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«Wir können gar nicht vernünftig sein»: Hirnforscher referiert bei TKB-Anlegern

Menschen denken meist irrational, auch wenn es um Geldfragen geht. Das führt ein Hirnforscher an den Anlegerforen der Thurgauer Kantonalbank aus.
Martin Sinzig
«Wir können gar nicht vernünftig sein», sagte Hirnforscher Lutz Jäncke vor Anlegern. (Bild: PD)

«Wir können gar nicht vernünftig sein», sagte Hirnforscher Lutz Jäncke vor Anlegern. (Bild: PD)

Wie funktioniert das menschliche Gehirn, ein komplexes System von Milliarden vernetzter Nervenzellen? Und wie beeinflusst es unsere Entscheidungen im Alltag? Mit diesen Fragen setzt sich Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich, in seinen wissenschaftlichen Forschungen auseinander.

«Wir können gar nicht vernünftig sein», lautet seine überraschende Erkenntnis, die er im Rahmen der diesjährigen Anlegerforen der Thurgauer Kantonalbank (TKB) präsentiert hat. Die Auffassung, wir würden täglich logische Entscheidungen treffen, sei ein Mythos, unterstrich der Hirnforscher vor über 1400 Gästen an fünf Abenden, welche die TKB in Amriswil, Frauenfeld, Kreuzlingen, Sirnach und Weinfelden veranstaltete.

Gehirn ist nicht für absolute Wahrheiten geeignet

Anschaulich und witzreich führte Jäncke vor Augen, wie das menschliche Hirn wirklich funktioniert. Das Organ, das nur zwei Prozent des Körpervolumens ausmache, verbrauche etwa 20 Prozent des gesamten Energiehaushalts, «und zwar auch dann, wenn Sie glauben, nichts zu tun». Zudem würden 95 Prozent dieser Hirnaktivitäten und damit der Löwenanteil für das Unbewusste eingesetzt.

Ständig berechne und interpretiere das Gehirn die Welt, strebe nach Stabilität und räume Dissonanzen aus dem Weg. Das menschliche Gehirn sei in diesem Sinne nicht für absolute Wahrheiten geeicht, erklärte Jäncke. Zahlreiche Versuche hätten dies bestätigt, auch was den Umgang mit Geld betreffe.

Der Mensch setze konkrete Beträge immer in Relation. So habe ein Geldgewinn von 1000 Franken grössere Glücksgefühle ausgelöst als ein Gewinn von 500 Franken, auch wenn die Probanden ausdrücklich darauf hingewiesen worden waren, dass sie damit dieselben Produkte zum halben Preis hätten erwerben können, die Kaufkraft also identisch war.

TKB will helfen, zu entemotionalisieren

Bei aller Irrationalität, die der Mensch auch in finanziellen Angelegenheiten an den Tag lege, wisse er doch Vertrauen und Bindungen zu schätzen, betonte Jäncke. Der Mensch investiere viel in verlässliche Beziehungen. Dieses Vertrauen funktioniere aber nur mit echten Menschen, und für jeden sei klar, dass er sein Geld nicht irgendeinem windigen Typen anvertrauen möchte.

Mit Unsicherheit umzugehen, sei für viele Anleger eine grosse Herausforderung, beobachtete Karel Ehmann, der als Leiter des Investment Center massgeblich die Anlagepolitik der TKB mitbestimmt. Vielfach werde das Angst- und nicht das Lustzentrum aktiviert, tappten Kundinnen und Kunden in unbewusste Entscheidungsfallen. Der Kapitalmarktprofi bot an:

«Wir können Ihnen helfen, Ihre Entscheide zu entemotionalisieren oder zu entschleunigen.»

Gleichzeitig legte er Anlegern ans Herz, die einzigartigen Anlagechancen der Aktienmärkte zu nutzen. Dazu brauche es Zeit, Geduld und gute Nerven. Das wichtigste aber sei, langfristig unterwegs zu sein.

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