«Wir dachten, das Grundstück gehört der Gemeinde»: Schlatter Stimmbürger müssen an der Urne die Auflösung des Abwasserzweckverbands bewilligen

Die Gemeinde Schlatt ruft ihre Stimmbürger am 21. Juni an die Urne. Es geht unter anderem um die Auflösung des Abwasserzweckverbands. Dieser Schritt wird nötig, damit die Gemeinde die ehemalige Kläranlage Paradies umbauen kann.

Rahel Haag
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Die Gemeinde Schlatt will die ehemalige Kläranlage Paradies umbauen.

Die Gemeinde Schlatt will die ehemalige Kläranlage Paradies umbauen.

Bild: Thomas Güntert

Seit gut vier Jahren wird die ehemalige Kläranlage Paradies in Schlatt nur noch als Pumpwerk genutzt. Das Gebäude dient dem Gemeindearbeiter als Büro und Werkstatt. So entstand die Idee, auf dem Grundstück eine Remise zu erstellen. «Wir dachten, das Grundstück gehört der Gemeinde», sagt Gemeindepräsidentin Marianna Frei. Dem ist aber nicht so.

1979 gründeten die damaligen Ortsgemeinden Mett-Oberschlatt und Unterschlatt den Abwasserzweckverband Schlatt TG, um besagte Kläranlage bauen zu können. Dieser ist nicht nur Besitzer der Anlage, sondern auch des Grundstücks. 20 Jahre später schlossen sich die beiden Ortsgemeinden zusammen, die Politische Gemeinde Schlatt war geboren.

Der Abwasserzweckverband ist seither überflüssig, wurde aber nie offiziell aufgelöst. Nötig ist hierfür das Ja der Stimmbürger. Frei sagt:

«Als wir uns mit der Idee eines Umbaus der Kläranlage beschäftigten, haben wir das Versäumnis bemerkt.»
Marianna Frei, Gemeindepräsidentin

Marianna Frei, Gemeindepräsidentin

Bild: Rahel Haag

Nun wollten sie die Sache bereinigen. Wegen Corona kommt das Geschäft am 21. Juni an die Urne.

«Die Geschichte sorgte an der Berchtoldsgemeinde für Schmunzeln», sagt Frei. Damals bewilligten die Stimmberechtigten bereits einen Kredit über 220'000 Franken für den geplanten Umbau. Die Auflösung des Abwasserzweckverbands sei daher reine Formsache.

250'000 Franken für Wasseruhren

Des Weiteren beantragt der Gemeinderat die Genehmigung eines Kredits über 250'000 Franken. Das Geld soll in den flächendeckenden Einbau von Wasseruhren investiert werden. «Bisher wurden die wiederkehrenden Gebühren für Wasser und Abwasser pauschal berechnet», sagt Frei. Massgebend sei die Anzahl Personen gewesen, die in einem Haushalt lebt.

«Das ist nicht mehr zeitgemäss.»

Neu sollen die Gebühren deshalb verbrauchsgerecht verrechnet werden. Voraussetzung hierfür ist, dass jeder Haushalt über eine eigene Wasseruhr verfügt. Bis heute sind bereits 165 Liegenschaften ausgestattet. Rund 470 Wasseruhren müssen dagegen noch installiert werden. Dies soll in drei Etappen bis Ende 2021 erfolgen.

Auch dieses Geschäft sei bereits im Januar intensiv diskutiert worden. Damals haben die Stimmbürger das neue Beitrags- und Gebührenreglement der Werke und des Bauamts mit grosser Mehrheit angenommen. In diesem Zusammenhang habe die Gemeinde darauf aufmerksam gemacht, dass die Beschaffung und Installation von Wasseruhren anschliessend zwingend sei. Frei sagt:

«Wäre vorab nie über die beiden Geschäfte diskutiert worden, hätten wir nun keine Urnenabstimmung durchführen können.»