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Wie lange dauert die Ewigkeit? Die Antwort liegt auf dem Friedhof der Grabsteine in Frauenfeld-Oberkirch

Im Oberkirch werden fast alle Grabsteine irgendwann zu Kies. Nur 18 Erinnerungsmale stehen schon lange – und bleiben.
Mathias Frei
Hinter der Kirche, wo nicht oft Besucher hinkommen, stehen Grabsteine von bekannteren Frauenfeldern, die seit langem tot sind. Markus Marghitola, Leiter Abteilung Friedhof und Stadtgärtnerei, nimmt sie unter die Lupe. (Bild: Donato Caspari)

Hinter der Kirche, wo nicht oft Besucher hinkommen, stehen Grabsteine von bekannteren Frauenfeldern, die seit langem tot sind. Markus Marghitola, Leiter Abteilung Friedhof und Stadtgärtnerei, nimmt sie unter die Lupe. (Bild: Donato Caspari)

Irgendwann ist Trauer vergangen, das x-te Allerheiligen vorbei. Nur ein paar wenige Grabsteine bleiben, etwas abseits und für immer – vorerst. Wobei: Was heisst schon «für immer»? In Frauenfeld beträgt die Grabruhe offiziell 20 Jahren. «Dann gibt es noch eine Kulanzfrist von zwei bis drei Jahren», sagt Markus Marghitola. Er ist bei der Stadt Frauenfeld Leiter der Abteilung Friedhof und Stadtgärtnerei. Der Friedhof Oberkirch ist gross genug. Und die Zahl der Erdbestattungen nimmt sowieso ab. Nach der Räumung eines Grabfeldes wird Rasen angesät. Frühestens nach 15 Jahren gibt es wieder Gräber. Ein paar Schritte von der St.-Laurentius-Kirche entfernt ist eine Grabfeldräumung geplant. Sie wird vor Ort ausgeschildert und in den Friedhofsanschlagskasten angekündigt. Marghitola erklärt:

«Im Minimum ein Dreivierteljahr voraus.»

Maximal drei Prozent der Nachkommen nehmen den Grabstein mit respektive beauftragen einen Steinbildhauer, den Stein abzutransportieren. Daraus würden dann zum Beispiel Vogeltränken für den Garten entstehen oder kleine Sitzbänke, wie Marghitola schon erzählt worden ist.

Bis vor 40 Jahren wenig pietätsvolles Recycling

Wird der Stein einfach stehen gelassen, wird er zu Kies zerkleinert und als solches ganz normal weiterverarbeitet. Marghitola sagt: «Das ist der Lauf der Dinge. Der Stein geht wieder zurück ins System und findet eine sinnvolle Verwendung.» Das könne tröstlich sein.

«Aber man hält ja sowieso den verstorbenen Menschen in Erinnerung und weniger den Grabstein.»

Hinweis auf eine bevorstehend Räumung eines Grabfeldes. (Bild: Donato Caspari)

Hinweis auf eine bevorstehend Räumung eines Grabfeldes. (Bild: Donato Caspari)

Noch vor 40 Jahren, lange vor Marghitolas Zeit, war der Umgang mit Grabsteinen in Frauenfeld etwas weniger feinfühlig. Damals verwendete man beispielsweise bei einem Kompostplatz ausserhalb des Friedhofs ganze Grabsteine zur Begradigung des Bodens. Die Namen liegen nach unten. Andernorts kamen ganze Grabsteine in Bachverbauungen oder bei Stützmauern zum Einsatz. «Das wäre aus Pietätsgründen heutzutage nicht mehr vorstellbar», erklärt Marghitola.

Etwas ungeordnet, Moos hat schon angesetzt

Ein spezieller Ort im Oberkirch befindet sich hinter der St.-Laurentius-Kirche. Friedhofsgänger verirren sich nicht oft dorthin. Etwas ungeordnet stehen 18 Grabsteine. Die Steine sind offensichtlich in die Jahre gekommen, bei vielen hat schon Moos angesetzt. Bei der Räumung der Gräber ist jeder Tote gleich. Von einer Handvoll bekannter Frauenfelder bleiben aber die Steine auf dem Friedhof und werden hinter der Kirche aufgestellt.

Die Grabsteine von bekannten Frauenfeldern. (Bild: Donato Caspari)

Die Grabsteine von bekannten Frauenfeldern. (Bild: Donato Caspari)

Da sind etwa die beiden alt Stadtammänner Otto Herrmann (verstorben 1965) und Albert Bauer (verstorben 1970) oder auch alt Bundesrat Heinrich (gemäss Grabstein: Heinz) Häberlin, der 1947 verstorben ist. Man findet alt Regierungs- und Ständeräte, die schon seit über 80 Jahren tot sind, oft auch zusammen mit der Ehefrau. Und dann hat es Grabsteine von Personen, die heute wohl keiner mehr kennt. Bei den Steinen seien es oft historisch bewanderte Privatperson gewesen, welche die Friedhofsverwaltung auf eine Frauenfelder Persönlichkeit aufmerksam gemacht hätten, sagt Marghitola. In den letzten Jahren kam kein neuer Stein dazu.

«Wir pflegen diese Sammlung derzeit nicht speziell.»

Der Stadtrat werde sich aber Gedanken machen, wie man mit diesem Ort zukünftig verfahren wolle. Das wäre die Antwort auf die Frage, wie lange die Ewigkeit dauert.

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