«Wir erachten die Rennen als zumutbar, Alternativen gibt es keine»: Motocrosstradition in Frauenfeld soll noch Jahre weiterleben

Der Motor- und Radsportverein Frauenfeld will weiterhin Rennen im Schollenholz durchführen. Fehlt die Bewilligung, steht eine Tradition vor dem Aus. Jetzt will er mit seiner Baubewilligung unfallfrei über die Ziellinie gelangen. Bereits am 11. Oktober finden in Frauenfeld Motocrossrennen statt, die in Payerne abgesagt worden sind.

Samuel Koch
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Fahrer rangeln kurz nach dem Start bei einem Ostermotocross im Schollenholz um die vordersten Plätze.

Fahrer rangeln kurz nach dem Start bei einem Ostermotocross im Schollenholz um die vordersten Plätze.

Bild: Andrea Stalder, 17. April 2017

Der Motocross-Sport in Frauenfeld polarisiert und schafft Gegensätze. Für die Liebhaber der spektakulären Sportart vor allem dank der seit knapp 60 Jahren stattfindenden Schweizer Meisterschaftsrennen beim Schützenhaus Schollenholz. Zudem gingen zwischen 2016 und 2018 in Niederwil auf der Anlage Schweizer Zucker gar dreimal hintereinander WM-Rennen vor bis zu 30'000 Zuschauern über die Bühne.

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Der Schweizer Lokalmatador Jeremy Seewer (links) im Fahrerlager im Gespräch.
Wegen der Trockenheit spritzen Helfer Wasser auf die Rennstrecke.
Am Freitag schon trainierten die Piloten der Patrouille Suisse über dem Motocross-Parcours in Niederwil.
Noch sind die Stühle auf der Haupttribüne leer.
Die letzten Vorbereitungen laufen.
Erste Wohnwagen für MXGP kommen auf dem Gelände der Zuckerfabrik an Bilder aus dem Fahrerlager.
Stijn de Kerpel und sein Sohn Jeremy sind gerade aus Belgien im Fahrerlager in Frauenfeld angekommen.

Gleichzeitig aber lösen Motocross­-Rennen bei Gegnern und Anwohnern grosses Unbehagen aus, primär wegen dröhnenden Motorengeräuschs, weshalb die MXGP-Rennen im Mai 2019 definitiv ihren Todesstoss erhalten haben.

Diese zwiespältige Ausgangslage des Motocross-Sports ist sich der Motor- und Radsportverein (MRSV) Frauenfeld bewusst. «Wir machen aber nichts Neues», sagt MRSV-Präsident Stefan Vontobel, der für die FDP im Gemeinderat politisiert.

Stefan Vontobel, Präsident MRSV Frauenfeld.

Stefan Vontobel, Präsident MRSV Frauenfeld.

Bild: PD

Bis Mitte dieser Woche ist beim Amt für Hochbau und Stadtplanung ein ordentliches Baugesuch öffentlich aufgelegen, womit der Motocross-Parcours im Schollenholz mit seinem jährlichen Ostermotocross für die nächsten Jahre politisch legitimiert werden soll.

Positive Signale von Behörden und Besitzern

Ebenso ist das Baugesuch im Amtsblatt erschienen, weil das Gelände im Miteigentum von Stadtschützenverein und Armasuisse ausserhalb der Bauzone liegt. Vontobel sagt:

«Es handelt sich bei den Rennen um einen Traditionsanlass, dem die Behörden und Landbesitzer seit Jahrzehnten und auch für die Zukunft positiv gegenüberstehen.»

Deshalb zeigt er sich optimistisch, dass die derzeit noch befristete Bewilligung von den Behörden bis 2021 auch über dieses Jahr hinaus erneuert wird. Quasi die Vertragsverlängerung um mindestens zehn weitere Jahre soll also bald unfallfrei ins Ziel kommen.

Finanzielle Hürde wäre wohl das Aus

Der Hauptzweck für die Bewilligung ist nebst dem grünen Licht des Kantons für die jährliche Organisation, dass die Hindernisse auf dem Gelände permanent stehen gelassen werden können. Das passiert heute schon bei einem Teil der Sprünge, über welche die Schützen schiessen. «Bei einem jährlichen Rückbau dieser Aufschüttungen würden substanzielle Ausgaben anfallen», sagt Stefan Vontobel.

In den Ruin treiben würden diese Ausgaben den MRSV Frauenfeld nicht, die notwendigen Gelder zumindest für den ersten Rückbau der Aufschüttungen habe er zurückgestellt. Fehlt aber die langfristige Bewilligung, stünden die Rennen vor dem Aus. «Alternativen gibt es keine, auch keine anderen Standorte», sagt Vontobel. Das hat die erfolglose Suche für eine Zukunft der MXGP-Rennen um CEO Willy Läderach in den vergangenen Monaten schonungslos aufgezeigt. Vontobel sagt:

«Der Standort im Schollenholz hat sich sehr bewährt und ist weit über die Landesgrenzen bekannt.»

Alle Beteiligten stellten ein eingespieltes Team, was ideal sei – gerade in unsicheren Zeiten wie jetzt. Mit dem eingereichten Betriebskonzept steht fest, dass jedes Jahr nur ein Rennwochenende durgeführt wird. «Wir erachten dieses Vorhaben als zumutbar», sagt Vontobel. Unabhängig vom Entscheid der Behörden wird die Stadt den Schutzwall des Kugelfangs der 300-Meter-Schiessanlage in den nächsten Jahren sanieren müssen. «Inwiefern uns das betrifft, darüber werden wir uns noch unterhalten», sagt er.

Sanierung des Kugelfangs nach den Renntagen

Beim Amt für Hochbau und Stadtplanung geht man davon aus, dass die Kugelfänge dann saniert werden könnten, wenn gerade keine Rennen stattfinden. Zudem stünde einer Bewilligung nichts mehr im Weg.

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Christof Helbling, Stadtbaumeister Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Jedenfalls sind während der öffentlichen Bauauflage keine Einsprachen eingegangen. Stadtbaumeister Christof Helbling sagt:

«Wir gehen davon aus, dass der Stadtrat die Bewilligung in den nächsten Wochen erteilt.»

Das grüne Licht bildet die Basis für die jährlichen Veranstaltungsbewilligungen, womit eine Tradition weiterleben wird.

Frauenfeld springt für Payerne ein

Das Gelände im Schollenholz kommt heuer nach der pandemiebedingten Absage des Ostermotocross im April doch noch in den Genuss von Motocrossrennen. Wie die Föderation der Motorradfahrer der Schweiz (FMS) mitteilt, springt der Motor- und Radsportverein (MRSV) Frauenfeld mit seinem Standort am Sonntag, 11. Oktober, für den abgesagten Renntag in Payerne (FR) ein. Das Covid-19-Reglement samt Zeitplan und Startliste werden von dort übernommen. «Es gibt ein ‹Motocross light›», sagt MRSV-Präsident Stefan Vontobel. Für die Rennen ab 9 Uhr diverser Kategorien liegt eine Planung mit und ohne Zuschauer vor. «Wie genau wir die Rennen durchführen, sprechen wir mit den Behörden ab, je nachdem, welche Massnahmen dann gelten», sagt er. (sko)