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Als Autos in Weinfelden noch eine Attraktion waren oder eine Zeitreise in die frühen 1900er Jahre

Eine Reise in eine Zeit, in der Autos erst allmählich die Strassen und Fotos prägten. 1901 kaufte sich Teppichhändler Schenk als erster Weinfelder ein Auto. Das war der Startschuss für ein mobiles Weinfelden.

Sabrina Bächi
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Das Auto war in seiner Anfangszeit ein Luxusgut. Wer eines besass, ging damit zum Fotografen. Die ganze Familie musste mit aufs Bild. Dieses Auto steht in der Schmidstrasse in Weinfelden vor dem Hotel Merkur.
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Mit der Eisenbahn wurde um 1908 die Thomas-Bornhauser-Strasse gebaut. Die Schienen dafür wurden speziell gebaut. Lastwagen für den Kiestransport gab es damals noch nicht.
Erst um 1920 besass die Mühle Weinfelden einen Lastwagen zum Transport des Getreides.
Wirt Saurwein vom Restaurant Merkur führte auch noch eine Garage. Hier ein Bild von 1907 vor dem Gasthaus in der Schmidstrasse.
Um 1900 gehen die Leute noch auf der Strasse. Autos gibt es damals in Weinfelden noch nicht.
Erst um 1901 kauft sich Teppichhändler Schenk ein Auto. Er ist damit der erste Weinfelder, der ein Auto besitzt.
Auch die ersten Autounfälle lassen nicht lange auf sich warten: 1930 geschah das Unglück in der Nähe der Wartburg.
Dem verunfallten Auto fehlt ein Hinterrad. Ob jemand vereletzt wurde ist nicht überliefert.
Gelegentlich kam es auf dem Marktplatz auch zu Autoausstellungen. Hier zu sehen ist eine Aufnahme um 1920.
Geschicklichkeitsfahren war bei den Autoausstellungen scheinbar sehr beliebt. Dieses Foto stammt etwa aus dem Jahr 1920.
1938 besticht der Weinfelder Marktplatz nicht nur mit der grossen Linde, sondern vor allem mit vielen Parkplätzen. Diese scheinen jedoch an diesem Tag nicht wirklich von Nöten.

Das Auto war in seiner Anfangszeit ein Luxusgut. Wer eines besass, ging damit zum Fotografen. Die ganze Familie musste mit aufs Bild. Dieses Auto steht in der Schmidstrasse in Weinfelden vor dem Hotel Merkur.

Bilder: Bürgergemeinde Weinfelden/Fotoarchiv Martin Sax

Die Diskussionen rund um den Stadtbus laufen heiss. Am 9.Februar stimmt die Weinfelder Bevölkerung darüber ab, ob gar ein Elektrobus künftig durch die Strassen kurvt. Dabei ist es nur 120 Jahre her, als Weinfelden noch völlig autofrei war.

In Martin Sax grossem Fotofundus gibt es einige historische Perlen dazu, wie Weinfelden überhaupt automobil wurde. Das erste dokumentierte Auto in Weinfelden besass Teppichhändler Schenk, der sich um 1901 leisten konnte, eines zu kaufen. Martin Sax sagt:

«Die Strassen waren zu dieser Zeit noch kaum gepflastert. Die Leute gingen auf der Strasse. Hauptsächlich Postkutschen dienten dem Fortkommen und dem Transport von Waren.»

Daneben gab es noch die Eisenbahn und den Transport übers Wasser. Eines der ältesten Bilder von Weinfelden aus dem Jahr 1870 zeigt nämlich noch die Schifflände am Giessen.

Teppichhändler Schenk kaufte sich als erster Weinfelder um 1901 ein Auto.

Teppichhändler Schenk kaufte sich als erster Weinfelder um 1901 ein Auto.

Bild: Bürgergemeinde Weinfelden/Fotoarchiv Martin Sax

Autogaragen an jeder Ecke

«In der Anfangszeit der Autos war es ein absolutes Luxusprodukt», sagt Sax. Etwa um 1910 gab es die erste Autogarage in Weinfelden in der Nähe des Pestalozzi-Schulhauses. Auch Möschinger hat als Garagist angefangen, «daraus ist später die Garage Krapf geworden». Viele Geschäfte betrieben nebst dem normalen Erwerb noch eine Tankstelle oder Garage. Selbst der Wirt Saurwein im Hotel Merkur an der Schmidstrasse unterhielt nebst dem Restaurant noch eine Werkstatt.

Auf einem Foto, welches wohl in den Zwanzigerjahren entstand, ist gar einer der ersten Verkehrsunfälle festgehalten, der sich in der Nähe der Wartburg ereignete. Gelegentlich gab es in Weinfelden auf dem Marktplatz sogar eine Autoausstellung, «mit Geschicklichkeitsfahren», ergänzt Sax.

Erst ab 1950 werden Autos erschwinglich

Wer ein Auto besass, zeigte dies auch. «Es gibt zahlreiche Fotos, auf denen die Personen sich in ihrem Auto präsentieren – man ging mit dem Auto zum Fotografen», sagt Sax und schmunzelt. Mit dem Autoboom mussten auch Strassen gebaut werden. Auch dazu gibt es Fotografien. Die Strassen wurden manchmal mit einer eigens dafür ausgelegten Eisenbahn gebaut. Sie erleichterte den Transport des Baumaterials. Lastwagen, um Kies zu transportieren, gab es damals noch nicht.

Erst in den 1950er-Jahren wird das Auto erschwinglich für einen grösseren Teil der Bevölkerung. Doch kann Martin Sax sich noch gut erinnern, wie auch noch in seiner Jugendzeit Fuhrwerke, gezogen von grossen Pferden, das Bild auf den Weinfelder Strassen prägten.

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