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"Wildnis willkommen", sagt die Thurgauer WWF-Präsidentin Gabriele Aebli

Die Thurgauer WWF-Sektion feiert in diesem Jahr ihr 50-Jahr-Jubiläum. Die 38-jährige Gabriele Aebli präsidiert die Organisation. Ein Gespräch über den Biber und die Wildnis im heimischen Garten.
Sebastian Keller
Im Frauenfelder Murg-Auen-Park: Gabriela Aebli aus Tägerwilen präsidiert den WWF Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Im Frauenfelder Murg-Auen-Park: Gabriela Aebli aus Tägerwilen präsidiert den WWF Thurgau. (Bild: Reto Martin)

Sie klaubt einen Kronkorken unter einem Grasbüschel hervor. «Sorry», sagt Gabriele Aebli, «ich kann es nicht lassen». Die Präsidentin des WWF Thurgau setzt sich dann auf einen Stein – einem Hocker gleich – im Frauenfelder Murg-Auen-Park. Den Treffpunkt für das Gespräch hat sie vorgeschlagen. «Wasser ist mein Element», sagt die 38-Jährige, die im Marketing tätig ist. Revitalisierungen von Gewässern, wie sie hier bei der Murg vorgenommen wurde, lassen ihr Herz höherschlagen. «Ich kenne Frauenfeld nicht so gut, aber hier finde ich Energie und Ruhe.» Die Tägerwilerin nennt den Ort «eine Oase in der Stadt». Einen Fleck, wo die Natur ihren Lebensraum zurückerobern darf, eine Spielwiese der Biodiversität. Und damit ist man auch schon bei einem Kernanliegen des WWF angelangt.

Die Arbeit ist noch nicht getan

Vögel zwitschern, Insekten schwirren umher. Es tönt wie die Siegeshymne für die Umweltorganisation. «Doch», betont Gabriele Aebli, «unsere Arbeit ist noch nicht getan». Sie spricht davon, dass der Thurgau sehr stark genutzt werde – und es immer weniger Plätze gebe, wo sich die Natur ungehindert ausbreiten darf. Das liege auch am fehlenden Bewusstsein – oder der anderen Perspektive. «Einzelne Leute regen sich über den Biber auf, weil er seinen Lebensraum selbst gestaltet», sagt die 38-Jährige. «Aber der Biber gehört nun mal in unser Ökosystem.» Und dass der Mensch noch viele grössere und drastischere Eingriffe vornehme, werde ausgeblendet. Der Biber ist Teil der Erfolgsgeschichte der Thurgauer WWF-Sektion. Mit der Auswilderung der Nagetiere am Nussbaumersee vor 50 Jahren begann dessen erfolgreiche Wiederansiedlung im Kanton. Heute wird die Population im Thurgau auf 600 Biber geschätzt.

Doch die Erfolgsgeschichte droht eine unschöne Wendung zu nehmen. «Ich hoffe, dass die Stimmung nicht kippt», sagt Gabriele Aebli und schlägt sich mit der flachen Hand auf die Oberschenkel. Ungemacht droht aus Bern: Der Ständerat hat diese Woche beschlossen, dass der Biber künftig einfacher abgeschossen werden darf. Damit sieht die kleine Kammer für den Nager, der seit 1962 bundesrechtlich geschützt ist, das gleiche Schicksal vor wie für den Wolf und den Luchs. Umwelt- und Tierschutzorganisationen haben vorsorglich das Referendum angedroht.

Fotowettbewerb, Jubiläumsallee und ein grosses Fest.

Der WWF Thurgau feiert sein 50-Jahr-Jubiläum mit mehreren Aktivitäten. Bis Ende Juni läuft der Wettbewerb «FUThURgau»-: Thurgauerinnen und Thurgauer sollen Bilder – Fotos, Collagen, Zeichnungen – einsenden, wie sie sich den Lebensraum Thurgau in 50 Jahren wünschen. Eine Vorauswahl wird am Jubiläumsfest vom 15. September in Erlen präsentiert. Weiter wird im Jubiläumsjahr auf dem Hof Gertau bei Bischofszell eine Allee mit 50 Hochstamm-Obstbäumen gepflanzt. Es besteht die Möglichkeit, Baumpate zu werden. (seb.)

www.wwf-tg.ch/50jahre

Dafür würde auch Gabriele Aebli auf die Jagd gehen: Auf die Jagd nach Unterschriften gegen die Lockerung des Artenschutzes. So wie sie es in ihrer Wohngemeinde Tägerwilen getan hat. Auslöser war, dass der Gemeinderat eine Kastanienallee fällen wollte. Die zweifache Mutter lancierte eine Petition mit, um die 150 Jahre alten Bäume zu retten. Noch stehen sie. Die WWF-Präsidentin stellte während dieses Kampfes fest: «Meine Haut ist noch nicht so dick, wie sie sein sollte.» Den Kampf – gegen Behörden, gegen Bauvorhaben – sieht sie ohnehin als letztes Mittel. Ihr Werkzeug ist der Dialog. Das Image des WWF als «Verhinderer» will sie korrigieren. «Ich möchte positive Beispiele zeigen und begeistern.» Diesbezüglich lobt sie den Kanton auf dem Weg zur Energiewende oder die Bemühungen, der Elektromobilität den Weg zu ebnen.

Wildnis im heimischen Garten

Flora und Fauna geniessen unbeschränktes Zutrittsrecht zu ihrem Garten. Dort mäht die Familie eine Ecke bewusst nicht. «Es ist unglaublich, was da wächst und vorbeischaut», sagt Gabriele Aebli. Auch eine schwarz-blau glänzende Holzbiene schwirrte schon zu Besuch. «Ich habe noch nie zuvor in meinem Leben eine Holzbiene gesehen». Sagt es und lächelt. Sie wünscht sich, dass viele weitere Menschen Wildnis im eigenen Garten zulassen würden. «In Privatgärten liegt noch grosses Potenzial.»

Das Gespräch neigt sich dem Ende zu. Die WWF-Präsidentin nimmt den Kronkorken in die Hand, die sie zu einem Schälchen geformt hat. Dann legt sie Fetzen eines zerplatzten Ballons dazu. «Ich kann es nicht lassen», sagt sie. Jetzt weiss man auch, was sie damit meint: Sie wäre froh, wenn es auch viele andere nicht lassen könnten.

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