Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Thurgauer Wimmelbuch widmet sich den Bauernhöfen

Die Hauptwilerin Vida Sprenger hat das wohl erste Thurgauer Wimmelbuch gezeichnet. Das Buch gewährt detailreiche Einblicke in das Leben und Arbeiten auf Thurgauer Bauernhöfen.
Sebastian Keller
Ausschnitt eines Wimmelbildes im Buch "BUUREHOF erläbe". (Illustration: Vida Sprenger)

Ausschnitt eines Wimmelbildes im Buch "BUUREHOF erläbe". (Illustration: Vida Sprenger)

Vida Sprenger bringt Kinder zum Staunen – und sie weckt bei Erwachsenen kindliches Staunen. Die 31-Jährige hat das wohl erste Wimmelbuch gezeichnet, das im Thurgau spielt. Es trägt den Titel «BUUREHOF erläbe».

Ein druckfrisches Exemplar liegt auf dem Tisch ihres Hauses in Hauptwil. Auf dem weissen Tisch sind Notenschlüssel und andere Motive in Schwarz aufgemalt. An Schnüren entlang der Wand hängen mit Wäsche-Chlüpperli befestigt Zeichnungen und Skizzen. Der Kachelofen, der gerade Sommerpause hat, strahlt Gemütlichkeit aus. An der Wand lehnt griffbereit eine Gitarre. Vidas Mann Silvio ist bei der Arbeit, Tochter Gwendolyn und Tageskind Leandro sind im Kindergarten.

Vida Sprenger strahlt, während sie in ihrem Wimmelbuch blättert. Als Erklärung, was ein Wimmelbuch ist, genügt vielfach die Erwähnung von «Wo ist Walter?». In Büchern dieses Genres finden sich detailreiche Bilder, auf diesen wimmelt es von Menschen, Tieren, Gerätschaften, Häusern. Bei jeder Betrachtung tauchen neue Details auf, Zusammenhänge, ja sogar Geschichten.

Ein Projekt des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft

Das ist nicht anders bei «BUUREHOF erläbe». In diesem Buch – mit Texten von Annette Heim – finden sich Bilder von acht real existierenden Bauerhöfen im Thurgau. Auch die Bauernfamilien sind auf den Bildern untergebracht. Dazu gesellt sich eine fiktive Schulklasse, die sich auf eine Erkundungstour macht. Die Klasse zieht sich als roter Faden durch das Buch. Fiktion und Realität gehen Hand in Hand wie Primarschüler in Zweierreihe. Das Buch ist ein Projekt des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft und des Bildungs- und Beratungszentrums Arenenberg.

Vida Sprenger zeichnet in ihrem Haus in Hauptwil. (Bild: Andrea Stalder)

Vida Sprenger zeichnet in ihrem Haus in Hauptwil. (Bild: Andrea Stalder)

«Jeder Strich hat sich gelohnt», sagt Vida Sprenger. Sie lächelt ihr fröhliches Lachen. Mangelte es jemandem an Fröhlichkeit, die Illustratorin aus Hauptwil hätte bestimmt eine Portion davon zu verschenken. «Das Wimmelbuch ist mein bisher grösster Auftrag als Illustratorin», sagt sie.

Jeden der acht Höfe im Buch, die im ganzen Kanton verteilt sind, hat sie besucht – ohne sich vorher allzu sehr zu informieren. «Ich wollte hingehen wie ein Kind, neugierig», sagt Vida Sprenger. So besuchte sie die Höfe, schaute sich Kuhställe, Gemüsehallen und Biogasanlagen an, unterhielt sich mit den Bauernfamilien. Machte Fotos. Sie erfragte Details, erkundigte sich nach Funktionsweisen von Maschinen. «Ich habe alles aufgesogen», sagt sie und zieht mit dem Mund Luft ein.

Sie bekennt: «Ich war überrascht, dass alle Bauernfamilien neben Milchwirtschaft und Obstbau weitere Standbeine haben.» So betreibe eine Familie einen Campingplatz, ein weiterer Bauer ist auch Fischer. «Ich habe die Landwirte als tüchtig und nett erlebt», betont sie.

Vida Sprenger zeichnet alles mit einem schwarzen Stift. (Bild: Andrea Stalder)

Vida Sprenger zeichnet alles mit einem schwarzen Stift. (Bild: Andrea Stalder)

In ihrem Atelier, das zugleich Stube und Wohnraum der Familie ist, hat sie sich nach den Besuchen der Bauernhöfe ans Zeichnen gemacht. Mit einem Fineliner, einem schwarzen Stift, und Papier. Strich um Strich hat sie die Charaktere entwickelt, die Geschichte gewoben, Details und Finessen hinzugefügt. Ausgemalt hat sie die Wimmelbilder, die sie zuvor eingescannt hat, mit dem iPad, das man mit den Fingern bedient. Dem Besucher zeigt sie, welche Vorteile das Kolorieren mit dem elektronischen Gerät hat. Sie klappt es auf und tippt mit schnellem Finger durchs Programm. Sie malt ein Feld aus – und mit einem Klick ist dieses wieder weiss.

Ihre Kinder sind vom Buch begeistert

Die Feuertaufe hat das Wimmelbuch bestanden – zumindest im Hause Sprenger. Am Morgen hat Vida Sprenger mit ihrer Tochter Gwendolyn und Leandro, dem Tagessohn, zwei Wimmelbilder ­angeschaut. Die beiden Kinder seien tief in den Zeichnungen versunken. «Meine Tochter suchte die Büsis, Leandro erfreute sich an den Traktoren», sagt Vida Sprenger. Hätten sie nicht in den Kindergarten gehen müssen, sie wären wohl den ­ganzen Tag im Buch verweilt.

Das druckfrische Wimmelbuch "BUUREHOF erläbe". (Bild: Andrea Stalder)

Das druckfrische Wimmelbuch "BUUREHOF erläbe". (Bild: Andrea Stalder)

Gezeichnet hat Vida Sprenger schon ­immer. «Ich konnte mich in der Schule nicht konzentrieren, wenn ich nichts in der Hand hatte», erzählt sie. Und so entstanden während des Mathematikunterrichts Zeichnungen. Beruflich hat sie einen «ganz anderen Weg» eingeschlagen. Sie ist diplomierte medizinisch-technische Radiologin HF. «Als Abschlussarbeit habe ich ein Kinderbuch über die Radiologie gezeichnet», sagt sie. Später hat sie – noch mehr als Hobby denn Beruf – Karten gezeichnet und Etiketten für Hofprodukte wie etwa Sirupflaschen gestaltet. Aus ihrer Leidenschaft wurde allmählich ihr Beruf. ­

Sie macht auch Musik

Heute ist sie unter der Bezeichnung «vid­ART.ch» selbstständige Illustratorin und Musikerin. Und hier kommt die Gitarre ins Spiel. Vida Sprenger streicht über die Saiten und singt dem Besucher ihr neustes Lied vor. Auf Schweizerdeutsch. «Normalerweise singe ich auf Englisch», sagt sie, «das ist viel einfacher für mich.» Die Lieder entspringen wie die Zeichnungen ihrer Feder; sie ist Singer-Songwriterin. Mit verschiedenen Formationen tritt sie auf. Etwa mit Archie Slap, einer vierköpfigen Band, in der auch ihr Mann mitspielt. Sprengers nächstes Projekt ist eine CD für Kinder mit einer Geschichte und zehn Liedern auf Schweizerdeutsch.

Ihre Mutter und ihr Vater sind Country-Musiker von Beruf. Vida Sprenger lebte in der Jugend zwei Jahre in den USA. Auch innerhalb der Schweiz ist sie mehrmals gezügelt. «Die Schweiz ist meine Heimatstadt», sagt sie deshalb. In Hauptwil hat die Familie Sprenger Wurzeln geschlagen. Eine Erklärung, wieso sie auch das Singen und Instrumentieren beherrscht, liefert wohl der kindliche Pragmatismus: «Zu Hause hiess es: Abwaschen oder Musik machen.» Ihr Strahlen lässt keinen Zweifeln, worauf ihre Wahl jeweils gefallen ist.

Buchpräsentation am Sonntag

Das Buch «»BUUREHOF erläbe» wird am Sonntag, 26. August, im Rahmen des gleichnamigen Erlebnistages in der Gemeinde Homburg vorgestellt. Die Präsentation beginnt um 9.30 Uhr auf dem Hof der Familie Villiger am Holderstöckliweg 5, Hörhausen. Der Erlebnistag mit vielen Programmpunkten findet auf mehreren Höfen der Gemeinde Homburg statt – von 10 bis 16 Uhr. Weitere Informationen zum Erlebnistag und dem Buch sowie Bestellmöglichkeiten: www.buurehof-erlaebe.ch. Das Buch kostet 22.80 Franken; ISBN-Nummer: 978-3-9523601-8-7. (seb.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.