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Die Gegner eines Windparks auf dem Seerücken rüsten auf

«Pro Salen-Reutenen» wehrt sich gegen das Ansinnen, auf dem Seerücken Windkraftwerke zu errichten. Der jüngst gegründete Verein aus der Gemeinde Homburg verteilte diese Woche Tausende Flugblätter in der Region.
Margrith Pfister-Kübler
Urs Ruch vom Verein Pro Salen-Reutenen zeigt das Flugblatt, mit dem sie auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Bild: Margrith Pfister-Kübler

Urs Ruch vom Verein Pro Salen-Reutenen zeigt das Flugblatt, mit dem sie auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Bild: Margrith Pfister-Kübler

Jetzt nimmt der Kampf gegen die geplanten Windkraft-Anlagen auf dem Seerücken Fahrt auf. «Wir haben einen Verein ‹Pro Salen-Reutenen – gegen die geplante Verschandelung unserer Landschaft mit Grosswind-Energieanlagen› gegründet», sagt Urs Ruch, Vorstandsmitglied des neu gegründeten Vereins. Präsidentin an interim ist Landwirtin Margret Meier, und als weiteres Vorstandsmitglied zeichnet Arzt Alex Philipp verantwortlich.

Das offizielle Sprachrohr des Vereins aber ist Urs Ruch, der als Pensionierter seine ganze Energie für die Sache einsetzen kann. In den Parterreräumen seines Wohnhauses, dem alten Schulhaus Salen-Reutenen, wo einst der verstorbene Nationalrat Ernst Mühlemann als Lehrer unterrichtete, belegen die Unterlagen zu dem Thema jedes Plätzchen.

Lärmschutzverordnung von 1986

Schachteln mit Flugblättern, Plakaten mit Visualisierungen aus verschiedenen Blickwinkeln am See, von Stein am Rhein, Insel Reichenau, vom Schienerberg, vom Haidenhaus Salen-Reutenen bis zur Kapelle Reutenen. Konkret geht es in Salen-Reutenen um bis zu acht Grosswindanlagen von je 200 Meter Höhe.

Die Standorte sind mit minimalen Abständen zu bewohnten Häusern (300 Meter) und Weilen (500 Meter) vorgesehen. Die Abstände basieren auf der nationalen Lärmschutzverordnung von 1986. «Damals waren Grosswindanlagen in dieser Grösse noch kein Thema», heisst es im Flugblatt, das der Verein diese Woche zu Tausenden in der Region verteilt hat.

Steht deswegen die Langlaufloipe vor dem Aus?

Weiter wird darauf hingewiesen, dass die Windräder nicht nur Lärm, sondern für die Anwohner auch ärgerlichen Schattenwurf und in der Nacht eine rote «Disco»-Beleuchtung mit sich bringen. Weiter bestehe in der kalten Jahreszeit im Umkreis von 400 Metern Gefahr durch Eiswurf, infolge Eisbildung an den Rotoren.

Um die Menschen zu schützen, werden im Winter die Wanderwege durch diese Gefahrenzonen meist gesperrt sein. «Da ist dann nichts mehr mit unserer beliebten Langlaufloipe. Das Naturparadies und das vielgenutzte Erholungsgebiet in 700 Meter Höhe auf dem Thurgauer Seerücken ist in Gefahr», sagt Urs Ruch. Noch vor zehn Jahren sollte der Seerücken ein Naturpark werden.

«Wir werden uns jetzt lautstark und massiv gegen diese Anlagen wehren», sagt er weiter. Auch hoffe der Verein auf Unterstützung von der deutschen Seite. Ruch weist auf das Übereinkommen von Espoo (Finnland) hin, die Umweltverträglichkeitsprüfung im grenzüberschreienden Rahmen. Da könne jedes einzelne Dorf klagen. Der Verein ruft die Bevölkerung durch die Flugblätter auf, das Windenergie-Vorhaben zu stoppen, und bittet darum, beim Kanton bis Ende Januar Einsprache gegen den derzeit in den Thurgauer Gemeinden öffentlich aufliegenden Richtplan zu machen.

Salensteiner wehren sich auch

Einen Teilerfolg konnte der Verein bereits nach der Verteilung der Flugblätter am Mittwoch erzielen. So habe die Gemeinde Salenstein zur Gründung des Vereins per E-Mail gratuliert. Und Peter Forster, der frühere langjährige Gemeindeammann von Salenstein und einstige Chefredaktor der «Thurgauer Zeitung», hat bereits eine Einsprache beim Amt für Raumentwicklung eingereicht.

«Diese einzigartige Kultur- und Erholungslandschaft muss geschützt und darf nicht zerstört werden», argumentiert Forster in seiner Einsprache. Viele Menschen aus der Region fänden auf den Höhen des Thurgauer Seerückens Erholung. Sie tanken Kraft auf den herrlichen Wegen und im Winter, wenn möglich, auf der prächtigen Loipe. Forster weiter:

«Die Landschaft verdient Schutz, nicht Verschandelung und Zerstörung»

Urs Ruch vom Verein Pro Salen-Reutenen ist guter Dinge, dass in den nächsten Jahren in der Gemeinde Homburg und Umgebung keine Windkraftanlagen gebaut werden. Aber er weiss auch: «Es gibt da auch andere Meinungen.»

Vorerst geht es um den Richtplan

Noch bis zum 24. Januar liegt eine Änderung des kantonalen Richtplans im Rahmen einer öffentlichen Bekanntmachungen in allen Thurgauer Gemeinde auf. Gemäss dem Vorschlag des Thurgauer Regierungsrates sollen im Plan vorerst drei Gebiete als Standorte für Windkraftanlagen festsetzt werden: Salen-Reutenen, Thundorf und Braunau-Wuppenau. Der Richtplan legt behördenverbindlich fest, welche Standorte für Grosswindräder überhaupt in Frage kommen.

Bis es zum Bau solcher Kraftwerke kommt, sind auf Stufe Gemeinde verschiedene weitere Schritte erforderlich: Umzonung der betreffenden Fläche in eine Zone für Windenergie, Gestaltungsplanverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfung (für Anlage mit mehr als fünf Megawatt Leistung) und schliesslich das Baubewilligungsverfahren. (hil)

Jeden Samstag bis zum 24. Januar lädt der Verein zu geführten Exkursionen zu den Standplätzen der geplanten Grosswind-Energieanlagen ein. Treffpunkt: 9 Uhr, Parkplatz, 100 Meter östlich vom «Haidenhaus». www.pro-salen-reutenen.ch.

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