Wie Boccia on the Rocks: In Frauenfeld trifft sich die Elite des Schweizer Eisstocksports

Am Donnerstag beginnt auf der Kunsteisbahn Frauenfeld die Schweizer Meisterschaft im Eisstockschiessen.

Stefan Hilzinger
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Harald Koller, der Präsident der Frauenfelder Eisstockschützen, zeigt, wie’s geht.

Harald Koller, der Präsident der Frauenfelder Eisstockschützen, zeigt, wie’s geht.

Bild: Donato Caspari

Als Erstes räumt Harald Koller einen weit verbreiten Irrtum aus: «Eisstockschiessen ist nicht der Vorläufer des Curlings», sagt der Präsident des Eisstockclubs Frauenfeld. Beide Sportarten hätten sich unabhängig voneinander entwickelt. Während die Ursprünge des Curlings in Schottland liegen, hat Eisstocksschiessen möglicherweise auf zugefrorenen Kanälen in Holland seinen Anfang genommen, wo man den Sport auf Bildern Pieter Brueghels des Älteren (1525–1569) findet. Im Alpenraum gründeten sich erste Vereine gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

2002 war die WM in Frauenfeld

Eröffnung der Eisstock-Weltmeisterschaft in der Eishalle in Frauenfeld am 13. März 2002.

Eröffnung der Eisstock-Weltmeisterschaft in der Eishalle in Frauenfeld am 13. März 2002.

(Bild: Susann Basler)

Auch in Frauenfeld hat der Eisstocksport eine vergleichsweise lange Tradition. Seit 1977 steht Koller für die hiesige Mannschaft auf dem Eis. Den gebürtigen Steirer hatte einst der Vater aufs Feld mitgenommen. Die Frauenfelder Eisstockschützen haben schon Schweizer Meister gestellt und 2002 gar eine Weltmeisterschaft organisiert. Damals gewann bei den Herren Deutschland vor Österreich und Italien, den klassischen Hochburgen des Sports.

Das Ziel der Frauenfelder heisst Klassenerhalt

Rund 160 Athletinnen und Athleten erwarten Koller und sein OK zu den Wettkämpfen, die am Donnersteag Mittag mit den Vorrunden starten. Es ist eine Vielzahl von Disziplinen, in denen die Meister gekürt werden, dazu gehören Einzel- wie Mannschaftswertungen (siehe Kasten). Einer der Höhepunkte des Anlasses ist am Freitag der Mannschaftswettbewerb der A-Klasse.

«Das Ziel für Frauenfeld ist hier der Klassenerhalt», sagt Koller. Wer unter die ersten acht Teams kommt, bleibt oben, den anderen droht der Abstieg in die B-Klasse. Zu den Favoriten zählen für Koller die Teams aus dem Berner Oberland, etwa der ESC Zweisimmen-Rinderberg.

Zielgenauigkeit und Geschicklichkeit

Eisstockschiessen wird auf einer aufgerauten Eisfläche gespielt. Ziel des Sports ist es, den Stock auf seiner Laufsohle möglichst genau auf das Ziel zu schiessen, die sogenannte Taube. Die Regeln unterscheiden sich vom Curling und sind laut Harald Koller eher mit jenen des Boccias zu vergleichen. Es gibt Mannschaftswettbewerbe mit Viererteams bei den Herren und Zweierteams bei den Damen. Daneben gibt es einen Einzelwettbewerb, bei dem es um Zielgenauigkeit und Geschicklichkeit geht.  Während früher die Laufsohlen aus verschieden harten Hölzern bestanden, etwa Balsa oder Birnbaum, gibt es heute Sportgeräte mit abgestuften Gewichten und auswechselbaren Sohlen aus Kunststoff. «Hart bedeutet schnell, weich langsam», sagt Koller. (hil)

Auf dem Weg zu einem olympischen Wettbewerb?

Den ersten Schweizer Eisstockclub gründeten bayerische Touristen vor 125 Jahren in Davos. An der diesjährigen SM nehmen Eisstockschützen aus der ganzen Deutschschweiz teil. Obwohl ein Randsport, gehört Eisstockschiessen zu den olympischen Disziplinen. Schon an den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch und erneut 1964 in Innsbruck fanden Demonstrationswettbewerbe statt. «Wer weiss, vielleicht wird Eisstockschiessen in Peking 2022 das erste Mal richtig olympisch», hofft Koller. Es liefen jedenfalls Gespräche dazu.

Koller ist nicht nur aktiver Sportler, sondern auch Coach der Schweizer Frauennationalmannschaft. «Vor einem Jahr gewannen wir an der EM in Litauen Silber», sagt er. Blazenka Bandur, Spielerin der Frauenfelder Eisstockschützen, gehörte zur Schweizer Auswahl.

Hinweis:
Infos unter www.esc-f.ch