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Wie echte Freundschaft zwischen Frauenfeld und Kufstein offiziell wurde

Eine Geschichte von «glatten Cheiben» und Tiroler Obstschnaps: Seit dem 4. Juni 1988 unterhalten die Thurgauer Kantonshauptstadt und Kufstein im Osttirol eine Städtepartnerschaft. Das morgige Winzerfest bildet den Rahmen für das 30-Jahr-Jubiläum.
Mathias Frei
4. Juni 1988: Stadtschreiber Thomas Pallmann mit der Partnerschaftsurkunde, Stadtammann Hans Bachofner und Bürgermeister Lothar Held. (Bild: TZ-Archiv)

4. Juni 1988: Stadtschreiber Thomas Pallmann mit der Partnerschaftsurkunde, Stadtammann Hans Bachofner und Bürgermeister Lothar Held. (Bild: TZ-Archiv)

Wie so oft: Am Anfang war die Geselligkeit. Am Montag, 17. Juni, 1985 war in der «Thurgauer Zeitung» von einer «Bombenstimmung» zu lesen, von Leuten, die auf den Bänken tanzten, und von Kufsteins damaligem Bürgermeister Siegfried Dillersberger, der nicht mehr sagen konnte als: «Ich bin überwältigt.» An jenem Samstag, 15. Juni, wurden die Beziehungen zwischen Frauenfeld und Kufstein in der Festhalle Rüegerholz wiederbelebt. Denn diese waren seit Anfang der 1950er-Jahre eingeschlafen.

Thomas Pallmann – von 1978 bis 2008 Frauenfelder Stadtschreiber – kann sich noch gut an den Tirolerabend in der Festhütte erinnern. Ein Mitglied der Stadtmusik unterhielt freundschaftliche Bande zu einem Musiker der Stadtmusikkapelle Kufstein. So kam die Idee auf, die Kufsteiner für ein Konzert nach Frauenfeld einzuladen. «Als Bürgermeister Dillersberger davon erfuhr, liess er es sich nicht nehmen, einen ganzen Tirolerabend zu inszenieren», erzählt Pallmann. Dillersberger und der damalige Stadtammann Hans Bachofner hatten es auf Anhieb «glatt» zusammen. So wurde fürs übernächste Jahr ein Gegenbesuch des gesamten Frauenfelder Stadtrats in Kufstein vereinbart. Und dann kam auch die Idee einer Städtepartnerschaft auf.

In der «Thurgauer Zeitung» vom 4. Juni 1988: Bericht von der Ankunft der Kufsteiner Delegation in Frauenfeld am Vortag. (Bild: Mathias Frei)

In der «Thurgauer Zeitung» vom 4. Juni 1988: Bericht von der Ankunft der Kufsteiner Delegation in Frauenfeld am Vortag. (Bild: Mathias Frei)

Zwei Steine und dazwischen 245,7 Kilometer

Pallmann war für die Stadt Frauenfeld Organisator der Feierlichkeiten vom 3. bis 5. Juni 1988. Vom Festakt im vollen Rathaussaal an jenem 4. Juni wird in der TZ Stadtammann Bachofner zitiert, der von einer Partnerschaft spricht, «die mehr als nur ein oberflächlicher, einmaliger Gedankenaustausch sein» und vielmehr «durch die Freundschaften jedes Einzelnen leben» sollte. «Nach der anschliessenden Urkundenunterzeichnung wurde das beschlossene Bündnis mit einem riesigen Schluck Obstler besiegelt», liest man in der damaligen TZ. Der Frauenfelder Steinbildhauer Peter Hotz war damals vom Namen Kufstein inspiriert und schuf deshalb einen zweiteiligen Zeigerstein. «Aber aus Schwarzwaldgranit, nicht aus Tiroler Kaisergebirge-Kalk», wie Pallmann weiss. Der Stein wurde nach dem Festakt mit Hammer und Meissel entzweigeschlagen. Der Frauenfelder Teil liegt am östlichen Rand der Schlosswiese und zeigt ziemlich genau nach Osten. 245,7 Kilometer entfernt liegt der Kufsteiner Teil vor dem dortigen Rathaus.

4. Juni 1988: Bildhauer Peter Hotz hilft Stadtammann Hans Bachofner und Bürgermeister Lothar Held bei der Teilung des Zeigersteins. (Bild: TZ-Archiv)

4. Juni 1988: Bildhauer Peter Hotz hilft Stadtammann Hans Bachofner und Bürgermeister Lothar Held bei der Teilung des Zeigersteins. (Bild: TZ-Archiv)

1988 war Dillersberger nicht mehr im Amt. Sein Nachfolger als Bürgermeister war Lothar Held. «Ein Original», erinnert sich Thomas Pallmann zurück. Held sei nicht der typische Behördenvertreter gewesen. Als Stadtschreiber war Pallmann mehrmals pro Jahr in offizieller Mission in Kufstein. Frauenfelds «Mister Kufstein» sei aber definitiv Hans Brunschweiler, sagt Pallmann. Brunschweiler war damals städtischer Präsidialamtschef, die Städtepartnerschaft fiel in seine Zuständigkeit. Nebst Bachofner ist auch Brunschweiler Träger des Kufsteiner Ehrenzeichens.

Aber zurück zu Held: Dass er Alpinist war, wusste man. Pallmann und Brunschweiler weilten einmal in Kufstein, als sie Held an der Schlossmauer hängen sahen. Der damals schon alte Bürgermeister hatte sich abgeseilt, um die Schlossmauer von unerwünschtem Pfanzbewuchs zu befreien – ein «glatter Cheib».

Festakt am Winzerfest morgen Nachmittag

Die Kuftsteiner Delegation mit Bürgermeister Martin Krumschnabel, der ersten Vizebürgermeisterin Brigitta Klein, dem zweiten Vizebürgermeister Hannes Rauch und weiteren Würdenträgern trifft morgen Samstag nach dem Mittag in Frauenfeld ein. Um 15 Uhr gibt es ein Salutschiessen des Ehrengeschützzuges beim Schloss. Der Empfang danach im Rathaus ist nicht öffentlich. Für die Bevölkerung ist der Festakt am Winzerfest in der Altstadt. Dieser beginnt um 16.30 Uhr. Später besucht die Kufsteiner Delegation auch das «Out In The Green Garden»-Festival. (ma)

Nach Bachofner flachten die Beziehungen ab

In den 1980er- und vor allem 1990er-Jahren wurde die Städtepartnerschaft von beiden Seiten intensiv gepflegt, wie Pallmann sagt. Behörden und auch Vereine besuchten sich regelmässig. Städtische Personalausflüge ins Osttirol fanden statt. Mit Bachofners Rücktritt 2005 seien die Beziehungen abgeflacht. Traditionen wie die Frauenfelder Chlausbescherung in Kufstein haben die Jahre aber überdauert. Und seit Frühling 2015 existiert der Förderverein Städtepartnerschaft Frauenfeld-Kufstein, engagiert präsidiert von Kurt Sieber, der die Beziehungen wieder gestärkt hat.

Am Nachmittag des 15. Juni 1985: Vor dem grossen Tirolerabend spielt die Stadtmusikkapelle Kufstein in der Frauenfelder Altstadt. (Bild: TZ-Archiv)

Am Nachmittag des 15. Juni 1985: Vor dem grossen Tirolerabend spielt die Stadtmusikkapelle Kufstein in der Frauenfelder Altstadt. (Bild: TZ-Archiv)

Pallmann erinnert sich gerne zurück. Als zum Beispiel Bürgermeister Held für die Fasnacht nach Frauenfeld eingeflogen wurde. «Jörg Marquardt aus Matzingen nutzte dafür einen Helikopter-Übungsflug.» Oder als Frauenfeld einen Rebberg in Kufstein stiftete und Hugo Gentsch, der mittlerweile verstorbene Vater des heutigen Neunforner Gemeindepräsidenten Benjamin Gentsch, Müller-Thurgau-Rebstöcke in die Partnerstadt brachte. Und den 29. November 1989 hat Pallmann auch noch gut im Kopf, als auf der Schlosswiese erstmals ein Christbaum aufgestellt wurde. «Kuftstein schenkte Frauenfeld eine Tanne aus dem Kaisertal. Dass der Baum dann mit einem Sattelschlepper in den Thurgau transportiert wurde, fanden einzelne Frauenfelder etwas unverhältnismässig.» Nach der Fahrt über den Arlberg musste der LKW noch ein Umweg nach Buchs machen. Dort wartete ein Schweizer Zollbeamte, der die Einfuhrware kontrollierte – auf böse österreichische Käfer.

Frauenfeld übernimmt eine Patenschaft

Nach dem Zweiten Weltkrieg ruft der Schweizer Städteverband dazu auf, Tiroler Gemeinden zu unterstützen. Frauenfeld übernimmt 1946 die Patenschaft für die Stadt Kufstein. So erfolgen zwischen 1946 und 1948 mehrere Lieferungen von Hilfsgütern aus Frauenfeld ins Osttiroler Städtchen. Damaliger Gesamtwert dieser Hilfsgüter: über 25000 Franken. Im Jahr 1947 können 46 Kufsteiner Kinder und Jugendliche während drei Monaten Ferien machen bei Frauenfelder Gasteltern. 1949 benennt Kufstein die Memelstrasse in Frauenfelder­strasse um. (ma)

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