?

Dass diese Menschen den nötigen Schutz haben, finde ich absolut richtig. Ich bin aber der Meinung, dass dieser heute bereits vorhanden ist. Uns geht es ganz klar um die Meinungsfreiheit. Die frohmachende Botschaft des Erlösers Jesu Christus ist uns wichtig. Wir wollen nicht Gefahr laufen, sie dereinst nicht mehr verbreiten zu dürfen.

Wo besteht denn diese Gefahr?

In der Diskussion um die Ehe für alle könnte das zum Thema werden. Ich bin der Meinung, dass das nur etwas zwischen Mann und Frau sein darf. Wenn das ein Pfarrer auf der Kanzel sagt, weil es in der Bibel so steht, könnte das allenfalls strafrechtliche Folgen haben.

Es steht dort aber nicht, dass eine Beziehung zwischen Gleichgeschlechtlichen verboten ist.

So steht es zwar nicht. Aber es gibt Stellen, wo man das so lesen kann, dass der Schöpfungsgedanke anders ist.

Vor vier Jahren büsste die EDU 1,2 Prozent ein und kam noch auf 3,8 Prozent Wähleranteil. Welches Ziel verfolgen Sie für diesen Wahlherbst?

Den Wähleranteil halten, ist unser erklärtes Ziel. In den vergangenen Stadt- und Gemeindewahlen im Thurgau haben wir nicht verloren. Mich stimmt besonders zuversichtlich, dass wir eine sehr treue Wählerschaft haben.

Das Thema der Stunde ist der Klimawandel. Wie verhält sich Ihre Partei dabei?

Nachhaltigkeit und der Schöpfung Sorge halten, war bei uns immer ein Thema. Unsere Haltung ist aber: Die Eigenverantwortung steht über Lenkungen und Abgaben. Information und Sensibilisierung finde ich gut, staatliche Eingriffe aber nicht.

Findet Ihrer Meinung nach eine Klimahysterie statt?

Den Klimawandel bestreite ich nicht. Ich war diesen Sommer wieder in den Berner Alpen, wo ich aufgewachsen bin. Die Veränderungen sind gewaltig. Die Gletscher verschwinden, die Waldgrenze steigt an. Der Klimawandel findet statt. Die Frage ist nur: Was ist die Ursache?

Sie zweifeln, ob er menschgemacht ist. Ist er allenfalls Teil der Schöpfung?

Das ist nun etwas gar fatalistisch. Die Veränderungen, die ich beobachte, gehen nun tatsächlich sehr schnell. Deshalb habe ich Verständnis, wenn die Jugend heute demonstriert. Ich sorgte mich damals auch um das Waldsterben.

Für den Wahlherbst ist Ihre Partei eine Listenverbindung mit der SVP und der FDP eingegangen. Ein eigener Sitz scheint unwahrscheinlich. Sie wollen also der SVP den dritten Sitz sichern?

Ja. Unser Ziel ist es, den bürgerlichen Block zu stärken. Vor acht Jahren machten wir ja mit den kleinen Mitteparteien eine Listenverbindung. Damals schaffte Thomas Böhni von der GLP die Wahl in den Nationalrat. Unsere Wähler fanden das nicht gut. Sie sind der Meinung, wenn wir selber schon keinen Sitz holen, sollen unsere Stimmen dorthin gehen, wo wir politisieren. Die SVP ist uns am nächsten.

Nach den letzten Grossratswahlen stieg die EVP aus der Fraktionsgemeinschaft aus. Seither hat die EDU mit fünf Sitzen eine eigene Minifraktion. Wie gut geht das?

Ich fand es schade, dass die Fraktionsgemeinschaft nicht mehr funktionierte. Es gab Themen, bei denen wir zu weit auseinander waren. Wir waren in gesellschaftlichen oder finanzpolitischen Belangen näher bei der SVP, die EVP tendierte eher zur CVP oder zur SP. Aber wir waren uns bei den christlichen Werten immer einig.

Die EVP schloss sich der CVP an. Wäre für die EDU eine Fraktionsgemeinschaft mit der SVP eine Option?

Das haben wir diskutiert, fanden es für uns aber nicht zielführend. Gleichzeitig ist eine eigene Fraktion mit fünf Grossräten sehr streng für die Beteiligten. Um sie etwas zu entlasten, behielt ich das Parteipräsidium, obwohl ich selber nicht mehr im Grossen Rat bin.

Die EDU ist im Grossen Rat nur durch Männer vertreten. Auch die Nationalratsliste ist rein männlich. Wo sind die EDU-Frauen?

Sie fehlen tatsächlich auf der Nationalratsliste. Unter den Mitgliedern haben wir zwar viele Ehepaare, von denen sich auch die Frauen für die Partei engagieren. Auf den Grossratslisten im Frühling werden zahlreiche Frauen vertreten sein. Mit Helen Jordi und Marlis Bornhauser hatten wir ausserdem schon hervorragende Politikerinnen.

Was beschäftigt die EDU aktuell?

Die Islamisierung. Ich frage mich, ob sich alle bewusst sind, was geschieht, wenn Moslems dereinst in der Mehrheit sind. Dann wollen sie, dass ihre Gesetze gelten.

Davon kann ja nun keine Rede sein. Dennoch: Was wollen Sie dagegen unternehmen?

Wir müssen zu unserem Glauben stehen. Bei der Zuwanderung bin ich schon der Meinung, wir sollten darauf schauen, eher christliche Flüchtlinge aufnehmen. Es gibt viele muslimische Länder, die Menschen mit ihrem Glauben aufnehmen könnten. Mit keiner anderen Kultur oder Religion ist es so schwierig wie mit dem Islam. Es gibt aber auch solche, die hier ihren Glauben leben und unsere Gepflogenheiten respektieren und überhaupt nicht stören. Das muss man schon auch sagen.

Zurück zur Bibel. Gibt es dort auch Stellen, die Sie anzweifeln?

Anzweifeln tue ich die Bibel nicht. Es gibt aber Passagen, die ich nicht verstehe. Deshalb gibt es unterschiedliche Auslegungen. Gefährlich finde ich, wenn einzelne Verse aus dem Zusammenhang gerissen werden und man sagt: So ist es. Die Bibel ist für mich eine Richtschnur, aber keine, um jemand anderes damit zu strangulieren.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.