«Wie das Pflegepersonal können auch die Messen nicht vom Applaus allein leben»: Thurgauer Grosser Rat sagt Ja zur Olma-Finanzhilfe

Der Grosse Rat sagt Ja zur Thurgauer Liquiditätsspritze für die St.Galler Olma Messen. Gefordert wird aber auch, dass die heimische Messelandschaft Unterstützung erfährt.

Sebastian Keller
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Das Gelände der Olma Messen in St.Gallen.

Das Gelände der Olma Messen in St.Gallen.

Ralph Ribi

Es erhoben sich so viele Kantonsrätinnen und Kantonsräte, dass Grossratspräsident Norbert Senn gar nicht auszählen liess. Damit ist klar: Das Kantonsparlament sagt Ja zu einer Erhöhung des Anteilscheinkapitals bei der Olma Messen St.Gallen um 180'000 Franken.

In der Debatte betonten die Redner die Bedeutung der Olma für die Ostschweiz, bemüht wurde auch die ostschweizerische Solidarität. Die Messegesellschaft stürzte wegen der Coronakrise in eine Liquiditätskrise. Kurz vor Ausbruch der Pandemie lancierten sie das Projekt Neuland mit Investitionen von 164 Millionen Franken.

Stefan Leuthold, GLP-Kantonsrat (Frauenfeld).

Stefan Leuthold, GLP-Kantonsrat (Frauenfeld).

PD

In der Grossratsdebatte ginge es aber vor allem auch um die Hilfe für die heimische Messelandschaft. Stefan Leuthold (GLP, Frauenfeld) sagte, dass es sich seine Fraktion überlege, den Kredit für die Olma abzulehnen – wenn der Regierungsrat keine verbindliche Zusage mache, die Thurgauer Messeveranstalter «grosszügig finanziell zu unterstützen».

Daniel Frischknecht (EDU, Romanshorn) sprach davon, dass ein Hilfsgesuch der Messen Weinfelden abschlägig beantwortet worden sei. «Das hat uns befremdet.» FDP-Kantonsrätin Martina Pfiffner Müller (Gachnang) betonte, man dürfe die heimischen Messen nicht vergessen. Urs Schrepfer (SVP, Busswil):

«Es kann nicht sein, dass man nachbarschaftlich einspringt, aber das heimische Schaffen nicht unterstützt.»
Max Vögeli, FDP-Kantonsrat und Stadtpräsident von Weinfelden.

Max Vögeli, FDP-Kantonsrat und Stadtpräsident von Weinfelden.

Donato Caspari

Max Vögeli (FDP) bedankte sich als Stadtpräsident von Weinfelden für die «Voten für den Messeplatz Thurgau». Er sagte, die Wohn- und Baumesse Inhaus sei «rund eine Stunde» vor der Eröffnung abgesagt worden. Sie hätte Ende Februar/Anfang März stattfinden sollen.

«Fürs nächste Jahr sieht es nicht besser aus.»

Gleiches gelte für die Frühlingsmesse Schlaraffia. Für die Wega sei man zuversichtlich. «Wie das Pflegepersonal können auch die Messen nicht vom Applaus allein leben», sagte Vögeli.

Walter Schönholzer, Thurgauer Regierungsrat.

Walter Schönholzer, Thurgauer Regierungsrat.

Bild: ans

Volkswirtschaftsdirektor Walter Schönholzer (FDP) betonte, es liege der Regierung fern, die Olma gegen Thurgauer Messen auszuspielen. «Es geht uns aber nicht besser, wenn es der Olma schlechter geht.» Den Vorwurf, man lasse die heimischen Messen im Regen stehen, wies er zurück.

Zum Fall der Inhaus: Man habe sie auf die Unterstützungsmöglichkeiten hingewiesen. «Es ging aber kein Gesuch ein.» Messeleiter Gregor Wegmüller habe ihm gesagt, dass nicht die Liquidität das Problem sei. «Sondern die Zukunftsaussichten.» Schönholzer kündigte an, dass man in Härtefällen –«nicht nur bei Messe» – handeln werde. Seiner Ansicht nach werden Messen auch künftig eine Bedeutung haben. «Der Wunsch der Menschen, sich zu treffen, sich auszutauschen, wird nicht einfach verschwinden.»