Cinemusic in der Rüegerholzhalle in Frauenfeld ist wie im Kino, nur viel besser

«Cinemusic» heisst das erste gemeinsame Programm von Stadtmusik und Stadtorchester. So füllten die beiden Frauenfelder Traditionsvereine am Wochenende dreimal die Rüegerholzhalle.

Maria Keller
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Stadtmusik und Stadtorchester spielen die Mary-Poppins-Filmmusik, im Hintergrund läuft der Streifen. (Bild: Reto Martin)

Stadtmusik und Stadtorchester spielen die Mary-Poppins-Filmmusik, im Hintergrund läuft der Streifen. (Bild: Reto Martin)

Die Pauken schallen den Besuchern in den Ohren, wenn Old Shatterhand und Winnetou den Kampf gegen die weissen Banditen führen. Zusammen mit den Posaunen, die den bevorstehenden Krieg ankündigen. Beruhigend wirken dagegen die Geigen, welche die Hobbits in «Herr der Ringe» Richtung Mordor begleiten. Und wenn Oskar Schindler ins Rampenlicht tritt, sind die Augen der Besucher gebannt auf die Leinwand gerichtet.

Die Rüegerholzhalle hat sich vergangenen Samstagabend in ein Kino mit Livemusik verwandelt. Die Filmausschnitte alter Klassiker werden von der Stadtmusik und dem Stadtorchester musikalisch untermalt. Für ein komplettes Kinogefühl gibt es Popcorn, Pommes frites und eine Film-Bar nach der zweistündigen Vorstellung. «Cinemusic» ist die erste Zusammenarbeit der beiden Vereine. Am Freitagabend ging die Premiere erfolgreich über die Bühne, die Dernière am Sonntagmittag wurde mit einem gemeinsamen Zmorgebuffet eingeleitet. Seit diesem Sommer probten die beiden Orchester getrennt einmal wöchentlich für das aufwendige Projekt. Sie verschmelzen an diesem Abend zu einem grossen Ensemble. Und harmonieren perfekt.

Von Johann Sebastian Bach bis Indiana Jones

Vor dem eigentlichen Cinemusic-Programm präsentieren die beiden Vereine mit je einem Stück getrennt ihr Können. Mit barocken Perücken und eleganten Gehröcken paradiert das Stadtorchester mit Dirigent Andreas Pfenninger in die Halle. Das Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach ist vielleicht keine Filmmusik, für Unterhaltung sorgen die Musiker mit ihren Kostümen aber trotzdem. Das darauffolgende «Buradowianka» der Stadtmusik unter der Leitung von Thomas Fischer würde aber gut in einen actionreichen Filmstreifen passen. «Bei der gestrigen Vorstellung sagte jemand, das höre sich nach Indiana Jones an», sagt Andrea Hofmann Kolb. Sie führt als Moderatorin durch den Abend.

Die beiden Orchester sind perfekt auf die Filmausschnitte abgestimmt. Leicht und träumerisch spielen sie, wenn die berühmte Mary Poppins mit ihrem Schirm durch die Lüfte fliegt. Schwer und kriegerisch im Western «Der letzte Mohikaner».Wenn die Augen auf die Leinwand gerichtet sind, könnte man vergessen, dass die Musik nicht aus dem Film selbst kommt. Um die Handlung besser mitverfolgen zu können, bringt Hofmann Kolb zwischendurch erklärende Worte ein. Mit einem Taschenspiegel verfolgt sie die Filmszene hinter sich, um im richtigen Moment erklärende Worte zu sprechen. Für die Filmausschnitte ist der Thurgauer Filmemacher Jann Kessler verantwortlich. Im Publikum sitzt auch Daniel Zeiter. Für Cinemusic hat er die Werke arrangiert.

400 Besucher sind gefesselt vom Klangerlebnis

Die rund 400 Besucher scheinen gefesselt zu sein von der imposanten Wirkung des Klangerlebnisses. Einzig einige Mütter halten ihren Kindern bei manchen Filmausschnitten die Augen zu. «Manche Szenen waren doch sehr brutal. Ich hätte mir gewünscht, dass die Auswahl besser auf jüngere Besucher abgestimmt worden wäre», sagt eine Frau. Ihr Mann meint: «Die Musik war eindrücklich, die Leinwand wäre meiner Meinung nach nicht nötig gewesen.» Für andere war das Spektakel erst mit den passenden Ausschnitten komplett. Eine ältere Frau sagt:

«Das war einmalig. Wie im Kino, nur viel besser. Zwischendurch habe ich den Film mitgeschaut, danach wieder das Orchester beobachtet. Das macht das Ganze unglaublich spannend.»

Bei der Titelmelodie von «Pearl Harbor» seien ihr beinahe die Tränen gekommen.