Wilen
Aus einer Schnapsidee heraus Gemeindepräsident geworden – 19 Jahre später tritt Kurt Enderli zurück

Im Mai des kommenden Jahres gibt der Wilener Ortsvorsteher sein Amt ab - noch vor dem Ende der laufenden Legislatur.

Lara Wüest
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Kurt Enderli will Platz machen für neue Ideen.

Kurt Enderli will Platz machen für neue Ideen.

Bild: PD

19 Jahre sind genug. Zumindest für Kurt Enderli. Auf Ende Mai 2022 tritt der Gemeindepräsident von Wilen zurück. Das bestätigt er auf Anfrage dieser Zeitung. Und so steht es auch im Wilener Amtsbericht 2020, der diese Woche an die Haushalte verschickt wurde.

Schon länger hat sich Enderli mit seinem Rücktritt beschäftigt. Von langer Hand sei er geplant gewesen, sagt er. Für manche Wilenerinnen und Wilener kommt diese Ankündigung aber wohl überraschend. Die aktuelle Amtszeit endet erst im Jahr 2023, also ein Jahr nach seinem geplanten Rücktritt. Tritt Enderli also aus gesundheitlichen oder privaten Gründen ab? Nein, sagt er.

«Ich bin kerngesund.»

Es sei schlicht der richtige Zeitpunkt. Er sagt: «Alle meine Projekte sind fertig, jetzt sollen neue Ideen entwickelt werden.»

Abschied im Guten

Während fast zwei Jahrzehnten hat Enderli, der einst eine Lehre als Bäcker/Konditor abschloss und vor seiner Zeit als Gemeindepräsident in der Lebensmittelindustrie arbeitete, die Gemeinde Wilen geprägt. Er hat zahlreiche Projekte lanciert und durchgeführt. Wenn er zurückblickt, macht er das im Guten. Er sagt:

«Ich war und bin glücklich im Amt.»

Er sei froh, dass er das so lange machen durfte.

Auf die Frage nach seinem persönlichen Höhepunkt nennt Enderli ein Projekt, das schon mehrere Jahre zurückliegt: Die Woche der Begegnung aus dem Jahr 2015. Damals haben die Schulen, die Kirchen und die Gemeinde gemeinsam eine Projektwoche für Kinder und Jugendliche durchgeführt. Die Idee: Einen Raum für Begegnungen schaffen. Fünf Zelte wurden beim Ägelsee aufgestellt. In ihnen fanden unterschiedliche Anlässe statt. An den Abenden waren auch Erwachsene willkommen. Enderli ist noch immer vom Projekt begeistert. Er sagt: «Die ganze Gemeinschaft kam zum Tragen, alle haben mitgemacht.»

Ein Sprung ins kalte Wasser

Als Kurt Enderli ins Amt gewählt wurde, war er ein politischer Neuling, suchte eigentlich eine neue Stelle in der Lebensmittelindustrie. Der Betrieb in Luzern, in dem er arbeitete, wurde geschlossen. Als seine Schwester ihm das Zeitungsinserat schickte, in dem stand, dass Wilen einen neuen Präsidenten sucht, dachte er: «Das ist eine Schnapsidee.» Dass er sich trotzdem zur Wahl stellte, geschah aus der Not heraus: Er brauchte schlicht einen neuen Job. Rückblickend sagt er: «Es war das Beste, was mir passieren konnte.» Die Arbeit als Gemeindepräsident hat ihm besser entsprochen als jene in der Industrie. Und das, obwohl es ein Sprung ins kalte Wasser war. Enderli lacht, wenn er sich an damals erinnert:

«Ich war der älteste Lehrling auf der Gemeinde.»

Doch die Leute in der Verwaltung seien «unglaublich» hilfsbereit gewesen.

In Enderlis politischen Laufbahn gab es aber auch Tiefpunkte. Zweimal wollte er im ganzen Dorf Tempo 30 einführen – zweimal ist er an der Gemeindeversammlung damit gescheitert.

Wahlen auf den November angesetzt

In gut einem Jahr gibt Enderli sein Amt nun also ab. Womöglich hat bei seiner Entscheidung auch das Alter eine Rolle gespielt: Diesen September wird er 65. Zur Ruhe setzen will er sich aber nicht. Der Gemeindepräsident schmiedet schon Pläne für die Zeit, die auf sein Amt folgt. Er möchte sich für Entwicklungsprojekte engagieren und dafür auch ab und zu ins Ausland reisen.

Die Wahlen für Enderlis Nachfolge finden im November dieses Jahres statt. Bereits im Sommer begibt sich die Gemeinde mit Zeitungsinseraten und Flugblättern auf die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger. Enderli hofft, dass dieser Person die Arbeit genau so gut gefallen wird wie ihm.