Wil West vergibt Kommunikationsauftrag über mehrere Hunderttausend Franken neu

Für das Grossprojekt Wil West stehen in den nächsten Jahren mehrere politische Entscheide an. Im Hinblick darauf haben die Verantwortlichen eine der grössten Schweizer Kommunikationsagenturen ins Boot geholt.

Roman Scherrer
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Blick von Münchwilen auf Wil West: Auf dem Areal sollen bis zu 3000 Arbeitsplätze entstehen.

Blick von Münchwilen auf Wil West: Auf dem Areal sollen bis zu 3000 Arbeitsplätze entstehen.

(Bild: Hanspeter Schiess und Urs Bucher)

Noch ist es grösstenteils mit Wiese bedeckt. Mittel- bis langfristig soll im Gebiet Wil West aber ein Wirtschaftsstandort mit bis zu 3000 Arbeitsplätzen entstehen. Mit eigenem Autobahnanschluss sowie neuen Bus- und Bahn-Haltestellen. Diese und flankierende Massnahmen sollen die Verkehrssituation in Wil und den angrenzenden Gemeinden verbessern.

Viel Arbeit für die sogenannte Realisierungsgemeinschaft Standortentwicklung Wil West. Denn bevor die Bagger auffahren können, stehen diverse politische Entscheide an. Vorlagen mit technischen Inhalten müssen Stimmvolk und Politikern verständlich präsentiert werden.

Dafür hat sich die Realisierungsgemeinschaft externe Unterstützung geholt und einen Grossauftrag für die «strategische Kommunikations- und Organisationsberatung sowie Kommunikationsmassnahmen» an die Kommunikationsagentur Farner vergeben.

Wie der öffentlichen Zuschlagsmeldung zu entnehmen ist, lassen sich die beiden Kantone und die Regio Wil den Auftrag zwischen rund 210'000 und 470'000 Franken an Steuergeldern kosten. Den genauen Betrag nennt Peter Guler zwar nicht, der Gesamtprojektleiter Wil West vermag aber zu relativieren:

«Der Betrag liegt im Rahmen des bisherigen Budgets.»
Peter GulerGesamtprojektleiter Wil West

Peter Guler
Gesamtprojektleiter Wil West

(Bild: PD)

Denn bereits für die vergangenen rund fünf Jahre habe man eine PR-Agentur engagiert und dafür etwa gleich viel bezahlt. «Es ist also ein bestehender Auftrag, den wir neu ausgeschrieben hatten», sagt Guler und betont, dass die Ausschreibung nach der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen des Kantons
St. Gallen erfolgt sei.

Anfang Juli hat Farner das Dossier Wil West übernommen und wird es – Stand heute – während der nächsten vier Jahre betreuen. In dieser Zeit wird die Agentur einerseits auf strategischer Ebene beraten, andererseits auch konkrete Kommunikationsmassnahmen umsetzen. Zu Letzteren können unter anderem Broschüren, Texte, visuelle Darstellungen, Filme oder Infoveranstaltungen zählen, wie Guler erklärt.

Anforderungen gaben den Ausschlag

Mit Farner hat sich die Realisierungsgemeinschaft Wil West eine der grössten Kommunikationsagenturen der Schweiz ins Boot geholt. Da stellt sich die Frage: Ist das überhaupt nötig? Peter Guler sagt:

«Wir haben die Ausschreibung nicht speziell auf grosse Agenturen ausgerichtet.»

Genauso wenig habe man festgelegt, dass eine kleine oder regionale Agentur berücksichtigt werden müsse. Obwohl der Vertrag mit dem Farner-Standort in St. Gallen abgeschlossen wurde. «Vielmehr haben wir in der Ausschreibung klar den Sachverhalt und unsere Anforderungen formuliert.»

Grössere Agenturen würden die nötige Erfahrung in Sachen Standortentwicklung und politischen Prozessen mitbringen. Und: «Mit Farner haben wir eine nationale Agentur mit regionaler Verankerung und die Schlüsselpersonen bringen einen grossen Rucksack mit.»

Kleine Agenturen hätten sich aufgrund der beschriebenen Anforderungen gar nicht erst beworben. Farner setzte sich schliesslich gegen zwei Mitbewerber durch. Und war – so viel lässt Guler durchblicken – weder die günstigste noch die teuerste Variante.

Die drei Gesellschafter teilen sich die Kosten


Die Kantone St. Gallen und Thurgau sowie der Verein Regio Wil bilden als Gesellschafter die Realisierungsgemeinschaft Standortentwicklung Wil West. Sie stellten je zwei Delegierte für das Bewertungsgremium, welches sich im Ausschreibungsprozess schliesslich entschieden hat, den Kommunikationsauftrag an die PR-Agentur Farner zu vergeben. Die Gesellschafter teilen sich die Kosten für den Auftrag zu je einem Drittel. Das Geld dafür stammt also – direkt oder indirekt – vom Steuerzahler. Denn die Regio Wil finanziert sich aus den Beiträgen der 22 Mitgliedsgemeinden, welche dem Verein pro Einwohner und Jahr fünf Franken bezahlen. (rsc)

Blick von Sirnach/Münchwilen: Das Modell zeigt, wie das Gebiet Wil West bebaut werden könnte.

Blick von Sirnach/Münchwilen: Das Modell zeigt, wie das Gebiet Wil West bebaut werden könnte.

(Bild: PD)
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