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Willkommen, Generation Grüngutcontainer!

Seit Mittwochmittag strömen unablässig junge Menschen vom Frauenfelder Bahnhof zur Grossen Allmend. Sie schleppen ganz schön viel Material mit.
Stefan Hilzinger
Die ersten Open-Air-Besucher warten mit ihrer Bagage auf dem Unterem Mätteli auf den Shuttlebus. Bild: Reto Martin

Die ersten Open-Air-Besucher warten mit ihrer Bagage auf dem Unterem Mätteli auf den Shuttlebus. Bild: Reto Martin

Jetzt sind sie wieder da, die jungen Leute. Von Gleis 2 her strömen sie Richtung Open Air. Für drei Tage «chli Spass ohni Arbeitsstress» auf der Grossen Allmend, wie es Daniel formuliert, «mit Kollegen statt mit Kunden». Er und seine Kumpels Nusti, Joshi und Nithu aus Glattbrugg und Oerlikon warten beim Bahnhof auf die anderen neun der Gruppe. Gemeinsam ziehen sie auf die Grosse Allmend. «Um die Zeit zu geniessen und alles andere zu vergessen.» Reichlich Tabak und Alkohol sollen dabei helfen, beim Geniessen und Vergessen. Den Chivas Regal haben sie in eine Pet-Flasche umgefüllt.

Mit Sack und Pack ans Open Air.

Mit Sack und Pack ans Open Air.

Oberhalb der breiten Treppe zu den Perrons lagern sich die Open-Air-Besucher gruppenweise am Schatten. Wie Kamele in einer Karawanserei, die schwere Last neben sich. Der Dialoger von Helvetas scheint auf verlorenem Posten, doch es gelingt ihm, zwei blonde Frauen in ein Gespräch zu verwickeln.

Damit niemand vom rechten Weg abkommt

Nebst den regulären Zügen verkehren 36 Extrazüge der SBB, 21 für die Anreise, 15 für die Abreise. Die Bundesbahnen nennen keine Zahlen, wie viele Gäste sie mit den Extrazügen befördern. «Sie sind erfahrungsgemäss gut bis stark ausgelastet», sagt SBB Mediensprecher Oli Dischoe. Nicht nur Extrazüge stellt die Bahn fürs Open Air, sondern auch extra Personal: «Es stehen gesamthaft 40 Kundenlenkerinnen und -lenker im Einsatz, die meisten in Frauenfeld selbst.» Damit niemand vom rechten Weg abkommt.

Unter der Anzeigetafel wartet eine Gruppe aus dem Hinterthurgau. «Mit dem Wiler Bähnli angereist?» – Nein, denn das Gepäck passe besser in den Schnellzug. Da stehen und liegen ein halbes Dutzend Grüngutcontainern mit Rollen sowie diverse Kartonschachteln. «Ich schätze mal so rund 50 Kilogramm auf zwei Personen», sagt einer. Er sei jetzt des dritte Mal dabei, berichtet «Möhl19» aus Eschlikon. Vergangenes Jahr sei das Musikprogramm «überchrank» gewesen, also total gut. Heuer etwas weniger. Sein Kumpel wirft ein:

«Wer hört schon Cardi B? Mädchen vielleicht.»

Den steigenden Temperaturen am Mittwochnachmittag begegnen sie mit reichlich Bier. Später kommt Stärkeres dazu, daraus machen sie keinen Hehl. «Chli suufe und kiffe g’hört dezue.» Nachdem die letzten Utensilien aus der «Passage» herangeschafft sind, machen sie sich auf den Weg zum Festival.

«C’est par là?» «Non, par là.»

Der Strom der Menschen wird dichter. Erste Gruppen aus der Westschweiz sind unterwegs zum Parkplatz Unteres Mätteli, wo die Busse warten. Kurzzeitig kommt Verwirrung auf. «C’est par là?» «Non, par là.» Die Sache klärt sich rasch, einfach dem Menschenstrom nach.

Die ersten Besucher besteigen den Shuttlebus.

Die ersten Besucher besteigen den Shuttlebus.

Container, Bollerwagen, Veloanhänger oder Einkaufswagen schiebt und zieht die Hip-Hop-Gemeinde, um ihre ganze Bagage aufs Gelände zu bekommen: Eistee, Zelte, Schlafsäcke, Musikanlage, Jägermeister. Vor dem Busterminal müssen die Karren eine Rampe überwinden. Es wird kritisch. Ein Bierdose stürzt vom Wagen und entleert sich schäumend auf den Asphalt. Andere haben ihr Gepäck in Schrumpffolie gewickelt. Was immer auch passiert, der Rat einer jungen Frau gilt:

«Chönd er’s grad e chli chille!»

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