Willkommener Zustupf fürs 33-Millionen-Budget: Sirnach erbt 1,4 Millionen Franken

In Sirnach stirbt eine Person und hinterlässt weder Erben noch Testament - dafür 1,4 Millionen Franken. Das Geld fliesst nun in die Gemeindekasse.

Olaf Kühne
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Den unverhofften Geldsegen will der Sirnacher Gemeinderat als «neutralen Ertrag» in der Erfolgsrechnung verbuchen.

Den unverhofften Geldsegen will der Sirnacher Gemeinderat als «neutralen Ertrag» in der Erfolgsrechnung verbuchen.

(Bild: ZVG)

Kein Testament. Kein Legat. Keine Erben. Diese aussergewöhnliche Konstellation beschert der Gemeinde Sirnach einen reichen und vor allem unverhofften Geldsegen. 1'424'964 Franken, lautet die Summe, welche eine in Sirnach wohnhafte Person nach ihrem Tod hinterliess. Wer diese Person ist, darf und will Gemeindepräsident Kurt Baumann nicht sagen. Nicht mal, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt.

Kurt Baumann, Gemeindepräsident Sirnach.

Kurt Baumann, Gemeindepräsident Sirnach.

(Bild: Donato Caspari)

«Nach allem, was wir wissen, müssen wir davon ausgehen, dass diese Person nicht in der Öffentlichkeit stehen wollte», erklärt Kurt Baumann seine Verschwiegenheit. «Das gilt es zu respektieren.»

Die verstorbene Person hat denn auch ihr Vermögen nicht der Gemeinde vermacht. Aber auch sonst niemandem. So kam denn das Schweizer Zivilgesetzbuch zum Zuge: Sind weder Erben noch Testament vorhanden, geht die Hinterlassenschaft an den Wohnkanton. Der Kanton Thurgau wiederum sieht in diesem Fall vor, dass das Geld gar in die Wohngemeinde fliesst.

Den unerwarteten Geldsegen will der Sirnacher Gemeinderat nun vorerst als «neutralen Ertrag» im Geschäftsjahr 2020 verbuchen. «Über eine konkrete Verwendung der 1,4 Millionen Franken können wir frühestens an der Gemeindeversammlung im Juni 2021 diskutieren», sagt Baumann, «nachdem wir den Rechnungsabschluss genehmigt erhalten haben.»

Teurere Sozialhilfe spätestens in zwei Jahren

Gleichzeitig mahnt der Sirnacher Gemeindepräsident aber auch, dass man aufgrund der Coronakrise bereits im laufenden Jahr mit geringeren Steuereinnahmen rechnen müsse, sicher aber im kommenden Jahr. «Aus der Vergangenheit wissen wir auch, dass sich steigende Arbeitslosenzahlen spätestens nach zwei Jahren auf die kommunalen Sozialhilfekosten auswirken», sagt Baumann weiter. Dank der Erbschaft dürfe man aber immerhin davon ausgehen, dass die Gemeinde Sirnach das Rechnungsjahr 2020 – trotz der wirtschaftlich schwierigen Situation – mit schwarzen Zahlen abschliessen wird.

Reiche Erbschaften sind für Hinterthurgauer Gemeinden zwar selten, aber nichts Neues. So ist in Bichelsee-Balterswil das «Schwager-Erbe» bereits Teil der Gemeindegeschichte. 2010 hinterliess der nie in Bichelsee wohnhafte Ludwig Schwager seiner Bürgergemeinde drei Millionen Franken in Form von Aktien und Goldmünzen. Noch heute bezeichnet Gemeindepräsident Beat Weibel die Anekdote, wie er und sein Vize damals im strömenden Regen mit immer volleren Papiersäcken durch Zürich von Bankschliessfach zu Bankschliessfach zogen, als unvergesslich. In Münchwilen wiederum erinnern Villa Sutter und Alfred-Sutter-Park die Gemeindebewohner noch für sehr lange Zeit an des Testament der Industriellenwitwe Anneliese Sutter-Stöttner.

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