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Kanti-Frauenfeld-Prorektor Casanova: «Wir müssen uns Fehler leisten können»

Kanti-Prorektor Stefan Casanova spricht im Interview über die derzeit laufende Themenwoche «Irren ist menschlich» an der Frauenfelder Mittelschule und erzählt, wie er Fehler korrigiert - nämlich mit Überstunden.
Mathias Frei
Prorektor Stefan Casanova. (Bild: Nana do Carmo)

Prorektor Stefan Casanova. (Bild: Nana do Carmo)

An der Kanti Frauenfeld findet die Themenwoche unter dem Titel «Irren ist menschlich» am Donnerstag mit dem öffentlichen Herbstfest ihren Abschluss. Nebst einer Ausstellung, Musik und Kulinarik findet eine Podiumsdiskussion über Fehlerkultur statt. Der zuständige Prorektor Stefan Casanova verrät, wieso er keine Böcke schiesst und was die schlimmsten Fehler von Schülern sind.

Herr Casanova, wann haben Sie zuletzt «einen gröberen Bock geschossen»?

Stefan Casanova: Da ich kein Jagdpatent besitze, schiesse ich keine Böcke. Hingegen gibt’s manchmal suboptimale Abläufe. Zum Beispiel die zeitliche Überschneidung während der Planungsphase zweier grösserer Anlässe – Themenwoche und TecDay&Night. Und das Ärgerliche: Ich war mir dessen von Anfang an bewusst. Man könnte also fast von vorsätzlich sprechen.

Wie haben Sie den Fehler korrigiert?

Casanova: Durch Anwendung der alten Regel: «Der Tag hat 24 Stunden – und falls das nicht reicht, bleibt ja noch die Nacht.»

Die diesjährige Kanti-Themenwoche steht unter dem Titel «Irren ist menschlich».

Casanova: Die Themenfindung ist ein Prozess, der sich über mehrere Wochen hinzieht. Man weiss, die nächste Sonderwoche steht an, aber zu welchem Überthema? In Gesprächen unter Lehrpersonen und Diskussionen im Konvent kristallisiert sich dann ein mehrheitsfähiges Thema heraus. Nicht selten hat jemand einfach eine Idee, hat vielleicht etwas darüber gelesen und bringt dies als Vorschlag ein.

Zwar heisst es, aus Fehlern lerne man. Aber darf man sich in der heutigen Leistungskultur überhaupt noch Fehler erlauben?

Casanova: Wir müssen uns Fehler leisten können. Oder wie soll ein junger Mensch zum Meister heranreifen? Jeder Sportler, jede Künstlerin übt tagtäglich, macht Fehler, korrigiert diese und übt wieder, bis der Ablauf meisterlich beherrscht wird. Für unseren Berufsalltag bedeutet dies meines Erachtens, dass bereits Erfahrene dafür mitzusorgen haben, dass Neulinge Fehler machen dürfen, ohne einen Totalschaden zu verursachen oder selber einen zu erleiden und dadurch wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Wie wird an der Kanti Frauenfeld konstruktive Fehlerkultur praktiziert?

Casanova: Schulen sind auf allen Stufen lernende Organisationen, dies gilt sicher auch für die Kanti Frauenfeld. Insofern versuchen wir, aus unseren Fehlern zu lernen, ohne uns permanent gegenseitig Vorwürfe zu machen. Dies setzt den nötigen Goodwill aller voraus, von der Schülerschaft, über den Lehrkörper und Hausdienst bis zur Schulleitung. Ganz wichtig dabei: Dies soll kein Freibrief sein, sich keine Mühe zu geben und vorhersehbare Fehler zu vermeiden.

Auf dem Podium sitzen ein Arbeitspsychologe, ein Kardiologe, ein Eishockeyschiedsrichter und ein Unternehmer. Im einen Fall kann bei einem Fehler ein Mensch sterben, im anderen Fall bekommt ein Eishockeyaner keine Strafe.

Casanova: Zentral ist die Frage, ob ein Fehler vermeidbar gewesen wäre, ob die betroffene Person das Fehlerrisiko leichtfertig eingegangen ist, quasi grob fahrlässig handelte. Dies gilt sowohl für den Schiedsrichter als auch für den Arzt. Selbstverständlich haben nicht alle Fehler die gleiche Tragweite. Dies gilt es natürlich zu berücksichtigen.

Welche Art von Schüler-Fehlern sind für einen Lehrer eigentlich die schlimmsten?

Casanova: Meinen Schülern rate ich, nicht den Fehler zu begehen, meine Hinweise zum Unterrichtsstoff nicht ernst zu nehmen. Wäre ein blöder und vor allem leicht vermeidbarer Fehler.

Kanti-Herbstfest, Do 27. 9.: ab 17 Uhr Ausstellung, ab 18 Uhr Musik (Räto Harder Quartett) und Essen, ab 19 Uhr Podium in der Aula im Kanti-Neubau.
www.kanti-frauenfeld.ch

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