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Interview

"Wir bilden keine Informatiker aus"

Seit zwei Jahren stattet die Aadorfer Schule alle ihre Sekundarschüler mit einem iPad aus. Schulleiter Peter Meier zieht eine erste Bilanz und erklärt, wie die Geräte im Unterricht zum Einsatz kommen.
Kurt Lichtensteiger
Peter Meier ist in Aadorf Schulleiter und in Eschlikon Gemeinderat mit dem Ressort "Kultur, Sport, Freizeit". (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Peter Meier ist in Aadorf Schulleiter und in Eschlikon Gemeinderat mit dem Ressort "Kultur, Sport, Freizeit". (Bild: Kurt Lichtensteiger)

Herr Meier, wie wichtig sind heute noch die Kompetenzen in Rechnen, Schreiben und Lesen?

Peter Meier: Die werden immer zentral und wichtig bleiben.

Welche Möglichkeiten gibt es mit dem Einbezug von digitalen Geräten im Unterricht?

Die Schüler haben stets ein Nachschlaggerät zu Hand. Arbeitsblätter kommen digital zu den Schülern und können bearbeitet und abgespeichert werden. Bilder zu einem Thema sind dank Suchmaschinen sofort zu Hand beziehungsweise auf dem iPad. Mündliche Texte können ohne Aufwand aufgenommen und beliebig abgespielt werden. Der Unterricht wird durch den Einbezug von digitalen Geräten bereichert.

Wird das Schreiben von Aufsätzen noch gepflegt? Auch ohne Hilfe eines Rechtschreibeprogramms?

Sich mündlich und schriftlich richtig ausdrücken, hat an Bedeutung zugenommen. Aufsatzschreiben gibt es immer noch, der Begriff hat sich geändert zum Schreibanlass. Das Rechtschreibeprogramm ist auch für uns Erwachsene ein Segen. Doch das hindert die Schule überhaupt nicht darin, die Rechtschreibung zu üben und einzufordern. Früher schlug man ein Wort im Duden nach. Heute wird es im Textprogramm rot unterstrichen.

Müssen Grundlagenfächer wie Mathematik und Deutsch dem neuen Fach weichen?

Nein, denn die Gesamtstundenzahl der Wochenlektion wurde auf der Sek erhöht. Es findet kein "Ausspielen" Medien und Informatik gegen Mathematik und Deutsch statt. Die Anwendung von Medien und Informatik durchdringt die Fächer. Es wird ein sogenannter integrativer Unterricht mit Medien und Informatik angestrebt.

Jedes Kind muss in der Lage sein, einer Maschine Befehle zu erteilen.

Ist es so wichtig, dass Schüler das Programmieren lernen?

Für das Verständnis des Digitalen ist es wichtig, dass man weiss, wie ein Computer funktioniert. Mit dem Programmieren kann die Welt von Null und Eins begreifbar gemacht werden. Die Volksschule bildet jedoch keine Informatiker und Programmierer aus. Jedes Kind muss in der Lage sein, einer Maschine Befehle zu erteilen. Sonst geschieht es dann umgekehrt. Die Schüler sollen zu kreativen Produzenten, statt zu passiven Konsumenten hingeführt werden.

Was für Lernprogramme kommen zum Einsatz?

Sehr unterschiedliche Apps. Die Anwendungen und Möglichkeiten sind nach oben offen. Es ist hilfreich, wenn die Lehrperson eine Auswahl trifft und diese passend zum Thema einsetzt. Es gibt übrigens auch Spiele, welche zum Lernen geeignet sind.

Werden Lehrer bei solcher Technik nicht überflüssig?

Überhaupt nicht. Die Beziehung zwischen Schüler und Lehrer ist und bleibt zentral und bildet die Basis für ein erfolgreiches Lehren und Lernen. Mit der Digitalisierung sind die Sozialkompetenzen gefragter denn je. Die Rolle des Lehrers ist vielseitiger und anspruchsvoller geworden.

Ihr Kind ist 14 Jahre alt. Würden Sie Regeln vereinbaren, wie oft es digitale Medien nutzen darf?

Dies ist sehr zu empfehlen. Kinder springen regelrecht auf Digitales an. Ein hilfreicher Grundsatz ist, gleich viele Freizeit mit analogen Dingen verbringen wie mit digitalen. Oder die "3-6-9-12-Faustregel" lautet: kein Bildschirm unter 3 Jahren, keine eigene Spielkonsole vor 6, kein Internet vor 9 und kein unbeaufsichtigtes Internet vor 12.

Es wäre nicht zeitgemäss, wenn in der Primarschule keine Computer stehen würden.

Soll man bereits in der Primarschule Computer einführen?

Gegenfrage, warum nicht? Das Digitale beeinflusst uns permanent. Es findet heute keine Einführung mehr statt, sondern ein Hinführen und gezielter Einsatz der Geräte und deren Möglichkeiten. Die Kinder wachsen mit den Technologien auf und nutzen sie schon sehr früh. Wenn Kinder in den Kindergarten kommen, haben sie schon etliche digitale Spiele und Apps benutzt und können Fotos hin- und her wischen. Es wäre komisch und nicht zeitgemäss, wenn in der Primarschule keine Computer stehen würden. Wichtig ist, dass die Schüler Erfahrungen in der Natur sammeln und die Umwelt begreifen können.

Wäre es sinnvoll, wenn jeder Schüler mit individuellen Programmen lernen könnte?

Heute gibt es unzählige Möglichkeiten, persönliches Lernprogramm anzuwenden. Dies soll fürs Lernen genutzt werden. Es gibt Schüler, die schreiben die Fremdwörter lieber auf Kärtchen und andere nutzen dazu eine App. Letztlich müssen die Schüler die Wörter rasch und richtig anwenden können.

Wie würde benotet, wenn der Unterricht völlig individualisiert ist?

Das ist eine Herausforderung, welche auch der neue Lehrplan mit sich bringt. Nicht nur das Produkt oder Endergebnis wird bewertet, sondern auch der Prozess. Dies wir in vielen Fächern angestrebt, nicht nur in Medien und Informatik. Die Bewertung findet nach wie vor statt. Es kann jedoch sein, dass durch den differenzierten Lernstand nicht mehr alle Schüler zur gleichen Zeit die Prüfung schreiben.

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