Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Windenergie: Da waren’s nur noch sechs Gebiete

Der Thurgauer Regierungsrat erachtet noch sechs Gebiete als grundsätzlich geeignet für die Windenergienutzung. Ob jemals Windräder Strom erzeugen, hängt von der Akzeptanz der Bevölkerung ab.
Sebastian Keller
Windkraftanlagen auf dem Col du Mont-Crosin im Berner Jura. (KEY/Jean-Christophe Bott)

Windkraftanlagen auf dem Col du Mont-Crosin im Berner Jura. (KEY/Jean-Christophe Bott)

Nun ist die Windrichtung erkennbar: Der Regierungsrat sieht noch bei sechs Gebieten zwischen Bodensee und Hörnli Potenzial für die Nutzung von Windenergie. Das teilte das Departement für Inneres und Volkswirtschaft am Mittwoch mit. Die «Thurgauer Zeitung» hatte bereits Ende Oktober Wind davon bekommen, dass die Gebiete Bichelsee-Fischingen und Rodebärg bei Diessenhofen/Basadingen-Schlattingen wegfallen. Dies bestätigt der Kanton nun. Im ersten Fall sprechen flugsicherheitstechnische Bedenken dagegen; im zweiten unter anderen die zu geringe Produktion und die Nähe zu einem Wasser- und Zugvogelreservat.

Mit den verbleibenden sechs Gebieten, die in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden, könnte künftig 10 bis 15 Prozent des kantonalen Strombedarfs gedeckt werden. Antreiberin ist die Energiestrategie 2050: Dieser demokratisch legitimierte Plan sieht vor, die Kernenergie durch erneuerbare und lokal vorhandene Energien zu ersetzen. «Damit haben wir den Auftrag, die Grundlagen auch für Windenergie zu schaffen», sagt Thomas Volken, Fachspezialist Windenergie bei der kantonalen Abteilung Energie.

Machbarkeit überprüft

Im Richtplan festgesetzt werden die Gebiete Salen-Reutenen, Thundorf und Braunau-Wuppenau. In diesen Gebieten sind die Abklärungen am weitesten fortgeschritten. Mögliche Investoren haben die Machbarkeit abgeklärt – vor allem mit Windmessungen während mindestens eines Jahres. Die Festsetzung ist Voraussetzung, dass weitere Planungsschritte auf Gemeindeebene erfolgen können. «In jedem Fall sind Zonenplanänderungen notwendig», sagt Thomas Volken. Denn: Die Windenergie-Gebiete liegen meist im Wald oder in einer Landwirtschaftszone. Über diese Änderung bestimmt letztlich die lokale Bevölkerung. Im Richtplan werden lediglich die raumplanerischen Voraussetzungen geschaffen.

Abklärungen in den weiteren drei Gebieten sind noch weniger weit gediehen. So etwa im Fall des Gebiets Ottenberg, das in den Status Zwischenergebnis gesetzt wird. Das heisst: Ein konkretes Projekt und Machbarkeitsstudien fehlen. Diese sind auch für die Gebiete Sirnach-Littenheid sowie Cholfirst bei Schlatt noch nicht vorhanden. Bei diesen müssten zudem weitere Abklärungen gemacht wegen, etwa bezüglich militärischer Überwachung oder sensibler Einrichtungen wie der Klinik. Sie werden daher als sogenannte Vororientierung in den Richtplan aufgenommen.

Gebiete wurden verkleinert

Alle noch verbleibenden Gebiete wurden abgespeckt. «Auf rund ein Drittel», sagt Volken. Im Schnitt könnten vielleicht drei bis sechs Windräder pro Gebiet aufgestellt werden. Diese wären dennoch «landschaftsprägend», schreibt der Kanton. Moderne Grosswindanlagen weisen Gesamthöhen von bis zu 200 Metern auf. Sie verfügen gegenüber älteren Modellen über längere Rotorenblätter und sind leistungsfähiger.

Als nächster Schritt wird der Richtplanentwurf «Windenergie» öffentlich bekannt gemacht. Voraussichtlich Mitte 2019 beugt sich das Kantonsparlament darüber. «Falls der Grosse Rat nächstes Jahr den Richtplan genehmigt, wäre die Karte mit den Gebieten Bestandteil des Richtplans», sagt Volken. Bis eine Anlage Energie aus Wind produzieren könnte, verstreicht aber noch viel Zeit. «In der Schweiz dauert das zwischen acht und zehn Jahre», sagt Volken.

Widerstand aus Wuppenau und Braunau

In einzelnen Gebieten stehen mögliche Anlagen bereits in heftigem Gegenwind. Am stärksten bläst dieser in den Gemeinden Braunau und Wuppenau. «Der Widerstand der Bevölkerung ist in beiden Dörfern gross», schreiben die beiden Gemeindepräsidenten in einer Einladung zu einer Pressekonferenz von Freitag. Auch aus anderen gelangten vor Jahren Protestschreiben nach Frauenfeld.

Dass Windenergie umstritten ist, zeigt auch das Vorgehen des Kantons. Weil vor zwei Jahren anlässlich der Richtplanrevision zur Windenergie fast hundert Einsprachen eingingen, klammerte der Kanton dieses Kapitel aus, um nicht den ganzen Richtplan zu gefährden. Der Bundesrat hat den teilrevidierten Richtplan des Kantons im Juli 2018 genehmigt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.