«Wir finden Fehler spannend»: Wie zwei Brüder aus Leimbach aus Thurgauer Holz Möbel für die Ewigkeit erschaffen

Samuel und Jonathan Gadient produzieren in ihrem eigenen Geschäft in Leimbach Möbel ganz ohne Metall. Damit sie möglichst lange halten, haben sie ein Konzept entwickelt, wie die Möbel möglichst einfach zusammen- und auch wieder auseinander gebaut werden können. Ähnlich wie Ikea-Möbel. Die SRF-Sendung Kassensturz hat die Gebrüder Gadient deshalb porträtiert und sie als Pendant des schwedischen Möbelhauses vorgestellt.

Sabrina Bächi
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Samuel und Jonathan Gadient bauen in ihrer Werkstatt in Leimbach Möbel ganz ohne Metall.

Samuel und Jonathan Gadient bauen in ihrer Werkstatt in Leimbach Möbel ganz ohne Metall.

Bild: Andrea Stalder (Leimbach, 11. August, 2020)

Was der «Kassensturz» ist, wussten Samuel und Jonathan Gadient eigentlich nicht so genau. Einen Fernseher haben sie keinen. Die Sendung gesehen – Fehlanzeige. Und doch brachte die SRF-Sendung einen mehrminütigen Beitrag über die Brüder aus dem thurgauischen Leimbach. Als Pendant zu Möbelriesen wie Ikea wurden sie ins Feld geführt.

Der Grund: Die Gebrüder Gadient haben sich auf metallfreie Holzmöbel aus heimischen Hölzern spezialisiert, die so einfach zusammenzubauen sind wie Ikea-Möbel.

Die Massivholzmöbel sind einfach zum Zusammenbauen.

Die Massivholzmöbel sind einfach zum Zusammenbauen.

Bild: Andrea Stalder

Ein Kundenauftrag machte den Anfang

Dass dies so kam, war aber eher zufällig. Denn die Brüder sind Tüftler, Handwerker, Erfinder. «Ein Kundenauftrag kam rein, ein Bett ohne Metall zu bauen», sagt Jonathan Gadient. Sie sahen es als Herausforderung. Ursprünglich haben sich Samuel, der gelernte Holzbauingenieur und Jonathan, der Möbelschreiner zusammengetan, weil sie unzufrieden waren im Beruf.

Vor allem Samuel als älterer Bruder hat Jonathan angestiftet, mit ihm zusammen die Firma zu gründen. «Ich habe mich gefragt, was mich glücklich macht, was ich im Leben erreichen will», erzählt der 36-Jährige.

Einblick in die Werkstatt der Gebrüder Gadient.

Einblick in die Werkstatt der Gebrüder Gadient.

Bild: Andrea Stalder

Die Langlebigkeit und Einzigartigkeit von Massivholzmöbeln waren wichtige Gründe, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Zunächst konzentrierten sie sich vor allem auch auf die Restauration von antiken Möbeln. Jonathan Gadient sagt:

«Daraus ist dann auch der Gedanke entstanden, Möbel zu fertigen, die man lange behält und eben auch zügeln und an die nächste Generation weitergeben kann.»

Antike Möbel bringen Inspiration

Inspiration für metallfreie Möbel bieten den Brüdern immer wieder antike Möbel «Früher wurde oft ohne Metall gearbeitet», sagt Samuel Gadient. Der Nachhaltigkeitsgedanke führte die Brüder dazu, ausschliesslich einheimisches Holz zu verarbeiten. «Jedes Holz hat andere Eigenschaften. Es ist langlebig und wir versuchen, Holz zu verarbeiten, dass oft in unseren Wäldern vorkommt», sagt Jonathan.

Ideal zum Zügeln: Möbel zum Zusammenstecken.

Ideal zum Zügeln: Möbel zum Zusammenstecken.

Bild: Andrea Stalder

Für die metallfreien Möbel eigne sich Buche sehr gut. Dabei verwandeln die Brüder auch angebliche Fehler in Design-Unikate. «Holz mit Braunkern, also mit Verfärbungen, wird oft als minderwertig angesehen. Wir finden Fehler im Holz aber sehr spannend und machen gerade daraus etwas Einzigartiges», sagt Samuel Gadient.

Eine Woche brauchen die beiden, um ein Bett herzustellen. Am Ende sind die Holzteile so gefertigt, dass kleine Nummern zeigen, welche Teile zusammengehören und zusammengesteckt werden können. Der Kunde soll verstehen, wie das Bett zusammengebaut ist, es soll simpel sein und beliebig oft auseinander- und wieder zusammengebaut werden können. Als Anleitung dienen dazu Videos auf ihrer Website.

Die Möbel entstehen in Handarbeit. Für ein Bett brauen sie eine Woche.

Die Möbel entstehen in Handarbeit. Für ein Bett brauen sie eine Woche.

Bild: Andrea Stalder

Weil sich das Holz verändert oder verzieht, haben sie einige Kniffs eingebaut, die dazu beitragen, die Möbel ein Leben lang zu behalten, egal ob man von den Bergen ans Meer zieht oder im Thurgau wohnhaft bleibt.

Wäschezaine ist Verkaufsschlager

Doch die beiden Brüder bauen nicht nur Betten. Jonathan Gadient erzählt:

«Wir haben unserer Mutter zu Weihnachten eine Wäschezaine aus Holz gebaut. Das ist jetzt unser heimlicher Verkaufsschlager.»

Ihr jüngstes Projekt: ein Dreirad für Kinder. Die Ideen für ihre Möbel finden sie im Alltag oder im Gespräch mit Familien und Freunden, erzählen die beiden. Jonathan ist mit 27 Jahren das jüngste der fünf Geschwister, Samuel das älteste. Krach haben sie aber nie. «Wir sind uns in den Grundzügen schon sehr ähnlich», sagt Jonathan, Samuel nickt zustimmend.

Was sie verbindet, ist die grosse Leidenschaft für den Rohstoff Holz. Und die Fähigkeit, aus Fehlern Design zu machen und aus Holzlatten ein Bett für die Ewigkeit.

Das Holzlager der Gebrüder Gadient.

Das Holzlager der Gebrüder Gadient.

Bild: Andrea Stalder
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