Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Wilhelm Tell» in Multikulti: Zwei Frauenfelder Schulklassen haben das Stück einstudiert

Zwei Frauenfelder Primarlehrer aus dem Ergaten inszenieren mit ihren Schülern Schillers «Tell». Die Hälfte der Kinder sind Migranten, was eine Herausforderung ist. Morgen Donnerstag ist das Stück zweimal im Heerenberg zu sehen.
Mathias Frei
Gesslers Schergen halten die Leute aus Uri in Schach. Szene aus den Proben der Primarschule Ergaten. (Bild: Mathias Frei)

Gesslers Schergen halten die Leute aus Uri in Schach. Szene aus den Proben der Primarschule Ergaten. (Bild: Mathias Frei)

Sie heissen Elsa, Joel und Baran – und sie spielen den Tell. Über 40 Schüler aus dem Schulhaus Ergaten stehen bei «Wilhelm Tell», frei nach Friedrich Schiller, auf der Bühne. Ein Klassiker der deutschen Dramatik, 1804 in Weimar uraufgeführt. Nun spielt das Stück in der offenen Halle des Forsthofs Heerenberg und hat dank der jungen Spieler wohl nicht weniger Kraft und Aktualität wie ehedem.

Hinter dem Schultheater stecken die beiden Primarlehrer Beat Oetterli und Beat Seiterle. Im Ergaten unterrichtet Oetterli 5.- und 6.-Klässler, Seiterles Kinder gehen gleichenorts in die 3. und 4. Klasse. Oetterli spielt mit seinen Kindern jährlich Schultheater, alle paar Jahre steht mit Seiterle und dessen Klasse ein grösseres Projekt an.

Eine Woche lang proben ab 8 Uhr morgens

Die Schüler stehen mitten in der Intensiv-Probezeit. Sieben Tage lang ab 8 Uhr morgens. Erstaunlich: Die ersten Textarbeiten haben erst nach den Frühlingsferien angefangen. «Das ist noch nicht die Hauptprobe», erinnert Oetterli die Kinder. Noch steht Seiterle alleine mit seiner Violine zwei Meter über der Bühne, Bühnenlicht gibt es noch keines in der offenen Halle.

«Ihr tragt das ganze Stück»

schweisst Oetterli die Kinderschar zusammen. Er wirkt energisch und konzentriert. Man hat das Gefühl, dass seine Rolle aus Motivator und strengem Dramaturg den Kindern zur nötigen inneren Anspannung verhilft.

Bei den Proben gehen die Schüler in ihren Rollen auf. (Bild: Mathias Frei)

Bei den Proben gehen die Schüler in ihren Rollen auf. (Bild: Mathias Frei)

90 Minuten will Oetterli an diesem Nachmittag spielen. «Mal schauen, wie weit wir kommen.» Falls nötig, werde er die Übergänge kürzen. Er stoppt die Zeit. Los! Und wieder geschieht Erstaunliches. Die Schüler gehen in ihren Rollen auf.

Die Schüler, die aus Italien, dem Irak, Serbien, Portugal, der Schweiz und anderen Ländern mehr stammen. 50 Prozent Migrantenkinder. Die Arbeit mit der Sprache, mit der Aussprache. Das ist die Herausforderung. Oetterli erzählt von einer Schülerin, die aus der Integrationsklasse zu ihm kam und nun bei diesem Stück in ihrer Rolle aufgehe.

Auf Augenschein im Urnerland

Oetterli hat Schillers Originaltext auf die Hälfte verdichtet. An der Handlung ändert sich nichts, gesprochen werden aber nur die Kernsätze. «Ich will dein Leben nicht, ich will den Schuss», fordert Gessler. Walter ruft: «Vater, schiess.» Und Tell: «Es muss.»

Die grösseren Rollen sind mit Oetterlis Schüler besetzt, während Seiterles Schüler die Gesellen, Soldaten und Kinder mimen. Ab dem zweitletzten Probentag wird Seiterle (Violine) von einem Cellisten, einer Akkordeonistin sowie einem Perkussionisten unterstützt.

Bei den Proben zum Stück fliesst auch Kunstblut. (Bild: Mathias Frei)

Bei den Proben zum Stück fliesst auch Kunstblut. (Bild: Mathias Frei)

Oetterli macht solche Projekte nur dann, wenn die Schüler auch etwas leisten wollen. Vergangenen Herbst war er mit seiner Klasse im Urnerland im Lager. Sie besuchten Schauplätze des Stücks: das Rütli, den Turm in Hospental, den Dorfplatz in Altdorf.

«Sie lasen einander vor. Der Tell hat die Schüler immer fasziniert.»

Und dann kam die Idee von einem der Schüler, «Wilhelm Tell» zu spielen. Schultheater decke viele Kompetenzen aus dem Lehrplan Volksschule Thurgau ab, sagt Oetterli. Und: «Mit diesen Kindern ist so viel möglich.» Nach 90 Minuten Durchlauf an diesem Nachmittag gibt’s zum Abschluss Glace, weil eines der Kinder Geburtstag hat. Und Tell ist ein paar Minuten vergessen.

Hinweis: Donnerstag, 27. Juni: 10 Uhr (Schülervorstellung) und 19 Uhr (öffentliche Abendvorstellung), Forsthof Heerenberg, Kollekte.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.