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Gegner des Windparks Seerücken setzen auf die Kraft der Fotomontage

Ein Verband für Landschaftsschutz behauptet, Schloss Eugensberg könnte in Zukunft unverkäuflich werden wegen des «massiven Schattenwurfs» des geplanten Windparks. Dafür ist die Distanz allerdings zu gross.
Die Visualisierung soll belegen, dass ein Windpark auf dem Seerücken von Schloss Eugensberg aus zu sehen wäre. (Bild: PD)

Die Visualisierung soll belegen, dass ein Windpark auf dem Seerücken von Schloss Eugensberg aus zu sehen wäre. (Bild: PD)

Eine Interessenorganisation, die sich gegen Windkraftanlagen einsetzt, sorgt sich um Christian Schmid, den neuen Eigentümer von Schloss Eugensberg. Ob er «von seinem Unglück» wisse, fragt sich Elias Meier, Präsident des «Schweizerischen Verbands für eine vernünftige Energiepolitik und Raumplanung», kurz «Freie Landschaft Schweiz», der im solothurnischen Grenchen domiziliert ist. Anstatt Schmid zu fragen, hat Meier eine Medienmitteilung verschickt. «Was der Käufer vielleicht nicht weiss», heisst es darin, vor Schloss Eugensberg sei «eine Industriezone» geplant, nämlich der Windpark Salen-Reutenen, der den Verkaufswert des Schlosses «massiv mindern» würde.

Fiktiver Windpark mit sieben Turbinen

Der Kanton Thurgau habe Schmid wahrscheinlich nicht mitgeteilt, dass der Kanton unmittelbar südlich des Schlosses, rund 1,5 Kilometer vom Hauptgebäude entfernt, einen grossen Windpark mit sieben Turbinen und einer Gesamthöhe von je 200 Metern plane. Der neue Schlossherr müsse «mit massivem Schattenwurf (Disco-Effekt) und mit Lärm- sowie In­fraschall-Immissionen» rechnen.

Wenn der Kanton in wenigen Monaten den Richtplan ändere, könne der zukünftige Windpark-Betreiber die Umzonung beantragen und das Baugesuch einreichen. Tagsüber könnte sich der neue Besitzer die 120 Meter breiten drehenden Rotoren ansehen. «Nachts stören die roten Blinklichter am Horizont», malt Meier das Unglück des Schlossherrn aus. «Das Schloss könnte unverkäuflich werden.» Bei den Visualisierungen, die der Medienmitteilung angehängt sind, handelt es sich laut Meier um realistische Visualisierungen des Windparks aus Sicht des Schlosses.

Die schöne Aussicht geht gegen Norden

Nun ist nicht davon auszugehen, dass der neue Schlossherr das Schloss gleich wieder verkaufen will. Ausserdem geniesst man von Schloss Eugensberg aus vor allem gegen Norden eine prächtige Aussicht; dort liegt der Untersee mit der Insel Reichenau. Richtig ist, dass der Kanton im Gebiet Salen-Reutenen ein Windenergiegebiet ausscheiden will. Dessen Nordgrenze verläuft ungefähr 1,5 Kilometer südlich von Schloss Eugensberg. In Ost-West-Richtung erstreckt es sich aber über mehr als fünf Kilometer.

Der kantonale Windenergie-Experte Thomas Volken. (Bild: Andrea Stalder)

Der kantonale Windenergie-Experte Thomas Volken. (Bild: Andrea Stalder)

«Wo, wie viele Anlagen und von welchem Typ stehen sollen, ist bisher unbekannt», schreibt Thomas Volken, Windenergie-Experte im Departement für Inneres und Volkswirtschaft. Ob die Visualisierungen realistisch seien – das könne er nicht beurteilen. Dazu müsste er sämtliche Randbedingungen des Fotostandortes kennen, unter anderem die genaue Höhe und die Blickrichtung. Falsch ist laut Volken auch, dass der Kanton einen Windpark plane. Es gehe nicht um ein konkretes Projekt, «sondern der Kanton definiert, wo Projekte ermöglicht werden sollen».

Rotorblätter reflektieren nicht mehr

Dass Immobilien in der Nähe von Windenergieanlagen an Wert verlören, sei bisher wissenschaftlich nicht belegt. In einem Abstand von 1,5 Kilometern sei Schattenwurf «in der Regel kein Thema»; dasselbe gelte für Lärm- und Infraschallimmissionen. Vom «Disco-Effekt» sprach man laut Volken bei Anlagen, deren Rotorblätter das Sonnenlicht reflektierten: «Diese Zeiten sind längst vorbei, denn die Rotorblätter weisen bereits seit Jahren nicht-reflektierende Oberflächen auf.»

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