Wilener Wahlpodium bot einen Hauch von Klimaprotest

Die Ausgangslage der Gesamterneuerungswahlen ist in Wilen zwar wenig brisant. Trotzdem bot das Podium zu den Gemeinderatswahlen am Dienstagabend Überraschendes. Gemeindepräsident Kurt Enderli beschwor gar apokalyptische Szenarien.

Giannni Amstutz
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Moderator Christof Lampart (am Rednerpult) fühlt den Kandidaten auf den Zahn: Gemeindepräsident Kurt Enderli, Rebekka Bannwart, Alfred Wenger, Fiona Graf (bisher) und Roger Staub (bisher). (Bild: Gianni Amstutz)

Moderator Christof Lampart (am Rednerpult) fühlt den Kandidaten auf den Zahn: Gemeindepräsident Kurt Enderli, Rebekka Bannwart, Alfred Wenger, Fiona Graf (bisher) und Roger Staub (bisher). (Bild: Gianni Amstutz)

Die Forderungen der in St. Gallen und anderen Schweizer Städten für das Klima streikenden Kantischüler scheinen in Wilen auf fruchtbaren Boden zu stossen. Allen voran der amtierende Gemeindepräsident Kurt Enderli, der für seine fünfte Legislatur kandidiert, scheint Gehör für die Anliegen der Jugendlichen gefunden zu haben.

«Wenn wir mit unserer Klimapolitik so weitermachen, wird es die Menschheit nicht mehr lange geben.»

Enderli beschwor – angesprochen auf die Vision für Wilen – ein düsteres, ja gar apokalyptisches Zukunftsbild: «Wenn wir mit unserer Klimapolitik so weitermachen, wird es die Menschheit nicht mehr lange geben.» Der Gemeindepräsident sprach von massiven Preiserhöhungen für fossile Energie mit gleichzeitiger Förderung erneuerbarer Energien als einzigen Ausweg aus der Klimakrise. Auch Wilen müsse seinen Beitrag dazu leisten. Enderli stellte als Vision dafür Subventionen durch die Gemeinde für energieeffiziente bauliche Massnahmen in Aussicht.

Offenes Ohr für Umweltanliegen

Er war indes nicht der einzige der Kandidaten, der für Umweltanliegen ein offenes Ohr zu haben scheint. Alfred Wenger, der erstmals für den Gemeinderat kandidiert und sich politisch selbst mitte-links verortet, betonte, dass ihm Nachhaltigkeit am Herzen liege. Seine Vision ist, dass die Gemeinde dereinst autark ist. Ebenfalls neu zur Wahl stellen wird sich Rebekka Bannwart. Auch sie ist im politischen Spektrum gemäss eigener Aussage eher links angesiedelt. Sie sieht ihre Stärken im Sozialen Bereich und will sich für eine Begegnungszone einsetzen.

Komplettiert wird die Kandidatenliste mit den beiden bisherigen Gemeinderäten Fiona Graf und Roger Staub. Auch sie sind – wie alle anderen Kandidaten – parteilos, wobei Graf sich in der politischen Mitte sieht und Staub am ehesten zur FDP tendiert. Sowohl Fiona Graf (Sport, Jugend und Familie) als auch Roger Staub (Bau) würden ihre Ressorts gerne weiterführen. Das bedingt wiederum, dass sich einer der beiden Neuen dem Finanzressort annimmt. Diese liessen am Podium aber durchblicken, dass sie darin nicht ihre Stärke sehen und ein anderes Ressort bevorzugten.

Ressorts gegen aussen vertreten

Gemeindepräsident Enderli konnte die Kandidaten jedoch beruhigen. Die Geschäfte würden ohnehin im Gesamtgremium behandelt, die Entscheidungen gemeinsam getroffen. Die Leitung eines Ressorts sei mehr bei öffentlichen Auftritten und der Repräsentation gegen aussen wichtig.

Am 10. Februar wählt das Wilener Stimmvolk. Die Ausgangslage ist aufgrund der Konstellation jedoch wenig brisant. Fünf Kandidaten stellen sich für ebenso viele Sitze zur Verfügung. Wie Christof Lampart, der als Moderator durch den Abend führte, anmerkte, seien die Zeiten längst passé, in denen Kampfwahlen um die Ämter in den Gemeinderegierungen stattgefunden hätten. Wie andere Beispiele beweisen, müssen kleinere Gemeinden froh sein, überhaupt alle vakanten Sitze besetzen zu können. Doch obwohl sich den Wilenern keine echte Auswahl bietet, können sie der Wahl entspannt entgegenblicken.

Die Kandidatinnen und Kandidaten hinterliessen am Podiumsanlass allesamt einen guten Eindruck – ohne sich dabei aber allzu weit aus dem Fenster zu lehnen. Phrasen wie «der Gemeinde etwas zurückgeben», «sich einbringen», «etwas Positives bewirken» oder «hohe Lebensqualität» dominierten die Diskussion. Die Motivation, sich die Fähigkeiten für das Amt anzueignen und sich für das Gemeinwohl engagieren zu wollen, konnten aber alle Kandidaten glaubhaft zum Ausdruck bringen.