«Wir haben sogar das bessere Konzept als die in Bern»: In Frauenfeld kommt dank Chilbikönig Hanspeter Maier ein bisschen Praterstimmung auf

Ab Freitag betreibt Hanspeter Maier auf dem Oberen Mätteli in Frauenfeld unter anderem sein Riesenrad. Die Stadt hilft bei der Attraktion mit.

Samuel Koch
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Noch dreht es sich nicht: Chilbikönig Hanspeter Maier vor seinem grössten Riesenrad.

Noch dreht es sich nicht: Chilbikönig Hanspeter Maier vor seinem grössten Riesenrad.

Bild: Andrea Stalder

Frauenfeld hat sein Riesenrad zurück. Etwas mehr als ein Jahr nach dem Mitsommerfest erlaubt das Riesenrad von Chilbikönig Hanspeter «HP» Maier neue Höhenflüge mit Aussicht über die ganze Stadt. Damals noch hinter dem Regierungsgebäude steht die überdimensionale Attraktion seit diesen Tagen unübersehbar auf dem Oberen Mätteli. «Das ist doch einfach nur geil», sagt Schausteller Maier, der das Riesenrad seit Dienstagmorgen mit acht Mitarbeitenden aufstellt.

Die Arbeit ist zäh, vor allem während der derzeitigen Hitze. Das hält Maier aber nicht davon ab, während des Aufbaus eine Zigarre zu paffen. Zuletzt stand sein Riesenrad mit dem Namen «Around the world» – notabene sein grösstes in der Sammlung – in Thun.

Hanspeter «HP» Maier, Schausteller aus Frauenfeld, sitzt in einer seiner Gondeln.

Hanspeter «HP» Maier, Schausteller aus Frauenfeld, sitzt in einer seiner Gondeln.

Bild: Andrea Stalder

Das Riesenrad wiegt 120 Tonnen, ist 34,5 Meter hoch und koste neu gut 2,5 Millionen Franken. «Wir haben es im vergangenen Winter komplett restauriert», sagt Maier. 27 Gondeln hängen an der Stahlkonstruktion, die sich nach der Eröffnung diesen Freitag um 14 Uhr bis 6. September täglich zwischen 11 und 22 Uhr dreht. «Wir fahren auch bei schlechtem Wetter», sagt Maier.

Abstandsregeln für Gäste, Schutzmasken für Betreiber

Obwohl die zweite Coronawelle bisher nicht über die Schweiz geschwappt ist, stehen Schutzmassnahmen auch bei HP Maier im Fokus. Er sagt:

«Wir haben sogar das bessere Konzept als die in Bern.»

Wo normalerweise sechs Personen in die Gondeln passen, sitzen jetzt nur noch vier drin. Beim Anstehen gelten die üblichen Abstandsregeln. Maiers Mitarbeitende tragen Schutzmasken und putzen die Gondeln möglichst nach jedem Ausstieg. Zudem stehen sowohl beim Ein- als auch beim Ausstieg zwei Spender, wo sich die Gäste ihre Hände desinfizieren können.

Auf dem Oberen Mätteli in Frauenfeld entsteht ein bisschen Wiener Flair.

Auf dem Oberen Mätteli in Frauenfeld entsteht ein bisschen Wiener Flair.

Bild: Andrea Stalder

Neben dem Riesenrad stellt HP Maier ein kleines Babyflieger-Karussell, einen Ballonstand und eine kleine Festwirtschaft auf. Zudem bieten Marktfahrer Süsses wie Zuckerwatte oder Magenbrot feil. Das Wort Chibli will Maier nicht in den Mund nehmen.

«Wir betreiben keine Chibli, punkt.»

Nicht geklappt hat indes das Angebot für Kutschenfahrten mit noch mehr Wiener Flair. Die Fahrten mit den Fiakern hätten definitiv Praterstimmung nach Frauenfeld gebracht. Zudem sagte ein weiterer Gastronom die Zusammenarbeit mit Maier ab.

Stadt stellt öffentlichen Raum gebührenfrei zur Verfügung

Mit an Bord ist dafür die Stadt, bei der Maier im Sommer ein Gesuch für die jetzigen Pläne eingereicht hat. Laut städtischem Dreiphasenplan nach den Coronalockerungen stellt die Stadt Gewerbetreibenden und Interessierten den öffentlichen Raum gebührenfrei zur Verfügung. «Die Stadt hat sich sehr grosszügig gezeigt», sagt HP Maier, der sich als stolzer Frauenfelder zeigt. Er bezahlt Strom und Wasser, verdient aber wegen Corona noch nicht so gut wie zuvor. «Über Geld rede ich nicht.»

Er lässt aber durchblicken, dass er schon hofft, viele Leute anzulocken und damit Umsatz zu machen. Der Platz sei jedenfalls perfekt, meint Maier und ergänzt: «Die Leute müssen dich eben sehen, wenn du erfolgreich sein willst.»

MFG: Diverse Aktivitäten

Die Stadt, die Interessensgemeinschaft Frauenfelder Innenstadt (IG Fit) und die Regio Frauenfeld haben Ende Juni das aufgegleiste Projekt «Miteinander Frauenfeld gestalten» vorgestellt. Mit einzelnen Aktivitäten, wie der Gartenwirtschaft in der Kirchgasse, dem Crêpe- und dem Glacéstand im Lindenpark respektive am Schlossberg, dem umgebauten Linienbus des Vereins Fründeskreis oder dem Riesenrad auf dem Oberen Mätteli, wollen sie das Leben in der Innenstadt als Lebens-, Wirtschafts- und Wohnraum für die ganze Region mit über 50'000 Einwohnern beleben. Für die Umsetzung hat der Frauenfelder Gemeinderat im vergangenen Sommer Ja gesagt zu einem Kredit über 470'000 Franken für die Attraktivierung der Innenstadt für vier Jahre bis 2023. Kanton und IG Fit steuern weitere 300'000 Franken bei. (sko)