«Wir haben schlaflose Nächte»: Thurgauer Familie steht bald ohne Wohnung da

Eine Familie aus Steckborn verliert per Ende Jahr ihr Heim. Nun braucht sie dringend eine neue Unterkunft – die Suche gestaltet sich allerdings schwierig.

Daniel Walt
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Machen schwierige Tage und Wochen durch: John und Veronika Dierauer, im Bild mit Hund Sumo. (Bild: Reto Martin)

Machen schwierige Tage und Wochen durch: John und Veronika Dierauer, im Bild mit Hund Sumo. (Bild: Reto Martin)

«Veronika und John Dierauer sind nicht Maria und Josef, teilen aber ihr bitteres Los: kein Wohnraum für sich und die beiden Kinder.» Mit diesen Worten beginnt ein Facebook-Posting, das derzeit die Runde macht. Es thematisiert die verzweifelte Suche einer Familie aus Steckborn nach einer neuen Bleibe.

Lösung zerschlug sich im letzten Moment

Vor elf Jahren zogen John Dierauer und seine Familie in ein Haus in Steckborn. Er arbeitet als Grafiker und Illustrator, sie ist Bildhauerin. Er stellt fest:

«Die Liegenschaft, die früher als Kinderkrippe genutzt wurde, deckt unsere Bedürfnisse bestens ab.»

Im Herbst 2017 dann der Paukenschlag: Die Vermieterin kündigte Familie Dierauer an, dass das Mietverhältnis in rund einem Jahr beendet werde. Es habe damals geheissen, das Haus werde verkauft und abgerissen, erinnert sich John Dierauer.

Sofort machten er und seine Frau sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe. Und schon bald zeichnete sich eine Lösung ab: Die Familie fand eine passende Liegenschaft und wollte diese kaufen.

Im vergangenen Oktober nun scheiterte das Geschäft aber im letzten Moment. Hintergrund: Eine Person aus der Verkäuferschaft ist dement und hätte per Vormundschaft zur Unterschrift gezwungen werden sollen, wie John Dierauer erklärt. «Das wollte aber keiner der Beteiligten – auch wir nicht.» In der Folge hatte die Familie ein Provisorium in Aussicht. «Auch diese Lösung zerschlug sich, aber ohne unsere Schuld», sagt der 51-Jährige.

«Schwierig zu finden»

Mit Blick darauf, dass die Familie ihr Heim per Ende Jahr nun definitiv verlassen muss, sagt John Dierauer:

«Wir stehen mit abgesägten Hosen da und haben schlaflose Nächte.»

Er und seine Frau befürchten nicht einmal so sehr, dann mit den beiden 14- und 19-jährigen Töchtern wortwörtlich auf der Strasse zu stehen. «Wir haben viele Freunde und Bekannte, und in der Schweiz hilft man sich in Notlagen», hält er fest. Angst hat die Familie vor allem davor, innert nützlicher Frist keine passende und auch finanziell tragbare definitive Bleibe zu finden.

«Jene Art Liegenschaft, die wir brauchen, ist nämlich schwierig zu finden. Als Bildhauerin muss meine Frau beispielsweise 30 Tonnen Stein unterbringen können. Und auch ich bringe mit meinem grafischen Atelier viel Ware mit», sagt der Familienvater.

Hoffnung auf Hilfe

Sie seien offen für alles und glaubten fest daran, dass sie innert nützlicher Frist doch noch etwas Passendes finden würden, hält der Steckborner fest.

Im Jahr 2017 hatte er Schlagzeilen gemacht, weil er Besucher des Oktoberfestes Steckborn gratis nach Hause chauffierte. Hintergrund: Ein Jahr zuvor war es nach dem Oktoberfest zu einem Autounfall mit tödlichen Folgen gekommen. Ein betrunkener Autofahrer war in mehrere Bäume gekracht, der Beifahrer verlor dabei sein Leben. Dierauer sagt:

«Soziales Engagement ist mir sehr wichtig.»

Jetzt hofft er, dass auch andere ihm und seiner Familie helfen.