Wil West: Bei der Energie wenig visionär

3000 Arbeitsplätze sollen in den nächsten 25 Jahren auf dem Entwicklungsgebiet im Westen Wils entstehen. Bei aller Wirtschafts-Euphorie vermisst ein grüner Kantonsrat ein zukunftsweisendes Energiekonzept.

Silvan Meile
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Blick von Münchwilen in Richtung Wil: Neben der Autobahn ist das Entwicklungsgebiet Wil West geplant. (Bild: Hanspeter Schiess)

Blick von Münchwilen in Richtung Wil: Neben der Autobahn ist das Entwicklungsgebiet Wil West geplant. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit mehr als zwanzig Jahren besteht der Wunsch nach einem zweiten Autobahnanschluss in Wil. Er soll die Verkehrssituation in der Region verbessern. Um die Autobahnausfahrt beim Bund auch tatsächlich rechtfertigen zu können, ist aus dem Projekt Wil West mittlerweile ein riesiges Bauvorhaben geworden. Etappenweise soll in den nächsten 25 Jahren auf zehn Hektaren grüner Wiese ein Wirtschaftsstandort mit mehr als 3000 neuen Arbeitsplätzen entstehen. Welche Firmen sich dort niederlassen, ist ungewiss.

Das Entwicklungsgebiet befindet sich grösstenteils auf dem Gemeindegebiet von Münchwilen und Sirnach. Die Stimmberechtigten der beiden Gemeinden haben 2016 die Kompetenz für die planerische Ausgestaltung des Areals an den Kanton Thurgau abgetreten. Dadurch ist dieser auch in der Pflicht. Umweltbewusste Politiker wollten in einer Interpellation von der Kantonsregierung wissen, ob dieses Reissbrett-Projekt auch als Chance wahrgenommen werde, im Bereich Energie und Klimaschutz eine vorbildliche Lösung anzustreben. Dafür reichte GP-Kantonsrat Kurt Egger (Eschlikon) mit drei weiteren Hinterthurgauer Kantonsräten eine Interpellation ein.

Braucht es 1740 Parkplätze?


In ihrer Antwort teilt die Kantonsregierung die Ansicht, dass «das Vorhaben auch in Energiefragen vorbildlich sein soll». Bezüglich Energie sei aber beispielsweise noch unklar, ob 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen könne. Eine Studie habe sich mit drei möglichen «Versorgungsszenarien» befasst: Erdwärme, Fernwärme und Gas. Mit der tiefsten CO2- und Umweltbelastung habe ein arealinternes Energie-Netz mit Erdwärmesondenfeld am besten abgeschnitten, schreibt die Thurgauer Regierung. Sie setzt aber gleich ein Fragezeichen dahinter. Dafür seien grosse Anfangsinvestitionen nötig. Ausserdem liege unter dem Standort Grundwasser, das für die Trinkwasserversorgung geschützt werden müsse.

Kantonsrat Egger findet es positiv, dass man sich Gedanken um die Energieversorgung gemacht habe. Mit Blick auf die Energiestrategie 2050 könne er aber nicht verstehen, dass bei einem Projekt, das erst in 25 Jahren abgeschlossen sei, überhaupt der fossile Energieträger Gas in Betracht gezogen werde. «Das passt überhaupt nicht.» Er vermisse mehr energiepolitische Visionen.

Erste Schritte zur Realisierung von Wil West würden voraussichtlich Mitte 2020 beginnen, schreibt der Regierungsrat weiter. Obwohl der ÖV mit Busverbindungen und zwei neuen Bahnhaltestellen ausgebaut werden soll, sind für 3200 Arbeitsplätze 1740 Mitarbeiterparkplätze vorgesehen. «Mehr als jeder Zweite fährt also alleine im Auto dahin», kritisiert Egger. Dabei erinnert er sich sogleich daran, dass es bei Wil West auch um einen Autobahnanschluss geht.